SLIDER

Untot und deswegen ziemlich tot.

Vampire in der Literatur sind (leider?) keine Seltenheit mehr. Abfotografiert aus "Das fünfte Imperium" von Viktor Pelewin // fieberherz.de

Vielleicht hat einer von euch die Info-Seite mal irgendwann überflogen, wo unter anderem von "Fantasy" die Rede ist. Das ist irgendwie das traurigste Wort, das ich je hingeschrieben habe, weil es für etwas steht, für das ich mich ein bisschen schäme. 
Warum ich mich schäme? Weil es um ein Thema geht, das in den letzten Jahrzehnten zwar immer irgendwie ein bisschen präsent war, heutzutage aber kaputt geschrieben wurde. Es ist Teil des Mainstreams geworden, sämtliche Buchhandlungen bersten vor Trittbrettfahrer-Publikationen. Ahnt jemand nun, worum es gehen könnte? Nun ja, Vampire eben ;)


Hier stelle ich mir jetzt schon vor, wie manche die Augen verdrehen. Die, die keine Ahnung haben, gehen von einem Twilight-Abklatsch aus. Die, die sich schon immer über Twilight hinaus für Vampire & Co. interessierten, haben vielleicht nun eine vage Hoffnung, sind aber durch das Übermaß an qualitativ unteriridischer Vampir-Romane äußerst misstrauisch (Stichtwort "Vampirroman" bei Amazon und man glaubt, in der Groschenroman-Erotik-Abteilung gelandet zu sein). Ich persönlich gehöre zur zweiten Gruppe, mit dem Unterschied, dass ich auch noch schreibe. Und mich entschlossen habe, mit BIRDKIN eine Art Vampir-Roman zu verfassen (so, jetzt ist es raus).

Ich mache das, weil ich Lust dazu habe (das Schreiben allgemein) und auch ein verdammter Trotzkopf sein kann (bezogen auf das Vampir-Thema). Mal ganz ehrlich, nur weil Vampire plötzlich "in" sind, sehe ich nicht ein, dass mich mein Wunsch, diesen Roman zu schreiben (und der quält mich schon seit Jahren) mich nachts nicht schlafen lässt, weil es zu Mainstream wäre, ihn umzusetzen. Ich habe nicht mal vor, das Buch zu verkaufen, ich möchte "nur" sagen können, es geschrieben zu haben und zwar mit Herzblut und Gewissenhaftigkeit. Und wenn es natürlich ein paar Menschen da draußen gefällt, klar, das wäre schön. Aber die Gründe sind in erster Linie egoistisch und nicht-kommerziell...
Aber ich schweife ab. Grundsätzlich ist es sehr schade, dass ich mich überhaupt kaum traue zu sagen, was das Hauptthema meines Romans ist. Liegt aber oftmals an der Reaktion meines Umfeldes. Meist sehen Dialoge diesbezüglich nämlich so aus:

ICH: "Habe jetzt angefangen, konkret an meiner Romanidee zu arbeiten, die mir seit ein paar Jahren durch den Kopf geistert. Ist nicht leicht, macht aber Spaß!"
FREUND(IN): "Oh wie toll, ein Roman! Worum geht es denn?"
ICH: "Menschen und Vampire, postapokalyptisch und so."
FREUND(IN): "Äh ok. Also äh, Vampire, ja?"
ICH: "Ja."
FREUND(IN): "Aha."

Lasse ich das mit dem Vampirkram aus dem Gespräch raus, läuft es etwas angenehmer ab:


ICH: "Habe jetzt angefangen, konkret an meiner Romanidee zu arbeiten, die mir seit ein paar Jahren durch den Kopf geistert. Ist nicht leicht, macht aber Spaß!"
FREUND(IN): "Oh wie toll, ein Roman! Worum geht es denn?"
ICH: "Ach, vieles, arbeite noch am roten Faden des Ganzen."
FREUND(IN): "Mensch, find ich klasse, sich so einen Traum zu erfüllen!"
ICH: "Ja, ich freu mich auch schon auf das Resultat!"
FREUND(IN): "Ich mich auch, gib mir das dann mal unbedingt zum Lesen, ja?"

Das Thema Vampire an sich scheint in vielen eine gewisse Einstellung auszulösen. Nämlich scheinbar die, ein Projekt dieser Art nicht mehr ernst zu nehmen, weil "richtige" Autoren ja andere Themen haben. Auf jeden Fall ist das Geständnis grundsätzlich für mich Anlass zu glauben, mein Gegenüber nimmt mein Projekt nicht mehr ernst. Daher habe ich das Thema oft verschwiegen, aber mittlerweile habe ich keine Lust mehr dazu. Es tut niemandem weh, zu erfahren, worum es geht, und wer die Idee, sich den Traum von einem Roman zu erfüllen, wirklich gut findet, der unterstützt mich auf seine Art und Weise dennoch.

Dazu zu stehen mag für manche lächerlich leicht sein, aber es fiel mir dennoch ungeheuer schwer. Als ich meine erste Vampir-Kurzgeschichte mit 13 oder 14 schrieb, ganz stark beeinflusst von Anne Rice, fand ich die kurze Story so toll, dass ich sie unbedingt meiner Mutter zeigen wollte, aber Wochen dazu brauchte, sie ihr wirklich vorzulegen. Irgendwie hatte ich Angst, als "komisch" betrachtet zu werden, wenn man über Untote schreibt. Die Reaktion meiner Mutter war leider nicht wirklich stärkend (sie vergaß das Ganze einfach), aber mittlerweile weiß ich ja, dass man sowas nicht von anderen abhängig machen sollte, wenn man es sich nun einmal wirklich wünscht (erwachsen werden hatte mal was Gutes...). Aber weiterhin soetwas zu schreiben und dazu auch zu stehen sind wiederum zwei Paar Schuhe. Und ich bin froh, nun sagen zu können, in beiden Paaren endlich schon ein paar Meter zurückgelegt zu haben!


Abfotografierter Textausschnitt "Das fünfte Imperium" von Viktor Pelewin

Kommentare

  1. ich mag vampire,trotz aller vorurteile.hau raus!

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    1. Haha, sehr gut, danke ;) Werd ich machen, bin dabei :D

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  2. du vogel, du!

    musst dich doch nicht rechtfertigen! man liest förmlich den überwindungsschweiß (bezüglich des "buchinhaltsgeständnisses") aus diesem post raus. hehe.

    ich finds auch toll! schäm dich deiner story nicht, du schreibst ein buch, kreisch (:

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    1. Hahaha, "Überwindungsschweiß", herrlich :,D

      Danke dir für deinen Zuspruch *__*<3

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  3. Oh, noch eine Vampirschreiberin :D. Das verfolge ich doch gerne, gerne, gerne mit...
    Und ja, ich erzähle auch nur noch ungern, worüber ich schreibe. Denn sofort kommt das wissende "Aaaaah, wie bei Twilight." Und ich am Liebsten: "Nein, du olle ########!" *Kopf meets Tischplatte*

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    1. Aaah, hallo Evanesca, wie toll, dass du hier bist :D :D :D

      Ja, diese Reaktionen kenne ich auch, leiderleider. Und die sind noch eher die positiven! Schlimmer ist es, wenn da kommt "Ech, VAMPIRE?! Nee, ne? So'n Mist willst du schreiben?"

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  4. Früher, also in meiner Kindheit bis Jugend, mochte ich Vampire auch echt gern. Da waren sie noch gruselig, gefährlich und hatten Persönlichkeiten. Dieser ganze Post-Twilight-Hype hat das alles ein bisschen kaputt gemacht, deshalb interessiere ich mich jetzt noch kaum noch dafür. Bin jetzt auf Zombie umgestiegen, die sind wenigstens witzig und dabei geben sich die Macher noch Mühe, habe ich das Gefühl.

    Bin aber trotzdem gespannt auf deinen Roman. Solange die ewig gleiche 0815-Liebesgeschichte zwischen Mensch und Vampir nicht im Vordergrund steht, bin ich dabei. Wie gesagt, denn eigentlich mag ich Vampire ja. :D

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    1. Haha, das wäre eigentlich ein schöner Titel für diesen Post gewesen, "... denn eigentlich mag ich Vampire ja!" :p Wirklich jetzt. Denn diesen Satz habe ich ständig im Kopf. Will damit sagen: Kann deine Reaktion auf den "Post-Twilight-Hype" verstehen, ähnlich ging es mir anfangs auch. Aber dann wurde ich eben ein bisschen bockig, weil die Romanidee dennoch heraus wollte...
      Freut mich, dass du dennoch hier bist :D Ich hoffe, du kannst offen genug sein für "meine Vampire". Die sind zwar keine klassischen Draculas, aber auch nicht so harmlos wie ein glitzernder Edward. Und hm, 0815-Liebesgeschichte zwischen Mensch und Vampir? 0815 kann ich gerade bei Liebeskram nicht, höchstens, wenn ich wollte... Will ich aber auch nicht. Und "Liebe", nun ja, die hat viele Gesichter (wie niedlich, diese Pseudo-Spoiler meinerseits :p)... Es wird keine Schnulze, aber ohne Gefühlskram geht's auch nicht. Was die Charas daraus machen, ist eine andere Sache :)

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