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Zwischen Hommage und Klischee

Sich bewusst für ein Klischee zu entscheiden, ist nicht einfach. Foto © fieberherz.de

Vermutlich basieren viele Charaktere der meisten Autoren auf gewissen Klischees. Klischees, die ausstaffiert, "aufgehübscht", abgewandelt und dann dadurch doch noch individualisiert werden. Schließlich will man sich ja absetzen von anderen. Könnte man meinen. Leider habe ich mir die vermutlich dumme Idee in den Kopf gesetzt, für BIRDKIN eine Art Klischee aufzugreifen. Und damit meine ich eher eine Reminiszenz, als eine hundertprozentige Kopie einer bereits mehrfach kopierten Kopie. Eine Art Hommage also, genau genommen an meine Anime- und Manga-Vergangenheit. 


Auch wenn ich der japanischen Zeichentrick- und Comic-Kultur weitestgehend den Rücken gekehrt habe, werde ich ihr nie vergessen, dass sie mich dazu gebracht hat, das Schreiben zu üben, als ich die Hoffnung aufgegeben hatte, jemals selber genug Fantasie und Können zu besitzen, um etwas zu produzieren, das anderen gefallen könnte. Manch einer weiß vielleicht jetzt schon, was ich meine: FanFictions. Habe ich wirklich wahnsinnig gerne geschrieben. Und über welche Anime, Manga und Fernsehserien, das mag ich kaum noch gestehen...  Fakt ist: Ohne FanFictions hätte ich nicht ansatzweise so viel an Texten produziert bislang. An ihnen sind meine schreiberischen Fähigkeiten gewachsen. Ich lernte zu Recherchieren. Mich in Charaktere hinein zu denken. Szenen im Kopf filmisch durchzuspielen. Einen Weltenaufbau zu analysieren.

Nun gut, aber was soll das nun für eine Hommage sein? Im Prinzip wird sie verkörpert durch Gestaltenmeister Kazuo, Erins Ausbilder und gewissermaßen auch Mitbewohner. Stelle ihn mir ein bisschen vor wie Yōhji Yamamoto. Und damit ist die Katze aus dem Sack.

"Ein alter Asiate als Ausbilder, als 'Meister'? Das ist keine Hommage, das ist ein handfestes Klischee!"

Ja, genau das höre ich gerade viele sagen. Diese Zweifel waren bei mir von Anfang an auch da. Aber ich blieb dabei. Es fühlte sich richtig an. Als aber dann auch noch mein bester Freund T., ebenfalls Schreiberling, direkt eine Grimasse machte, als ich von Kazuo erzählte (und mehr Info als ihr jetzt zu diesem Punkt hatte er da auch nicht), geriet alles irgendwie ins Wanken. "Zu klischeehaft", war sein Urteil. Ja, ich greife ein Klischee auf. Aber das heißt doch nicht, dass ich klischeehaft damit umgehe - oder?

Ein paar grobe Fakten zu Kazuo:

  • er ist um die 60 Jahre alt, hat zwar längere Haare und kurz gehaltener Vollbart, aber nur vereinzelt hellgraue Strähnen im schwarzen Haar (kein Weißhaarigen-Klischee)
  • er wird für Erin zwar auch Freund, aber sie darf und kann ihn nicht einweihen, was ihre wahre Natur ist (kein "Allwissender-Klischee")
  • gewiss hätte er Potential als Vaterersatz, dafür lebt er aber oft zu sehr in seiner eigenen Welt, als dass man mit ihm über viel mehr Dinge sprechen könnte, als z.B. Erin und ihr leiblicher Vater (zu dem sie eine eher kühle Beziehung hat) 
  • Kampfkunst? Fehlanzeige! Kazuo ist Feinmechaniker und Hobbygärtner.
  • Liste wird fortgeführt...


Tatsächlich plagen mich aber nun Zweifel, gut genug schreiben zu können, um dem Leser wissentlich ein Klischee vorzusetzen und erfolgreich "mein Ding" daraus zu machen. Ich möchte es als nette Reminiszenz anerkennen können, nicht als Fehltritt aus Sturheit. Vor allem muss das alles klar sein, bevor ich mit dem Spin-Off fertig bin, denn auch hier soll Kazuo auftreten. Momentan bin ich noch unentschlossen, das macht mich ganz furchtbar unruhig :(

Wie ist das bei euch? Gab es Klischees, die euch bei einem Projekt gewissermaßen "am Herzen" lagen? Von denen ihr euch nicht trennen konntet? Oder von denen ihr euch eben trennen musstet, weil es Klischees waren?
  

Kommentare

  1. Eigentlich hasse ich es, wenn in Büchern Klischees bestätigt werden. Es langweilt mich, dass in allen Büchern Liebe vorkommt. Ich finde es blöd, dass es fast immer ein Happy End gibt. Ich mag es nicht, dass in vielen Fantasy Büchern die Worte "magisch", "Amulett", "geheimnisvoll" und "der/die Auserwählte" vorkommen. Ich finde es dämlich, wenn in Jugendbüchern von Anfang an klar ist, wer zusammen kommt.
    Aber andererseits. Wenn es kein Happy End gibt und zum Beispiel die Geliebte der Hauptperson stirbt, dann sage ich "Wieso musste sie sterben? Mit ihr wäre es viel schöner!" Und obwohl es dann endlich mal kein Happy End ist, und es nicht so gelaufen ist, wie man dachte, bin ich enttäuscht.
    Auch ein Buch ohne Liebe finde ich unvorstellbar.

    Deshalb denke ich mir, Klischees sollten einfach mal egal sein. Wenn der Autor das so wollte, dann soll es so sein. Ich beschreib ja auch manchmal einen Charakter und denke "Oh man, to-tal klischeehaft!". Aber wenn ich diesen Charakter haben will, dann hab ich ihn auch, dann kommt er auch in die Geschichte. Punkt. Ist ja schließlich meine Erzählung. Man sollte das manhcmal ignorieren. Und wenn die anderen, die es lesen, klischeehaft finden. Was soll's? =)

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    1. Danke für deine Rückmeldung zu dem Thema :)

      Schließe mich der Sache mit der Liebe an, ist ja im Prinzip ansatzweise im Post "Die Protagonistin, die Liebe und die Glaubwürdigkeit" zu lesen. Und beim Ausbleiben eines Happy Ends bin ich auch eher enttäuscht. Verrückt und lustig zu gleich eigentlich... :)

      Letztlich siehst du also Rechtfertigung eines (bewusst verwendeten) Klischees darin, dass es eben die Geschichte des Autors ist. Ähnliche Gedanken habe ich mir auch schon gemacht - vielleicht muss ich nur (mal wieder) meine Angst besiegen, dass das, was ich schreibe, nicht gut genug für andere sein könnte. Vor allem weiß ich so oder so: Kein Buch kommt ohne solche aus, die dies und das darin nicht mögen... Und dann schließe ich mich dir an, wenn auch ein wenig abgemildert: Klischees sind wohl vermutlich ausnahmsweise dann ok, wenn sie sich richtig anfühlen für die Geschichte, ungeachtet aller Dinge, die man sonst so liest über "richtiges Schreiben" :)

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    2. Ja, manchmal bemüht man sich auch, die Geschichte frei von Klischees zu schreiben. Aber dann liest sie jemand und findet trotzdem noch etwas klischeehaftes. Man kann es nun mal nicht allen recht machen und sollte sich darum nicht zu sehr an die Meinung anderer binden. (Natürlich sollte man sie auch nicht komplett ignorieren ^^) :).

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    3. Man kann es nun mal nicht allen recht machen und sollte sich darum nicht zu sehr an die Meinung anderer binden. (Natürlich sollte man sie auch nicht komplett ignorieren ^^) :).
      Geb' ich dir absolut Recht - nur besonders dieser Spagat ist eben manchmal der Haken an der Sache mit dem Schreiben... Was ist gemeinhin tolerabel, was nicht? Ich persönlich toleriere ja Kleinigkeiten gerne, wenn mich der Rest sehr anspricht :)

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    4. Ja, da das richtige Maß zu finden, ist wirklich schwer...

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  2. Hallöchen,

    ich behaupte jetzt einfach mal kaum Klischees zu bedienen, allerdings; was gilt heute noch als Klischee und was nicht?
    Eigentlich war doch alles schon mal irgendwie da. Je bekannter ein Werk/Wesen whatever ist und jemand anderes es benutzt ist es irgendwie ein Klischee.

    Ich persönlich habe kaum Happy Ends, einfach, weil ich Bad Ends wahnsinnig aufregend finde. Gut, gedanklich versuch ich da doch was positives draus zu bauen, aber geschrieben wird das Bad End.
    (Ich klopf jetzt mal gedanklich 3 Mal auf Holz, bevor das zu einem Klischee wird, weil plötzlich Bad End Geschichten in den Regalen stehen)
    Manchmal hab ich echt den Eindruck, sobald man sich für was interessiert, ist das zu Massen vorhanden :,D

    Auch Liebschaften sind bei mir nicht so arg zu sehen. Hier und da knistert es vllt kurz, aber die Geschehnisse drum herum lassen keine Zeit um da was großes entstehen zu lassen.
    Zumal auch eines meiner Völker ein Matriarchat ist, in dem die Männer eine niedrige Stellung haben und Liebe da eher selten aufkeimt.

    Was deinen Kazuo angeht, denke ich, ist er weniger ein Klischee, aber was Klischees angeht, hab ich da kaum ein Auge für :P


    Klischeecounter: 7

    Haha sieben Mal :)

    Gruß

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    1. Ach, wieder so ein schöner ausführlicher Kommentar ♥ ♥ ♥

      Eigentlich war doch alles schon mal irgendwie da.
      Ja, das ist wohl das größte kreative Kreuz... In meinem Fall wäre es natürlich pure Absicht, soll aber das Werk an sich nicht herabwerten. Muss also hoffen, dass ich dem, was irgendwo schon mehrfach da war, einen gewissen "Dreher" geben kann.

      (Ich klopf jetzt mal gedanklich 3 Mal auf Holz, bevor das zu einem Klischee wird, weil plötzlich Bad End Geschichten in den Regalen stehen)
      Ich drücke dir die Daumen, haha :D Aber selbst wenn, sollte einen das nicht von der Geschichte abhalten. Klappt eh nicht, dem Ruf zu widerstehen... Siehe BIRDKIN und ich - aufgehört habe ich besonders deswegen erst, weil plötzlich überall (zum Kotzen seichte) Vampir-Literatur aus dem Boden schoss wie Unkraut. Und doch bin ich jetzt wieder hier und es will dennoch geschrieben werden :p

      Auch Liebschaften sind bei mir nicht so arg zu sehen. Hier und da knistert es vllt kurz, aber die Geschehnisse drum herum lassen keine Zeit um da was großes entstehen zu lassen.
      Daumen hoch! Bei mir soll es sich definitiv auch nicht ausschließlich um Liebe drehen, eigentlich geht es um Erins Entwicklung und die Frage, ob man sich für Wahrheit+Tod oder Lüge+Leben entscheiden würde (unter gewissen Umständen, die ich aus Spoiler-Gründen nicht nennen kann).

      Du hast mich übrigens neugierig gemacht - kann man irgendwo was von dir lesen? Geschichten, Blog... :)?

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  3. Auch wenn vieles schon da war, kann man immer noch was geiles draus machen und das tust du ja. Die Welt neu erfinden wird da schon schwierig (auch wenn man es versucht ich zb mit meiner Welt 'Arcas') :)

    "zum Kotzen seichte) Vampir-Literatur"
    Bwahahaha :DDD wunderschön ausgedrückt, aber ja, sich da wieder reinzufinden, wenn es von anderen zu Tode geschrieben wurde stell ich mir schwer vor.
    Bin ich froh, wenn kein Hype um Drachen aufkommt! D: toitoitoi!

    Momentan sind es doch eher Formwandler jeglicher Art oder? sowas wie Werwolfvampierleopardelfenelben ಠ_ಠ mit einen Fünkchen Engeldämon :<

    Gut, ist überspitzt dargestellt, aber so scheint es momentan in der Fantasyabteilung abzugehen.
    Nicht zu vergessen von Kindern/Jugendlichen, die sich gegenseitig meucheln ಠ_ಠ wie bei Panem und Divergent (?), sowas Postapokalyptisches.

    "Wahrheit+Tod oder Lüge+Leben"
    Hört sich interessant an.
    Ich persönlich befürworte die Wahrheit, auch wenn es den Tod zur Folge hat.

    "Du hast mich übrigens neugierig gemacht - kann man irgendwo was von dir lesen? Geschichten, Blog... :)?"

    Ich bin bei Twitter sehr am "spamen" :D https://twitter.com/RaMonstra
    da rede ich am meisten über Drachenqual, wenn ich zb am Weltkarten zeichnen bin oder mal wieder an meiner Pinnwand klebe. Ich steh mehr auf das Drumherum.
    Is ja auch eher eine Welt mit vielen Storys nur DQ ist mein Baby :,D
    Hört sich vllt komisch an.

    Also, wenn du auf Prokrastination per Twitter stehst, frag einfach an :D

    Grüßle

    Und jetzt hab ich Urlaub und hab noch nicht ein Wort geschrieben, stattdessen hab ich mir nen Zeh gebrochen...

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    1. Auch wenn vieles schon da war, kann man immer noch was geiles draus machen und das tust du ja.
      Ich hoffe es... :,D

      Ja, diesen Vampirtrend hat jetzt alles andere an Gestalten aus Märchen/Sagen abgelöst. Und Postapokalypse und Dystopie ist auch so ein Megatrend jetzt. So gesehen erfülle ich quasi 2 fette Klischees alleine mit der grundsätzlichen Romanidee, aber eben nicht der typische Kram. Meine Apokalypse ist schon ein Weilchen her und die Menschen organisieren sich ganz gut. Und dystopisch ist nicht die Gesellschaft der Menschen, sondern eher eine andere...

      Oh je, Zeh brechen ist ja fies :( Dann gute Besserung! Und martere dich nicht wegen dem Nicht-Schreiben... Vielleicht wäre dann so etwas wie ein Schreibmarathon was für dich?

      Hab auf Twitter angefragt :)

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