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Akzeptieren der kreativen Nulllinie

Wenn die Kreativität gerade auf Nullllinie ist, ist das nicht leicht zu akzeptieren. Foto © fieberherz.de

Mein Kreuz war ja schon immer der verkehrte Perfektionismus. Wo andere mich zu trösten versuchten mit Sätzen wie "Was soll denn daran schlimm sein, es besonders gut machen zu wollen?" und "Dafür werden deine Sachen aber doch immer gut!", kenne ich mich da besser. Perfektionismus kann gut sein, ist aber für mich in den meisten Fällen wie ein Gefesseltsein der Kreativität. Energie geht dann unter Umstände in Dinge, die mich mehr aufreiben, als dass sie mich weiterbringen bei einem Vorhaben

Und was hat das jetzt mit dem Titel zu tun? Einiges, leider. Denn Perfektionismus bedeutet vielfach auch, Stillstand nicht akzeptieren zu können. Sich dafür sogar regelrecht zu geißeln. Und ständig ruhelos zu sein, obwohl Ruhe und Gefasstheit gerade angebrachter wären, um den stressigen Alltag zu bewältigen.
Zur Zeit machen mir Design-Prüfungsanforderungen und die dafür erforderlichen finanziellen Mittel sehr viel Sorgen. Und das mögliche Versagen, selbst wenn man alles bewältigt hat, um die Prüfung antreten zu können. Mit Schreiben ist da gerade gar nichts los, nicht mal zum Korrigieren habe ich den Kopf frei. Gleichzeitig ist da eine Stimme in meinem Kopf, die mich genau dafür fertig machen will. Die sagt "Das sind doch nur Ausreden! Guck dir die Blogs anderer, richtiger Autoren an! Auf Facebook, auf Twitter auch! Die schreiben, korrigieren, plotten! Es geht, wenn man will! Willst du nicht? Bist du wirklich so gestresst? Jammerst du nicht eher nur herum?"
Diese Stimme auszuschalten ist gar nicht so einfach, sie ist ziemlich hartnäckig und entzieht sich gerne den Versuchen, ihr mit Rationalität beizukommen. In guten Momenten gelingt es mir dann aber – das sind Augenblicke, in denen ich akzeptieren kann, gerade nichts zu produzieren, weil letztlich mein Studium vorgeht und ich beim Romanprojekt eigentlich keinerlei Druck habe (außer eben jener, den ich mir selber mache). Es gibt viel zu tun im Studium und ich nehme es ernst. Und in Zwei teilen kann sich wohl niemand – warum sollte also ausgerechnet ich das können?
In den Momenten, wo ich diese "kreative Nulllinie" akzeptieren kann, freue ich mich auch endlich wieder auf das Schreiben. Da droht es nicht mehr, sich in einen überdimensionalen, albtraumhaften, mahnenden Zeigefinger zu verwandeln, der ständig meine Sicht auf die guten Dinge versperrt. Wichtig dabei zu wissen ist: Ich werde niemals tagelang Zeit zum Schreiben haben. Das muss ich immer im Hinterkopf behalten. Wenn also die Prüfungszeit vorbei ist, werde ich  keinesfalls plötzlich nichts zu tun haben. Der Wille, das Schreiben in den Alltag einzuarbeiten sollte daher idealerweise gleichgestellt sein mit dem Vermögen, eine schreiberische Flaute zu akzeptieren und sich diese auch zu verzeihen.

Wie geht es euch bei soetwas? Könnt ihr Schreibflauten gut oder schlecht akzeptieren?
  

Kommentare

  1. Ich finde du hast Perfektionismus gut erkannt: Es ist eine Stimme, die einen geiselt es zu müssen!

    Ich hatte solch Druck beim Bloggen!
    Durch diese ganzen tollen Blogging-Tipps und SEO-Profis wurde mir eingetrichtert, dass ich ja bloggen MUSS, dass da alle zwei Tage ein Beitrag kommen MUSS, das dies und jenes MUSS und sein MUSS.

    Frag mich nicht, wie ich mich von diesem MUSS löste.
    Ich hab jetzt meinen kleinen Blogplan, der vollgeklebt mit Post-Its ist (Meine Ideensammlung) und so nach und nach abgearbeitet wird - oder eben wegworfen, weil ich doch keine Lust hab zu diesem Gedanken was niederzuschreiben.

    Bloggen ist mein Hobby und deswegen sollte es mir Spaß machen :)
    Und zurZeit macht es mir wieder Spaß und das ist gut so (auch wenn ich sehr wenig produziere) XD

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    1. Ja, Perfektionismus, mit all seinen guten und schlechten Seiten, lässt sich auf viele Dinge übertragen! Es ist schwer, eine eigene Balance zwischen zu finden, wenn die Messlatte nach anderen Menschen ausgerichtet wird, statt erstmal bei sich selber anzufangen. Wenn du zum Beispiel schreibst "Ich produziere sehr wenig" (so geht mir das ja auch mit dem Romanprojekt), dann misst du dich an anderen – nicht an deinem Vermögen, dieses Hobby in Berufs- und Privatleben (mit Familie, Freunden, anderen Hobbies) zu integrieren. Wenn du selber die Messlatte bist, wirst du viel eher zu dem Ergebnis kommen, dass du stolz auf dich sein kannst, immer noch Freude an diesem Hobby zu haben und dass du es auf deine Weise in dein individuelles Leben gut einbaust :) Leider ist es erfahrungsgemäß leichter, sich an anderen zu messen, als sich mit dem eigenen Leben gezielt auseinander zu setzen :/ Merke das immer wieder...

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  2. Mir geht es ähnlich. Ich bin zwar kein richtiger Perfektionist, aber für mich ist es so etwas wie 'sportlicher Ehrgeiz' der da reinspielt. Wenn man dann sein tägliches Training verpasst, kommt das schlechte Gewissen, verpasst man es dann mehrere Tage, weil man nichte die Muse / Zeit / Nerven hatte, macht einen der innere Trainer so richtig zur Sau. 'Klein mit Hut' sozusagen. Damit wächst das schlechte Gewissen und damit auch die Schreibabstinenz. Ein Teufelskreis. Und wenn man das irgendwann überwunden hat und wieder in so eine Phase kommt, geht das Spiel wieder los.

    Was ich damit sagen will... schlecht akzeptieren, ja. Aber manchmal geht es nicht anders. Zu Gunsten von Arbeit, Studium, Privatleben einfach, muss man ab und an mal pausieren. Man sollte, je nachdem wie man da so drauf ist, nicht allzu lange Pausen machen. Für mich wär das der Tod meiner Geschichte, andere schreiben aber problemlos mit längeren Pausen an ihren Texten später weiter. Bevor ich aber ehrlich gesagt keinen gescheiten Satz hinkriege, mache ich lieber erst einmal das, was mein Kopf beschäftigt - und das MUSS dann mein innerer Sporttrainer einfach akzeptieren.

    Liebe Grüße & Kopf hoch <3
    Tina

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    1. Haha, der "innere Trainer", richtig gut :) Dann ist das bei mir auf jeden Fall wohl ein fieser drill sergeant , zumindest hin und wieder :p An guten Tagen ein einfühlsamer Trainer, der nur Gutes aus einem herausholen will. Der drill sergeant geht eher die Schiene "Du kannst das nicht! Und wenn es dir nicht passt, dass du so von dir selber denkst, dann tu verdammt nochmal was dagegen!"

      Damit wächst das schlechte Gewissen und damit auch die Schreibabstinenz. Ein Teufelskreis. Und wenn man das irgendwann überwunden hat und wieder in so eine Phase kommt, geht das Spiel wieder los.
      Ja, zu vermeiden ist das einfach nicht. Und nur weil man so etwas kaum von anderen Autoren mitbekommt, heißt das nicht, dass sie soetwas nicht erleben.

      Für mich wär das der Tod meiner Geschichte, andere schreiben aber problemlos mit längeren Pausen an ihren Texten später weiter.
      Dass ich damit Probleme haben könnte, dachte ich anfangs auch. Das Konzept, zumindest das grobe, bis ich das Setting umschmiss, steht ja schon seit 4-5 Jahren. Als ich merkte, dass es nicht weiter ging, dachte ich gleichzeitig, dass dies das Ende der Geschichte sein müsse. Bin froh, dass ich mich da getäuscht habe :)

      Liebe Grüße zurück und danke :D♥ *mit Fenchel-Anis-Kümmel-Tee mit Honig anstoß*

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  3. *nick*

    Ich bin eine Perfektionistin. Genau das, was du geschrieben hast, passte auch zu mir. 1:1!
    Als ich mit der Fotografie begonnen habe und auf dem Weg war, meinen eigenen Stil zu entwickeln, war Anfangs mein Perfektionismus ganz gut. Er forderte mich besser zu werden! Allerdings viel zu schnell, in einem sehr engen Zeitraum. Was dabei passierte? Zeitdruck. Ich begann mich mehr und mehr mit anderen zu vergleichen, fand meine Arbeiten schlecht und verlor dabei den Spaß. Obwohl ich mich wieder und wieder dazu motivierte, was neues zu versuchen - weiter zu machen - nö. Die Luft war draußen. Mein Perfektionismus hat mir den Spaß an der Sache geraubt. Nicht genommen, sondern ihn wortwörtlich geraubt. Genau den Spaß, der mir am Anfang meine Motivation brachte.

    Es dauerte lange, bis ich verstanden hatte, das es kein "perfektes" Ergebnis gibt. Die Natur ist nicht perfekt, selbst das Leben hat seine höhen und tiefen. Es dauerte lange, bis ich verstand, das es nicht auf die Perfektion ankommt, sondern darauf, das Beste zu geben. Perfektion ist nicht "das Beste". Perfektion ist eine "Besessenheit" - ein Problem des nicht-annehmen könnens. Perfektion raubt den Spaß. Solange man allerdings mit Spaß an einer Sache arbeitet, leistet man auch das Beste, weil man es mit Freude macht und mit Freude detailreich (oder abstrakt, kunterbunt - jeder so, wie er mag) arbeitet! SPASS ist das Zauberwort :) Spaß ist der Treibstoff, den man braucht, um voran zu kommen. Perfektion lähmt und bremst einen nur, da man etwas anstrebt, das sowieso nicht existiert.

    Denn was ist schon perfekt? Für dich etwas anderes, als für mich - oder jemanden anderen. Ich wünsche dir von Herzen, das du wieder Spaß hast, an dem, was du tust <3 Kreativpausen gehören dazu - IMMER! Denn jeder von uns entwickelt sich weiter, und braucht hier und da eine Pause um sich zu fragen "Mhm.. Was will ich denn als nächstes Versuchen? Was sind meine neuen Ziele?" Und da kommt die Pause ganz gut, um abzuschalten und sich neu auszurichten :)


    Liebste Grüße und sorry für den langen Text :D
    dannie
    >> ENGELSKUSS.AT

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  4. Ich fühle mich ein wenig mit dem "Echte Autoren scheinen dauernd etwas zu tun" angesprochen ^^. Dazu Folgendes:
    Wenn ich gerade einen Flow habe, schreibe, plotte, werkle und es vorangeht, dann fange ich voller Überschwang an, darüber zu twittern, was ich gerade alles mache und wie gut ich mich dabei fühle, wie viel ich schon geschrieben habe und so weiter. Und auch woanders schreibe ich dann euphorisch über meine Erfolge.
    Wenn bei mir aber gerade Stillstand herrscht oder ich Probleme habe, es nicht vorangeht etc.... naja, dann habe ich nichts zu erzählen und entsprechend schreibe ich dann auch nichts in den Social Networks. Dadurch entsteht natürlich der Eindruck, dass ich immer am Machen und Erfolge feiern bin.
    Nö.
    Ich bevorzuge es nur, über die Schattenseiten so selten wie möglich oder gar nicht zu schreiben, weil ich der Welt ungern etwas vorjammere.
    Inzwischen ist mir aber bewusst, dass das unabsichtlich demotivierend wirken kann. Und das tut mir echt, echt leid. ich will niemanden entmutigen und versuche, einen gesunden Umgang auch mit Misserfolgen zu finden.

    Konzentriere dich auf deine Uniprüfungen und schreibe in dieser Zeit nur dann, wenn eine Idee/Szene etc. UNBEDINGT rausmuss.
    Ich wünsche dir alles Gute <3

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  5. Wenn es nicht um die Arbeit geht, mit der ich Geld verdiene, bin ich kein Perfektionist.
    Abolut Null.
    Ich denk mir eher: "Dit passt schon. Wenn dit nach zwee Wochen imma noch passt, dann ist fein."
    Wenn nicht, schreib ich es um und dann geht das von vorne los.

    Mein Stillstand wird eher ausgelöst durch meinen Hang zum Schlafen. Ehrlich, ich kann noch so kreativ sein, sobald ich mich aufs Sofa setzte ist aus :,D

    Ich hab zum Glück keine Prüfungen mehr am Hals.

    "Es geht wenn man will!"
    Von solchen Sprüchen halte ich nicht viel, da kann man auch zu einen deiner Einträge über Hobbies zurück gehen, dass man ja auch schreiben kann, statt zu bloggen.
    Natürlich kann ich auch schreiben, statt schlafen, aber nur weil man will, heißt es dann auch dass es gesund ist? (schlafen befriedigt ungemein :D ich tus gerne und viel, auch wenn ich viele Alpträume habe)
    Wenn man es macht, weil man mal wieder muss/will/sollte/könnte/dürfte ist das gedanklich nicht gesund und ich bekomme Magenschmerzen.
    Alles geht, wenn man will, aber: nein.
    Wenn der Kopf mit anderen Sachen voll ist, die eher negativ behaftet sind, kann man sich nur bedingt auf das Schreiben konzentrieren und dann leidet alles. Man schreibt, obwohl der Antrieb fehlt, die Ideen sind dürftig und flüssig läuft es auch nicht und schon hat man seine Frustrationsgrenze überschritten und auch alles andere wirkt viel schlimmer, als es wahrscheinlich ist; eben weil auch dein Hobby nicht läuft.

    Wer, außer Sheldon (haha) denkt bei Problemen rational? Ich nicht, und auch viele meiner Freunde eher bedingt (erst meine Mutter bringt mich auf eine ausgeglichene Spur)

    Übrigens, wir sind noch jung. Geschichten brauchen Zeit um erzählt zu werden.
    Und wenn es heute nicht fertig ist, dann vielleicht morgen oder nächste Woche. Nächsten Monat. Nächstes Jahr.
    Man brauch es nicht eilig haben. Den Stress muss man sich nicht geben.
    Erstmal dass, was wichtig ist gut machen und nebenbei produktiv sein, bis sich das abwechselt.

    Ich glaube, ich sabbel zu viel.

    Jedenfalls. Hab es nicht so eilig.

    Gruß

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  6. Hallo,
    ich habe gerade deinen Blog entdeckt :) Gefällt mir, ich bin selber Autorin (durfte schon eine Kurzgeschichte veröffentlichen) und bin immer auf der Suche nach guten Blogs übers schreiben. Ich werde dir mal folgen.
    Und Schreibflauten kann ich überhaupt nicht gut akzeptieren.

    LG

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  7. Hey =)
    Ich habe gerade deinen Blog wiederentdeckt und freu mich sehr darüber =D
    Ich kenne das von mir auch sehr gut, dass das ewige "ich muss was tun" einen fast noch mehr blockiert. Auch dass man nicht nur halbe Sachen macht, sondern es immer ganz und perfekt sein muss. Zwar ist das bei mir bei der Fotografie so. aber es hört sich sehr ähnlich an, wie bei dir das Schreiben ...
    Eigentlich schade, wenn das doch eigentlich die Dinge sein sollten, die uns antreiben ... ?

    LG
    Elisabeth
    http://elisabethgatterburg.blogspot.co.at

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  8. Ich habe ganz gerne mal das Problem, dass mir richtig gute Ideen ausgerechnet dann kommen, wenn ich kaum Zeit habe, mich zum Schreiben hinzusetzen… Jetzt hab ich mir auf Arbeit ein kleines Heftchen geschnappt und kritzel diese Ideen schnell hin, wenn keiner guckt. Aber da verweilen sie dann recht lang, bis ich zu Hause mal die Ruhe und Zeit habe, sie zu digitalisieren. Oft sind das auch nur irgendwelche Bruchstücke, die ich dann noch irgendwie miteinander verknüpfen muss. Und das nervt mich manchmal schon sehr.
    Aber wenn ich es nicht so machen würde, würde ich diese guten Ideen wieder vergessen und das ist schon oft passiert…. und dann ärgere ich mich noch monatelang darüber :/
    Also es ärgert mich schon sehr, wenn ich keine Zeit zum Schreiben habe. Und ich kriege es leider auch nicht hin, das irgendwie vernünftig in meine Tagesordnung einzugliedern… Jetzt arrangiere ich mich irgendwie mit diesem Mittelmaß und dem Heftchen...

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