5 Fragen, die ich nicht mehr hören kann

2015/07/28
Wenn ständig dieselben Fragen zum meinem Romanprojekt / Blog kommen, dann mag ich gerne mal statt einer Antwort einfach mal spontan abhauen. Mach ich natürlich nicht. Aber träumen darf man ja noch… Foto © Atlas Green – magdeleine.co/author/atlas-green // fieberherz.blogspot.com Foto © Atlas Green

Angeregt durch entsprechende Posts von Marcus Johanus und Evanesca, antworte ich mal schriftlich auf die Top 5 an Fragen, die ich wirklich nicht mehr hören kann, wenn es um das Schreibprojekt geht und bei denen ich eigentlich am liebsten das Weite suchen würde...


1. Wieso schreibst du einen Roman, wenn du damit kein Geld verdienst?

Diese Frage kommt interessanterweise meist nur von Leuten, die in der Regel nicht einmal etwas mit dem Lesen von Büchern anfangen können, für die also so etwas "Nutzloses" wie das Schreiben wenigstens durch finanziellen Zugewinn so etwas wie eine "Daseinsberechtigung" erhielte. Denn wenn das Lesen schon unnütz ist, ist das Verfassen des Lesestoffes aus Spaß ja wohl die Königsdisziplin im Verschwenden von Energie. Oder so.
Ungeachtet dessen müsste es aber doch möglich sein, ein Hobby zu erkennen als eben solches. Und Hobbies sind eben in der Regel ein persönlicher, "lustvoller", aber kein monetärer Gewinn. Oder hat sich da neuerdings was geändert und ist völlig an mir vorbei gezogen?
Und für ganz Hartnäckige hier die lange Version: Ich schreibe für meinen Kopf, mein Herz – zum Ausschütten, zum Erschaffen, zum Begraben. Einfacher ausgedrückt: Ich schreibe für mich in erster Linie, a) weil ich keine Lust habe, mein Leben lang herum zu jammern, dass ich gerne ein Buch schreiben möchte, aber nie den Arsch dafür hochbekomme (sorry für meine Ausdrucksweise – aber ist doch so!), b) weil die Charaktere nicht aus meinem Kopf wollen und ich sie durch den Prozess des Schreibens aus Kopf und Herzen "operieren" muss (wobei ich ja lieber "darf" sagen würde).
Geld ist eben Gott sei Dank nicht alles, auch wenn ich gerne mehr davon hätte. Glücklicher machen dann doch andere Dinge – zum Beispiel dieses Romanprojekt (ohne Verlagsstress) und die lieben Menschen, die ich bereits dadurch kennenlernen durfte :)

2. Hältst du dich für so originell, dass du glaubst, was wirklich Neues zu schaffen?

Nö. Aber Herz sagt "Schreib!" und Kopf so "Okayokay, ich schreib ja schon...". Und das, was am Ende dort steht, hat schon so seinen Sinn und Zweck – egal, ob es neu ist oder nicht, es musste praktisch so sein. Ich glaube auch, dass der Anspruch, was wirklich Neues zu erschaffen, heutzutage schon ein absurder ist. Den kann man gerne haben, aber ich beschäftige mich damit praktisch nicht und investiere die Energie lieber in andere gute Dinge.

3. Muss ich jetzt netter zu dir sein, damit du nur Nettes über mich im Roman schreibst?

Grundsätzlich glaube ich daran, dass man ohne Vorbedingung und Erwartung zu jedem nett sein sollte. Wenn die einzige Motivation nett zu sein darin bestünde, dass man befürchtet, schlecht in einem Roman wegzukommen, ist diese Motivation keine moralisch richtige. Das wäre schon mal der erste Punkt ;)
Ansonsten ist es ein recht überholtes Klischee, zumindest in meinen Augen, dass ein Autor sein Umfeld grundsätzlich in einem Roman "verbrät". Sicherlich werden Erfahrungen / Beobachtungen verarbeitet, keine Frage. Aber zwangsläufig reale Personen identifizierbar einfügen? Kein Interesse! Mein Umfeld erlebe ich jeden Tag, mit dem Schreiben möchte ich ein neues betreten, in der Hoffnung, dass es dem Leser später beim Lesen eben so geht. Zum Abschalten vom Alltag mag ich mich ungerne mit dem Alltag selber beschäftigen.

4. Die Freundin eines Freundes hat ihren Roman in 3 Monaten geschrieben. Wieso brauchst du so viel länger?

Weil ich wohl masochistisch veranlagt bin. Nee, mal Quatsch beiseite – es liegt an mir. Weil ich einfach neben Studium, Beruf und Privatleben nicht so viel Zeit freischaufele, wie andere es tun. Und wenn ich Zeit freigeschaufelt habe, nutze ich sie gewiss nicht so effizient, wie andere es tun. Bums. Da stehen wir nun. Ich stehe zu meiner Unperfektion, arbeite aber auch gleichzeitig an ihr. Das ist mir fast schon Perfektion genug :)

5. Wieso bloggst du über das Schreiben, wenn du auf dem Blog keine Romanauszüge veröffentlichst?

Ich verschwende gerne Zeit, weil ich die im Überfluss besitze. Weil Reflexion cool ist, echt jetzt. Ich mag Theorie, zumindest zu einem gewissen Grad, ich mag es, Systematiken zu entdecken. Außerdem mag ich es, nun endlich in der Lage zu sein, meine Erfolge und Misserfolge zu messen – eben durch Reflexion und eine gewisse Systematisierung der Reflexion auf diesem Blog. Das Veröffentlichen von Romanauszügen ist für mich nicht interessant, weil den Text alle erst zu Gesicht bekommen sollen, wenn er geschrieben und überarbeitet ist.


Gibt es für euch auch Fragen, die ihr eigentlich schon gar nicht mehr hören könnt als Autor?


PS: Sorry für die vielen Stockfotos in letzter Zeit – eigentlich habe ich mir ja auf die Fahne geschrieben, alle Bilder/Grafiken selber zu machen, aber aktuell fehlt mir die Zeit dazu. Das gilt quasi auch für das Kommentieren hier auf FIEBERHERZ und auf euren Blogs. Sobald die Klausurenphase vorbei ist, wird sich das wieder ändern :)
Kommentare zu "5 Fragen, die ich nicht mehr hören kann"
  1. Hm, ich kann gar nicht verstehen, wieso man solche Fragen überhaupt stellt... Ich meine, man schreibt, weil es Spaß macht, so einfach ist das. Wieso lebt man, wenn man dadurch kein Geld verdient? Weil es Spaß macht.

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    1. Nun ja, deswegen taucht die Frage ja auch in meiner Top 5 der Fragen auf, die ich nicht mehr hören kann... Weil ich sie auch irgendwo sinnfrei finde. Leider wird sie von sehr vielen Menschen gestellt. Vielleicht deswegen, weil sie wissen, dass es Autoren gibt, die damit ihr täglich Brot verdienen? Ich weiß es letztlich auch nicht (denn zurückfragen und diskutieren mag ich dann auch nicht bei solchen Leuten) :p

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  2. Auch ich habe in meinem Bekanntenkreis genügend Leute, die mit gedruckten Texten nichts anfangen können. Interessant, dass es wirklich diese Leute sind, die einen Fragen, warum ich überhaupt meine Zeit mit Schreiben "verschwende". Parallelen im Blog kann ich daher nur bestätigen. Niemand von ihnen kann sich vorstellen, seine Zeit mit Dingen zu verplempern, die keinen finanziellen Nutzen bringen.
    Wenn ich dann das Wort "Hobby" ins Rennen werfe, begegnen mir Mienen von mildem Verständnis bis hin zu offener Missbilligung. Erwähne ich dann auch noch, dass ich mir die Papyrus-Software eigens für dieses Hobby gekauft habe, verschwindet allerdings auch das milde Verständnis schnell wieder.
    Wenn ich dann jedoch frage, welchen konkreten finanziellen Nutzen denn eigentlich das tunen des eigenen Autos hervorbringt, und welcher Geldbetrag dafür inzwischen aufgebracht wurde? Wieviel sinnlose Zeit darin investiert wurde? Dann werden die Mienen oft nachdenklich.
    Dabei ist das nur ein Beispiel. Die meisten Menschen sind ohne Hemmungen bereit, riesige Beträge für ein privates Hobby auszugeben und viele Stunden ihrer Freizeit dafür zu opfern. Wir Autoren sind da doch eher bescheiden. Obwohl wir komplette Welten erschaffen und Dinge in ihnen geschehen lassen, also eine hochkomplizierte Fantasie in unseren Köpfen ausleben, ist sie für jeden kleinen Geldbeutel geeignet.
    Ich schreibe seit über 15 Jahren und kann mir kein befriedigenderes Hobby vorstellen. Sollte sich irgendwann ergeben, dass einer meiner Texte tatsächlich einen Gewinn abwirft - ich werde mich ganz sicher nicht dagegen wehren, aber es ist für mich eher "nice to have" und nicht "must have".

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    1. Meine Vermutung ist ja: Berühmte Autotuner kennt keiner, der nichts mit der Szene zu tun hat. Buchautoren, die von ihrer Arbeiten leben können, "kennen" auch solche irgendwie, die höchstens 2x im Jahr eine Buchhandlung betreten und selber mit Schreiben nichts am Hut haben. Daher vielleicht die falsche Verbindung: "Ich weiß, dass man mit so etwas Geld machen kann, das nicht zu tun, wenn man schon ein Hobby hat, mit dem es möglich wäre, ist ja komisch!"

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  3. Aaaaah, wieso entdecke ich den Blogpost jetzt erst o.O

    Ich bekomme in letzter Zeit auch immer öfter die Frage nach Leseproben auf dem Blog gestellt. Da ich aber bei Verlagen veröffentlichen möchte und es da sehr heikel sein kann, wenn auch nur der Prolog schon im Vorfeld öffentlich im Netz steht... Nope.
    So gern ich es tun würde.
    Und ansonsten stimme ich dir zu: Reflexion rockt :D

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    1. Nach Leseproben aus dem unfertigen Roman werde ich auch gefragt, aber bis auf winzige Schnipsel zeige ich hier ja ohnehin nichts... Das Verlagsproblem habe ich Gott sei Dank nicht, einer der vielen Dinge, die ich vorteilhaft am Self-Publishing sehe :) Dass du da natürlich vorsichtig sein musst, ist völlig richtig! Aber dafür hast du dann ja Lektorat, Covergestaltung & Vertrieb unter einem Dach :D

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  4. Frage Nr. 3 ist aber schon ziemlich narzisstisch, oder :D?

    Mich fragt man gerne mal, wieso ich schreibe und was ich denn so schreibe.
    Und man ist zufrieden, wenn ich sage, "was mir so einfällt". Da hab ich wohl noch Glück xD Allerdings stehe ich mit diesem Hobby in meinen Kreisen ziemlich alleine da, von daher gibt es auch niemanden, mit dem ich mich ausführlicher darüber unterhalten könnte oder wollte. Das finde ich in Ordnung so, weil ich mich gerne einfach in meine Welten zurückziehe, ohne, dass da sonst noch jemand rumspuken kann :D

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    1. Das Wieso und Was ist auch so ein Standard, den ich aber als Frage ok finde. Auch in meinem Umfeld teilt kaum einer dieses Hobby. Diese von dir genannten Fragen kommen bei mir dann von Leuten, die es eben nicht ausüben, irgendwie kann ich diese wiederum aber auch nachvollziehen :)

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  5. Haha interessanter Fragen! Und gute Antworten :D!
    Hab deinen Blog heute erst entdeckt und finde deinen Schreibstil jetzt schon sehr sympathisch :) werd mich mal noch ein bisschen umschauen. Würde mich freuen wenn du vielleicht auch bei mir vorbei schaust, ich schreibe hauptsächlich über das Reisen und habe eventuell auch mal vor einen Reiseroman zu schreiben, wer weiß...

    Liebe Grüße :)
    Jasmin von nimsajx.blogspot.de

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  6. Die Fragen:
    Darf ich mal was von dir lesen?
    Komme ich in deinem Buch drin vor?

    Kann ich nicht mehr hören :D

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    1. Oh ja, das mit dem Lesen ist auch wirklich anstrengend. Mein persönliches Argument ist, dass ich schon auf meinem Schreibblog kaum was zeige, ich also niemanden anders als meine Leser behandeln wollte (Ausnahme: Betaleser natürlich).

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  7. Was mich super nervt: Ja, wie lange ist dein Buch denn so?
    Vor allem, weil die Leute einfach gar keine Vorstellung haben. Ich weiß schon, warum ich grundsätzlich mein Schreiben für mich behalte :D

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    1. Ja, die Frage kommt aber nicht nur von Leuten, die keine Vorstellung davon haben, sondern leider Gottes auch von anderen Autoren :/ Aber egal, wer mir diese Frage stellt – sie zu beantworten mag ich auch nicht... Rede mich da auch meist raus, so wenig mag ich sie.

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  8. Unglaublich, was die Leute immer so reden, aber da hilft nur eins: nicht beirren lassen und weitermachen, denn nur du selbst weißt, was gut für dich ist. Ich wünsche dir weiterhin viel Freude und gutes Gelingen bei deinem Roman!

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    1. Lasse mich da auch nicht beirren – an "schlechten Tagen" leider nur etwas von solchen Fragen nerven (und die waren noch relativ harmlos). Danke für deine Ermutigung ♥

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