I live, I feel – Tim Burton in Brühl

2015/08/16
Tim Burton auf der Pressekonferenz zur Eröffnung von "The World of Tim Burton" im Max-Ernst-Museum zu Brühl. Foto ©  fieberherz.de

Neben den eigentlichen Arbeiten eines Künstlers interessierte mich schon immer seine Herangehensweise und seine Art, die Welt zu sehen. Solche Dinge zu erfahren ist schwer, wenn es sich um eine Hollywoodgröße handelt. Stets ist man auf Interviews angewiesen in Zeitschriften, im Radio und TV. Und selbst die sind immer nur ein Ausschnitt der Person, eine Facette von vielen, dabei so immens abhängig von der persönlichen Tagesform beider Interviewpartner und der Umgebung, sowie der Redaktion durch Journalisten im Nachgang. Anders geht es nun mal nicht, soviel ist klar. Aber selbst so ein Ausschnitt, auch vermeintlich Nichtssagendes, kann dann doch inspirieren, wie ich dank Michelle von MuseumLifestyle, sowie dem Max-Ernst-Museum am letzten Freitag hautnah als Fotografin miterleben durfte. Dort fand nämlich die Pressekonferenz (PK) zur neuen Ausstellung "The World of Tim Burton" statt, die nach New York, Tokio und Osaka nun Station im nordrhein-westfälischen Brühl macht. Und der Mann der Stunde war zu diesem Zweck persönlich anwesend.


Auf der Fahrt zum Museum überlegte ich, wie das wohl ablaufen würde. Ich im Hintergrund, umgeben von Film- und Fotokameras, hier und da das sanfte klackklackklack eines Auslösers, das pöffpöffpöff eines Aufsteckblitzes, dabei alle Aufmerksamkeit nach vorne gerichtet. Dann PK vorbei, Rückfahrt. Aber vielleicht würde ich ihm ja zufällig über den Weg laufen (und bestimmt in irgendein Fettnäpfchen treten)? Quatsch. Das ist kein Hollywood-Film. Aber vielleicht sagt er dann etwas, was mich total für mein Schreiben, Fotografieren und Zeichnen inspiriert – und ich wäre dann live dabei gewesen! Möglich. Aber nicht Bedingung dafür, dass dies ein spannendes Erlebnis würde. Die Umklammerung allzu übertriebener Erwartungen wollte ich nicht ertragen. Dies alles mit offenen Augen zu betrachten und alles einfach kommen zu lassen, wie es kommt – das erschien mir schließlich der sinnvollste Gedanke zu sein.

Die erste Hälfte der Pressekonferenz bestand lediglich aus Ansprachen in Abwesenheit des Künstlers. Museumsleiter Dr. Achim Sommer berichtete, wie Tim Burton sich am Vorabend noch einmal die Ausstellung angeschaut hatte. Und mit der Geschichte von seinen abstrusen Verrenkungen, um alles irgendwie aus verschiedenen Blickwinkeln zu betrachten, sollte wohl einerseits die Ansprache des Museumsleiters aufgelockert, andererseits aber auch generell betont werden, dass Tim Burton exzentrisch, aber stets neugierig ist. So froh ich auch war, dort sein zu dürfen, so unglücklich war ich aber auch über die Standards der Inszenierung. Jenny He, Kuratorin, erzählte anschließend von der außergewöhnlichen Arbeit Tim Burtons. Und ich fotografierte, fotografierte wie ein Roboter und hoffte auf den Mann, über den sie da redeten. Hoffte auch, dass er anders wäre, nicht so steif, nicht so beflissen, ja, so überaus professionell.
Als Tim Burton schließlich hinein kam, mit den typisch "verwirrten Haaren" und kurz noch mit Sonnenbrille auf der Nase, fiel mir gleich auf, dass dieser schlaksige Mann gerne gestikuliert. Aber nicht hektisch, sondern unterstreichend, was sich so regt in seinem Gesicht und ausgedrückt wird in seinen Worten. Gut aufgelegt war er zudem und auf dem Podium eigentlich derjenige, der am meisten lächelte. Burton erschien wenig skurril-düster, wie seine Arbeiten es sind – und genau das fand ich sehr sympathisch. Was kann man auch schon von seinen Arbeiten auf seine Person oder gar sein Auftreten schließen?


Gestikuliert gerne und viel - Tim Burton auf der Pressekonferenz zur Eröffnung von "The World of Tim Burton" im Max-Ernst-Museum zu Brühl. Foto © fieberherz.de
Gestikuliert gerne und viel - Tim Burton auf der Pressekonferenz zur Eröffnung von "The World of Tim Burton" im Max-Ernst-Museum zu Brühl.

Er habe nicht viel zu der Ausstellung zu sagen, begann er verschmitzt und die Fragen durften direkt gestellt werden. Es ging unter anderem um Hunde (und seine besondere Verbindung zu ihnen), um Superman lives (das gescheiterte Projekt) und wie und wo er sich inspirieren ließe. Jetzt war der Moment, wo ich ganz besonders aufmerksam lauschte. Aber kam nun dieser "Daraus mache ich mir ein Zitate-Wallpaper"-Moment? Nicht ganz und doch ein bisschen. "I live, I feel", war das, was bei mir hängen blieb und somit nicht mal ein ganz besonderer Satz ist. Aber er traf meinen Nerv, weil die Geschichten um den Mann, der versucht, alles "like for the first time" zu sehen, sich für mich darin verdichteten. Denn das ist für mich ein großes Problem im Alltag und bei der Ausübung meiner Hobbies. Man soll erwachsen sein, aber wenn man kreativ ist, ist es hilfreich, begeisterungsfähig (wie ein Kind) zu bleiben. Die Kombination erscheint mir bisweilen unmöglich, aber dennoch erstrebenswert. Der innere und äußere Konflikt, der hier seinen Ursprung hat, ist wiederum auch oftmals Stoff, der von Menschen künstlerisch verarbeitet wurde und wird.
Als er gefragt wurde, welche Tipps er für angehende Künstler habe, runzelte er, wie viele Male an diesem Vormittag, die Stirn (ich übrigens auch, weil er diese Frage schon Milliarden Mal gehört haben muss). "Do, what you love with all your heart – and hope for the best", sagte er schließlich mit einem schiefen Lacher. Kein Patentrezept? Yeah, ich mag Tim Burton ja jetzt noch mehr :)
Lustigerweise blieben, neben diesen Wortfetzen, vor allem seine Gestik und Mimik bei mir hängen. Seine Augenbrauen, wie sie sich ständig kräuselten, sich rauf und runter schoben. Die Hände, die winkten, beteten, dankten, unsichtbare Türen öffneten, aufzeigten, baten. Die Augenpartie mit den Lachfalten, die Blicke, mal traurig, meist aber fröhlich, belustigt und interessiert. Das alles macht mich wirklich glauben, dass er versucht, Dinge stets anders und neu zu betrachten. Es wäre mir unmöglich das anzunehmen, wenn er eine glatte Maske trüge und nichts an ihm diese vielfach betonte Neugier auf alles kommunizierte.


Tim Burton auf der Pressekonferenz zur Eröffnung von "The World of Tim Burton" im Max-Ernst-Museum zu Brühl. Foto © fieberherz.de

Inspiriert hat mich letztlich seine (scheinbare) Authentizität und auch sein stures Bestreben danach, Dinge nicht nur bloß betrachtet zu lassen, sondern sie auszuloten aus verschiedenen Blickwinkeln, offen zu sein für Eindrucke – also auch von Dingen, die man vermeintlich schon kennt. Alles im Leben so anzugehen, den Alltag und Hobbies, ist sicherlich nicht einfach. Aber wenn ich sehe, dass er immer noch so hartnäckig bleibt, und dass diese Hartnäckigkeit zu Großartigem führen kann, macht das Mut, mir das "innere Kind" zu erhalten.

Die Bilder von der Ausstellung gäbe es normalerweise in diesem Blogpost auf MuseumLifestyle zu sehen. Leider mussten wir in der PK erfahren, dass Bloggern das Fotografieren dort nicht gestattet ist. Michelle und ich durften zwar noch rein, die Bilder dürfen aber nicht veröffentlicht werden, weil Blogger "keine richtigen Journalisten" seien. Als Bloggerin und Fotografin war ich entsetzt, muss mich aber den Auflagen beugen, die von Warner Bros. und Disney kommen. Ähnliche Bilder findet ihr aber beispielsweise beim WDR. Den eingangs genannten Blogpost von MuseumLifestyle empfehle ich euch dennoch, weil ihr dort einiges über die Ausstellung erfahren könnt!

Kommentare zu "I live, I feel – Tim Burton in Brühl"
  1. Warum wurdet ihr eingeladen, wenn ihr keine richtigen Journalisten seid? :P

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    1. Ausgewählte Blogger dürfen auch ohne Presseausweis an Sachen teilnehmen, das ist durchaus gängig so (und eigentlich sogar zusehends beliebt) und hängt von der Entscheidung der Leute ab, denen der Pressesprecher unterstellt ist - er kümmert sich dann um alles weitere :) Weniger gängig ist es aber, Blogger anreisen zu lassen ohne Beschränkungen VORHER mitzuteilen. Das ist etwas unglücklich gelaufen leider.

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