Schreibmusikliebe | Frauenstimmen

2015/11/18
Beim Schreiben muss Musik her! Foto Frau © Jake Melara / Hintergrundfoto © fieberherz.de

Es ist wirklich merkwürdig, dass ich generell so großen Wert auf Musik lege, eine mehr als 6-stündige Playlist auf Spotify alleine für den Roman habe, aber hier auf FIEBERHERZ noch nichts von dem vorgestellt habe, was ich so für's Schreiben benutze. Ich bin zwar kein "Musik-Kenner", aber die Sache mit Musik auf dem Blog wird nun geändert – sodass ihr dann und wann hoffentlich ein bisschen neue Inspiration auf die Ohren bekommt :) Am Ende des Posts gibt es alle Anspieltipps als Spotify-Playlist!

Anfangen wird diese lose Reihe mit den mir liebsten Alben zum Schreiben, auf denen ausschließlich oder hauptsächlich Frauenstimmen zu hören sind. Genre und Stimmungen können sehr unterschiedlich sein – alle eint aber die Eigenschaft, eine absolut einzigartige Stimme zu besitzen.



Agnes Obel | Aventine

Die dänische Singer/Songwriterin und Pianistin Agnes Obel macht so wunderbar zerbrechliche Musik, wie ich sie bislang kein zweites Mal gefunden habe. Und ich tue mich schwer, euch nicht mit Adjektiven und Adverben wegen ihr zu überfluten. Obel singt und spielt Klavier, im Hintergrund wird orchestriert – so alles mal ganz simpel ausgedrückt. Mein Herz sagt, das es weint und sich wiegt, lächelt und tanzt zu den Klaviermelodien. Obels Stimme ist klar, aber doch wirken die Aufnahmen wie etwas ungemein Sphärisches von Schallplatte gehört, mal über allem, mal daneben, aber auch mal nicht da, zum Wirkenlassen der Melodien. Das Orchester, hauptsächlich Streicher, ist von Lied zu Lied unterschiedlich gewichtet in seiner Präsenz, aber Obels Klavierspiel scheint immer wieder durch. Ganz viel Liebe einfach für diese Musik. – ANSPIELTIPP: Fuel to Fire, Dorian




Fever Ray | Fever Ray

Aus Schweden kommt ja bekanntermaßen nicht nur IKEA – und Karin Dreijer Andersson von der Band The Knifes ist auch so ein Kein-Möbel-DesignExport aus diesem Nordland. Als Fever Ray hat sie solo gearbeitet und dieses gleichnamige Album 2009 herausgebracht. Seitdem höre ich es rauf und runter, weil es so wunderbar düster und geheimnisvoll klingt, wie eine einsame Winternacht in einem sehr, sehr tiefen Wald. Anderssons Stimme ist oft verzerrt und gleichzeitig mehrfach zu hören, immer wieder unnatürlich dunkel, dann wieder heller und heiser, verbunden mit elektronischen Soundeffekten, die auch zu schamanischen Tänzen passen würden. Es ist ein bisschen so, als bohrte sie sich in das Innerste, um alles Dunkle hervor zu zerren – daher für mich ideal zum Schreiben düsterer und gleichzeitig emotionaler Szenen. – ANSPIELTIPP: Now's The Only Time I Know, If I Had A Heart




Portishead | Third

Spätestens seit dem Lied Glory Box sind Portishead ja in die Analen der Trip Hop-Musik eingegangen – für mich sind sie auch immer noch DIE Band neben Massive Attack, die für dieses Musikgenre steht. Allerdings haben sie sich mit Third etwas anders entwickelt (bewusst, aus Sicht der Band, gemäß diversen Interviews). Dieses Album ist jedoch wie eh und je geprägt von der unglaublichen Stimme der Beth Gibbons. Sie klagt, sie zittert, sie prophezeit und man möchte, dass sie nicht aufhört, auch wenn der Eindruck entsteht, sie lauge sich selbst mit jedem Lied mehr und mehr aus. Untermalt wird ihr Gesang von oftmals wenig melodischem, eher minimalistischem, rohem, drohendem und vor allem künstlichem Sound. Stoisch-psychedelisch, würde ich sagen, wenngleich dieses Wort nicht existiert. – ANSPIELTIPP: Machine Gun, Nylon Smile




How to Destroy Angels | Welcome Oblivion

Trent Reznor (Nine Inch Nails) und seine Frau Mariqueen Maandig haben sich hier vor gar nicht so langer Zeit zusammen getan und eine Platte produziert, die für mich am besten mit 'dreckige, elektronische Soundwände' zu beschreiben ist. Ehrlicherweise singt Maandig gut, aber wahnsinnig herausragend eigentlich nicht. Das ABER ist es, weswegen das Album nun dennoch hier gelandet ist: Ja, sie klingt nicht "gewaltig",  aber gerade mit ihrem zwar durchaus zarten, aber eher nüchternen Stimmchen setzt sie den halb melodischen, halb genial schiefen Störgeräuschen a.k.a. der Begleitmusik etwas entgegen. In diesem Album finde ich Inspiration für das Zerstörerische und Gestörte, das dieser Welt innewohnt, aber auch für den lichtfarbenen Optimismus, der sich dennoch ebenso darin entdecken lässt.    – ANSPIELTIPP: The wake-up, How long?




Banks | Goddess

Nicht mehr missen möchte ich dieses Album der amerikanischen Sängerin Jillian Rose Banks a.k.a. BANKS. Es ist eines der wenigen, das trotz häufigen Hörens immer wieder fast so klingt und fühlen lässt, wie beim Ersthören. Ihre Stimme ist eine Mischung aus Rauch und Honig, die Stücke ein Mix aus Trip Hop und Pop, Schwermut und Verführung. Dabei wird sich nicht gescheut, ihre Stimme verzerrt nochmals über ihre eigene richtige zu legen, entspannte bis treibende Sampler drüber zu bügeln, mal alles poppig, und eine Sekunde später die Tracks episch-düster klingen zu lassen. Empfinde ich besonders inspirierend für weibliche Charaktere, die sich ohne Probleme trauen, sowohl Stärke, als auch Schwäche zu zeigen mit einer selbstbewussten Bestimmtheit. – ANSPIELTIPP: Waiting Game, Drowning




Flyleaf | New Horizons

In dieser Liste wohl das lauteste Album – so wie es sich für Alternative Rock auch gehört. Das liegt natürlich, wie gesagt, am Genre, aber auch an dieser Wahnsinnsröhre von Sängerin Lacey Sturm (die leider nach diesem Album die Band verließ und meiner Ansicht nach unerreicht bleibt). Diese Energie, alles rau und fast wie ungebändigt! Von Anfang bis Ende ist das Album in seiner Ausrichtung keine Neuerfindung des Rades, hat aber mit der Stimme der Sängerin definitiv ein Alleinstellungsmerkmal. Ebenfalls schön: Egal ob es laut und lebendig, oder leise und traurig ist, bleibt immer etwas Positives zurück. Jede Aggression und jedes Quentchen Traurigkeit ist hier Teil eines großen Ganzen, nämlich des (ja, erlaubt mir den Pathos) Lebens in seiner vollumfänglichen Grausamkeit UND Schönheit. – ANSPIELTIPP: Fire Fire, Call You Out




Stellamara | The Seven Valleys

Am häufigsten wird die Musik von Stellamara als Contemporary World Music bezeichnet. Sagt viel und auch wenig. Platt ausgedrückt ist Stellamara für mich als Laie eine Mischung aus nah- und fernöstlich beeinflusster Musik mit mittelalterlichem Einfluss. Dieser Eindruck kommt zum einen durch die verwendeten Instrumente zustande, Trommeln aus dem Nahen Osten und Viola beispielsweise. Aber auch der unglaublich schöne Gesang von Sonja Drakulich formt dieses Album zu einem schillerndem Ganzen. Ich persönlich spreche kein Bulgarisch oder Ungarisch, sodass die Texte in eben diesen und auch anderen Sprachen allem einen mysteriös-exotischen Touch verleihen. Ideal zum kompletten Abschalten und Sich-treiben-lassen, aber auch zum Anlocken der Muse, die beim Schreiben ja durchaus hilfreich sein kann… – ANSPIELTIPP: Zablejalo Mi Agance, Szerelem





https://open.spotify.com/user/1137747624/playlist/1IKCXUcSwfu8dJ6FLVHjZn





Das war eine bunte Mischung! Aber gerade wenn es um das Schreiben geht, kann und mag ich mich nicht festlegen. Man sieht das auch sicher am "Soundtrack" für BIRDKIN, der übrigens immer dauerhaft in der Sidebar verlinkt ist, in der Reihe mit den Social Media-Icons ganz rechts.
Lasst ihr euch auch von besonderen Frauenstimmen begeistern? Postet gerne eure Favoriten als Kommentar – freue mich immer über neue gute Musik und andere Leser sicher auch
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