Weg mit dem Titel, her mit dem Titel!

2016/01/10
Auf der Suche nach dem passenden Titel wandern viele Ideen in den Papierkorb – oder daneben.  // Foto © fieberherz.de

Lange habe ich mich gewehrt und es liegt sicher an meinem Sternzeichen Stolz. Stolz bezogen darauf, dass ich versuche, meinen Prinzipien treu zu bleiben, möglichst schlüssig und nicht widersprüchlich zu argumentieren und zu leben. Klappt nicht immer. Ist auch nicht schlimm. Doch zu diesem Schluss muss man erst einmal kommen. 
Die Erkenntnis kam mit Beendigung der Suche nach einem Romantitel, der den Arbeitstitel BIRDKIN ablösen sollte. Mit welchen Ansichten bezüglich "guter Buchtitel" ich mir da selber ein Beinchen gestelllt habe, statt mal auf mein Bauchgefühl zu hören, will ich euch kurz berichten.

Und ganz am Schluss, da muss ja das Beste hin, bekommt ihr nun endlich den offiziellen Titel des Buches um die Ohren, das ich im Rahmen des #WriYoBo dieses Jahr nun endlich beenden werde ♥


Wenn ich den Buchladen gehe oder Amazon stöbere, gibt es gewisse Kriterien in meinem Kopf, an denen ich Buchtitel messe. Diese Kriterien richten sich nach nichts anderem als meinem eigenen, persönlichen Geschmack.

 
  1. Rätselhaftigkeit in mehr als einem Wort – Meine Lieblingsbeispiele "Kafka am Strand" von Haruki Murakami, "Die fließende Königin" oder "Die Seiten der Welt", beides von Kai Meyer. Kurz, prägnant und nicht selbsterklärend in Bezug auf Genre und Inhalt, wenn man das Buch nicht gelesen hat. Tollst!
      
  2. Englische Titel –  Strahlen für mich erst einmal eine Art "Pseudo-Internationalität" aus, die ich nicht so sehr mag. Ist der Titel englisch aufgrund eines Eigennamens oder dem Songtext eines englischen Liedes, also Teil des Plots, finde ich das in Ordnung.

  3. Aus 2 mach 1 – Die Verschmelzung zweier sonst nicht sinnverwandter, teilweise sogar gegenteiliger Wörter zu einem kann toll klingen. Aber bis auf wenige Ausnahmen kann man im Büchersektor inhaltlich schon fast von Young Adult-Geschichte ausgehen, oft angesiedelt in den Genres (Urban) Fantasy oder Dystopie. Finde ich schade!
      
  4. Klischeekeulen – Titel, an den ich das Genre erkenne, haben mich oft abgeschreckt. Bei Punkt 3 habe ich ja quasi schon ein Beispiel geliefert, woanders funktioniert das auch gut. Bei Fantasy wäre das sowas wie "Die Elfen", "Die Orks", "Der Zauberer" o.Ä., im Bereich Thriller eher Titel wie "Tod im Herrenhaus", "Leiche am See" usw.

Mit solchen Sichtweisen haben ich es mir selbst schwer gemacht, einen Titel für den eigenen Roman zu finden. Während des Schreibens wollte ich auf mein Bauchgefühl achten und vertraute darauf, dass der Titel schon kommen würde. Er kam auch. Aber ich war erst einmal entsetzt, welcher es war: Er erfüllt Punkt 1 nicht, geht in Richtung von Punkt 2 und ist nahe dran an Punkt 3. Außerdem war es der Titel, den das Ganze von Anfang hatte, bevor ich diesen Blog startete, ist also quasi mit "Altlasten" behaftet. Aber eigentlich liebe ich ihn. Immer noch. Und immer noch, trotz aller Wandlungen, die das Setting durchgestanden hat, ist er zentral für den gesamten Roman.

Wenn ich mich also gegen irgendwelche blöde Vorbehalte meinerseits und für mein Bauchgefühl entscheide, kommt dabei folgendes heraus (Trommelwirbel bitte, es folgt der Titel des Romans!):

"Saint Blake"


Dürfte ein paar schon aus dem Klappentext kennen und ein paar ganz, ganz weniger Menschen noch aus der alten Zeit vor diesem Blog. Saint Blake ist die Gruppe von Leuten (tadaaa, Eigenname!), die Protagonistin Erin in ihre Machenschaften zieht, die ihrem Volk damit droht, den Menschen die Wahrheit über eben dieses Volk zu erzählen – notfalls mit Gewalt. Saint Blake ist also Dreh- und Angelpunkt des Plots.
Zusätzlich ist es ein Titel, der so unprätentios ist, wie auch Erin selber. Ihre Geschichte wird schon kompliziert genug, da braucht sie einen einfachen Titel. 
Bonuspunkte gibt es dann noch dafür, dass ich ihn für prägnant halte und er keinerlei Rückschlüsse auf Inhalt / Genre zulässt (jetzt mal von der eher nüchternen Seite betrachtet).

Jetzt dürft ihr gerne unken, wie man nur so lange brauchen kann, um auf einen solch naheliegenden Titel zu kommen. Hab ich verdient :) Aber letztlich ist es ja nichts Neues, dass ich in mancherlei Hinsicht nicht so schnell zurande komme, wie andere Autoren. Zumindest dann nicht, wenn es keine Deadline gibt (und die lerne ich gerade, mir selber besser zu setzen).

Ich hoffe, euch gefällt der Titel genauso gut wie mir – denn er wird euch hier nun öfter begegnen :) Also nicht wundern, wenn ich nicht mehr von BIRDKIN sprechen werde, denn der Arbeitstitel hat nun endlich ausgedient ♥

Kommentare zu "Weg mit dem Titel, her mit dem Titel!"
  1. Saint Blake ist in der Tat ein sehr schöner, schlichter, prägnanter Titel. Gefällt mir gut. Vor allem, wenn er so eng mit deinem Plot verwoben ist.
    Ich bin ein großer Fan von Titeln und Titel können mich schon mal von einem Kauf überzeugen, auch wenn das Cover es nicht vermag. Ein besonderes Highlight ist es dann immer, wenn man als Leser irgendwann herausfinden darf, wie zentral der Titel eigentlich für die Geschichte ist. Vielleicht sogar welche Deutungsebene er für die Geschichte womöglich vorschlägt (auch wenn ich natürlich nicht beurteilen kann, wie es sich da mit Saint Blake und deiner Geschichte verhält).

    Ich wünsch dir weiterhin viel Erfolg damit!

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    1. Saint Blake ist in der Tat ein sehr schöner, schlichter, prägnanter Titel. Gefällt mir gut. Vor allem, wenn er so eng mit deinem Plot verwoben ist.
      Danke für dein Feedback & ich freue mich, dass er dir gefällt :) In Gänze beurteilen, wie gut er wirklich passt, kann aktuell tatsächlich leider nur ich, aber so ist das ja immer mit Titelbekanntmachungen :p Ich hoffe, dass die Leser auch nach Beendigung des Romans das Gefühl haben, dass die Wahl treffend ist.

      Ein besonderes Highlight ist es dann immer, wenn man als Leser irgendwann herausfinden darf, wie zentral der Titel eigentlich für die Geschichte ist. Vielleicht sogar welche Deutungsebene er für die Geschichte womöglich vorschlägt (auch wenn ich natürlich nicht beurteilen kann, wie es sich da mit Saint Blake und deiner Geschichte verhält).
      So geht es mir auch! Es ist toll, Schichten eines Titel zu entdecken – und von denen gibt es einige für diese zwei Wörter :) Im Prinzip bin ich sogar ein bisschen gemein und nehme einen einfachen Titel für einen zeitlich, räumlich und personal sehr vielschichtigen Sachverhalt. EINE Fährte ist die im Klappentext erwähnte Gruppierung, beileibe aber nicht die einzige. Sie (letztlich die banalste) ist nur eine von weiteren Fährten, die ihrerseits eng verwoben sind mit Dingen, die unter der Oberfläche der Geschichten anderer Personen und Gruppen im Roman liegen.

      Ich wünsch dir weiterhin viel Erfolg damit!
      Danke sehr ♥

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  2. Ah, wie toll der Titel ist :) Vor allem mag ich es immer, wenn der Titel immer etwas mit dem Plot zu tun hat und nicht so etwas pseudomäßiges hat wie viele (übersetzte) deutsche Titel (zB eine Reihe die ich selbst besitze hat Titel wie "Für alle Ewigkeit" oder "Zwischen Schatten und Licht" - das sind für mich Pseudotitel. xD)

    Ich habe das Problem, dass ich immer sofort zu einem englischen Titel greife. Ich glaube das liegt vor allem daran, dass ich oft auf Englisch lese und mir die Dinge auf deutsch immer so.. platt vorkommen. zB ist der AT von meinem letzten NaNo Projekt "Clockwork Curse" - einfach, weil sich das wegen der Alliteration gut anhört. (Und ja, der "clockwork curse" ist auch ein Teil des Plots. :D) Mir fällt es dann schwer, einen passenden deutschen Titel zu finden. Aber vielleicht mache ich mir dann auch erst Gedanken darüber, wenn ich mich der Endfassung nähere und sich der Kern der Geschichte besser heraus kristallisiert.

    Ich wünsch dir weiterhin viel Erfolg ♥

    Liebe Grüße,
    Sanne ♥

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    1. Ah, wie toll der Titel ist :)
      Danke dir dir, freut mich wahnsinning, dass er dir gefällt :*♥

      "Für alle Ewigkeit" oder "Zwischen Schatten und Licht" - das sind für mich Pseudotitel. xD
      Äh ja, bin ich deiner Meinung! Ich nehme dann lieber meinen Titel, der Sinn macht (weil quasi Zitat aus dem Text, wenn auch nur ein Begriff), als so universalbeliebige Halbsätze. Allerdings habe ich ja jetzt auch gelernt, dass man da durchaus auch mal Wege einschlägt, die einem erst nicht so recht waren... Aber so schnell sitze ich nicht gleich an einem neuen Buch :p

      Aber vielleicht mache ich mir dann auch erst Gedanken darüber, wenn ich mich der Endfassung nähere und sich der Kern der Geschichte besser heraus kristallisiert.
      Schaden kann das nicht! Warum soll man sich am Stress über den Titel aufhalten und darüber kein Wort am Roman schreiben? Habe ich mich auch für's Abwarten entschieden. Ich wusste ja, dass BIRDKIN nur ein AT sein würde, weil der Name eben so circa 0x im Roman vorkommt. Zumindest nicht auf Englisch. Der Buchtitel ist die Krönung, aber das wichtige bleibt das Schreiben – zumindest funktioniert das bei einem Buch so sehr gut! Bei einem Blog müsste natürlich erst der Name da sein. Diesen Zugzwang hat man aber Gott sei Dank beim Schreiben von Büchern nicht :)

      Ich wünsch dir weiterhin viel Erfolg ♥
      Daaanke, dir auch mit Clockwork Curse :D♥

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  3. Der Titel ist wirklich toll. Irgendwie gefällt mir sein "Klang", wenn man ihn liest. Generell mag ich, warum auch immer, das Wort "Saint" sehr gerne. Gut finde ich auch, dass man beim lesen des Titels zwar nicht weiß um welche Art Buch es sich handelt und welche Handlung es wohl geben wird, der Titel aber dennoch ein wichtiger Begriff in der Handlung selber ist.
    Ich finds schön zu sehen, dass du erst nennst was du an Buchtiteln magst und nicht magst und wie du dann aber am Ende trotzdem auf einen Titel zurückgreifst der auch ein wenig in die Richtung der Aspekte geht, die dir nicht immer zusagen. Aber trotzdem sagt dein Bauchgefühl dir, dass du diesen Titel möchtest. Das ist am Ende auch glaube ich das wichtigste. Wenn ein Titel einen einfach nicht mehr loslässt, dann ist es einfach der richtige, auch wenn man vorher vielleicht einen Titel mit ganz anderen Kriterien wollte.

    Es wäre auf jedenfall ein Titel wo ich mir, wenn mich das Cover auch überzeugen würde, den Klappentext durchlesen würde.

    Liebe Grüße
    Alex

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    1. Der Titel ist wirklich toll. Irgendwie gefällt mir sein "Klang", wenn man ihn liest. Generell mag ich, warum auch immer, das Wort "Saint" sehr gerne.
      Yay, freut mich, dass er dir gefällt :D♥ Und ja, "Saint" finde ich auch irgendwie schön. Und benennen kann ich den Grund ebenfalls nicht. Aber zumindest weiß ich (und ich glaube, das zählt zumindest für den Roman am meisten), wieso diese Gruppe so genannt wurde bzw. wird das im Roman auch erklärt.

      Gut finde ich auch, dass man beim lesen des Titels zwar nicht weiß um welche Art Buch es sich handelt und welche Handlung es wohl geben wird, der Titel aber dennoch ein wichtiger Begriff in der Handlung selber ist.
      Ja, das mag ich auch sehr daran :) Aber ich schrieb ja im Post selber bereits, dass ich u.a. keine Bücher mag, deren Titel Programm ist. Ich denke, das zu vermeiden bekomme ich gut mit Saint Blake hin.

      Wenn ein Titel einen einfach nicht mehr loslässt, dann ist es einfach der richtige, auch wenn man vorher vielleicht einen Titel mit ganz anderen Kriterien wollte.
      Er wollte auch partout nicht gehen, haha :D Und es ist ja auch sonst herrlich inkonsequent, wenn ich sage "Ich höre ab jetzt auf mein Bauchgefühl!" und dann aber "Nee, DAS, liebes Bauchgefühl, möchte ich nicht aufgrund irgendwelcher selbstauferlegter Ausschlusskriterien!" :p

      Es wäre auf jedenfall ein Titel wo ich mir, wenn mich das Cover auch überzeugen würde, den Klappentext durchlesen würde.
      Ja, dann bin ich mal gespannt, was so gezaubert wird :,D Denn das Cover werde ich frühestens kurz vor Beendigung angehen (lassen?). Hoffentlich funktioniert dann die grafische Darstellung auch gut ♥

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  4. Ich freue mich, dass du einen Titel gefunden hast, der dir so gut gefällt und den du schon immer im Kopf hattest. Denn manchmal sind die Dinge, welche einem sofort in den Kopf kommen einfach die besten.
    Ich finde es aber sehr verständlich, dass du dir so viele Gedanken über den Titel gemacht hast, weil das einfach so entscheidend ist. Man kennt das doch: Man läuft durch die Buchhandlung und schließt so viele Bücher aufgrund der Titel aus, die vielleicht ganz anders wären als erwartet. Und wenn man selbst eins schreibt, möchte man natürlich vermeiden, dass es dem eigenen auch so ergeht (so stelle ich mir das zumindest vor) und will sich aber trotzdem nicht nur nach anderen richten.
    Ich finde den Titel Saint Blake wunderbar geheimnisvoll, aber BIRDKIN mochte ich auch sehr, sehr gerne.

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    1. …manchmal sind die Dinge, welche einem sofort in den Kopf kommen einfach die besten.
      Ja, ich habe es auch die ganze Zeit schon befürchtet, muss ich sagen – habe mich ja, wie aus dem ost auch hervorgeht, regelrecht gewehrt und das eigentih von Anfang an. Stimmt aber eben doch immer wieder :D

      …und wenn man selbst eins schreibt, möchte man natürlich vermeiden, dass es dem eigenen auch so ergeht (so stelle ich mir das zumindest vor) und will sich aber trotzdem nicht nur nach anderen richten.
      Perfekt formuliert, das ist's ♥

      Ich finde den Titel Saint Blake wunderbar geheimnisvoll, aber BIRDKIN mochte ich auch sehr, sehr gerne.
      Ich freue mich, dass er auch dir gefällt ♥ Birdkin hat mir treue Dienste geleistet, sowohl als Blogname, als auch in seiner Hauptfunktion des Arbeitstitels :) Aber da das Wort an sich nicht im Roman vorkommt und sowieso nicht in englisch, war es für mich von Anfang an nur eine zeitweilige Sache...

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