Klischee oder kein Klischee?

2016/02/07
Klischee oder kein Klischee? // Foto © fieberherz.de

SAINT BLAKE ist ein New Adult-Roman – Protagonisten und Zielgruppe sind zwischen 18-30 Jahre alt. Entwachsen ist dieses Genre aber dem Young Adult-Bereich und muss sich mit diesem immer noch häufig messen, weil nicht alle die Differenzierung machen wollen zwischen „Jungen Erwachsenen“ und „Älteren jungen Erwachsenen“. Daher ist es mir wichtig, nicht allzu viele YA-Klischees zu bedienen, um eine Differenzierung zu ermöglichen (und auch um kein Buch zu schreiben, das es schon 827346 Mal gibt).
Wie diese YA-Klischees aussehen können, führt der geniale Twitter-Account „Brooding YA Hero“ immer wieder auf’s Neue vor. Bei jedem Tweet bin ich immer etwas nervös, ob ich das jeweilige Klischee bei SAINT BLAKE wiederfinde. Und heute will ich einfach mal zu ein paar Tweets Stellung nehmen…




Ja, die lieben Adjektive. Und Adverbien, wie man noch hinzufügen möchte. Leider strotzten davon oftmals bereits die ersten paar Seiten einiger Bücher im Bereich YA/NA. Daher habe ich ein wenig Horror davor, dass mir das mit SAINT BLAKE passieren könnte. Und so achte ich beim Schreiben des ersten Entwurfes sehr darauf, nicht zuviele Adjektive etc. zu verwenden (gar nicht so einfach!). Bei der Überarbeitung werde ich ebenfalls extrem gut darauf achtgeben und hoffe, dass dieses Klischee daher niemals auf die finale Version zutreffen können wird…

 
Erin wäre dann wohl das warrior chick bzw. wird dazu – aber enge Klamotten? Nicht so ihres. Sie bevorzugt sicherlich keine Schlabbersachen, aber hauteng wird es bei ihr nicht geben. Viel Bewegung in hautengen Klamotten – hallo Scheuerwunden! Liegt aber auch an den hohen Temperaturen an den meisten Handlungsorten des Romans, wodurch etwas weitere Kleidung ebenfalls mehr Sinn macht. Tatsächlich würde ich also sagen: "Hauteng" bedeutet vielleicht für manche sexy, für andere einfach nur mangelnde Klugheit bei der Kleidungswahl.


So einfach ist es bei SAINT BLAKE nicht, auch wenn dieses Klischee ein kleines bisschen zutreffen könnte. Erins Familie ist jetzt nicht direkt „royal“, aber gehört sicherlich zu den besser situierten und ältesten Familien der Sereska. „Heirat“ ist bei den Sereska grundsätzlich arrangiert und niemals eine Entscheidung der Partner. Stattdessen sind es die sogenannten „Ahnherren“, gewissermaßen Genealogen, die Ehen beschließen und mit der „Lebenscharta“ eines jeden Sereska abstimmen.
Erin selbst akzeptiert dies als Teil ihrer Kultur – sie kennt es auch nicht anders. Das Konzept „wahrer Liebe“ ist ihr eher bekannt als „Liebe zum Volk“ und „Äußerung der Liebe zum Volk in Zeugen von Kindern“. Was sie durch die Menschen um sich herum als „wahre Liebe“ kennenlernt, erscheint ihr daher zunächst sogar als irrational und gefährlich. Das Klischee, dass sie gleich von "unserer wahren Liebe" träumen" würde, trifft also nicht zu.


Jaja, da ist so eine Stelle, die muss ich 100%ig umschreiben :/ Als Roe in in einem Sandsturm ziemlich verletzt wird (man muss dazu sagen: an den Händen – als Maler suboptimal), schießt er sich absichtlich ab (und das gelingt ihm unrealistisch schnell), um die Schmerzen zu ertragen und um sich komplett transportunfähig bzw. zu Erins Bürde zu machen, um von ihr nicht abgewimmelt zu werden (er vermutet, dass sie weiß, wo seine Schwester ist, die er sucht). Wenn ich diesen Tweet lese, schäme ich mich direkt dafür, weil mir das so einfallslos vorkommt… Aber die Überarbeitung kommt ja noch :/

 
Übles Klischee, verdammt… Ich muss aber gestehen, dass das eines dieser Klischees ist, die bleiben müssen und damit meine Erins sehr kalte Beziehung zu ihrem Vater Cezary. Es ist nun mal so, dass man Probleme mit seinem Vater haben kann und das ist kein exklusives Problem. Vor allem, wenn er letztlich nie die Vaterrolle eingenommen hat, weil das bei den Sereska nicht vorgesehen ist (Väter sind nur Erzeuger, die zwar für ihre Kinder verantwortlich sind, aber die Erziehung/Bildung an sich abgeben müssen). Und was sie letztlich anwidert, ist seine eher unehrliche und zugleich anbiedernde Art und die Tatsache, dass er sie besonders behandelt – nicht, weil sie seine Tochter und / oder in etwas besonders gut wäre, sondern weil sie ein Zwilling ist und somit selbst einmal Zwillinge gebären oder zumindest die Veranlagung dafür weitervererben könnte.
Und was zur Hölle ist daran sexy, Probleme mit seinem Vater zu haben? Will nicht eigentlich jeder einfach gar keine Probleme mit irgendwem? Oder ganz besonders nicht mit der eigenen Familie?

 
Gibt’s nicht bei mir :) Also kein Stinken. Wie bereits erwähnt, ist es grundsätzlich eher heiß in der Stadt, in der Erin lebt – da schwitzt man irgendwann schon mal so. Wenn es mehr Action gibt, dann noch mehr. Und "nicht stinkender Schweiß"? Unwahrscheinlich. Stinken ist zwar doof, aber gehört dazu. Es sei denn, den ganzen Roman sitzen alle bei einem Kaffeekranz zusammen und trinken 500 Seiten lang nur lauwarmen Tee. Oder so. Ich glaube, meinen Protas wäre das lieber als die Hölle, die besonders im zweiten Drittel über sie hereinbricht, aber nun ja :p





Das war die erste Runde in Sachen (YA-)Klischees – ein paar Tweets habe ich noch in petto und werde die auch nochmal raushauen, wenn mir danach ist. Weil ich es einfach spannend finde, zu diesen Tweets meine eigene Arbeit zu überdenken :)

EDIT: Nur nochmal zum Betonen: SAINT BLAKE wird kein YA-Roman, sondern wird von jungen Erwachsenen erzählen, die meist fast 30 sind. Außerdem spreche ich mich mit diesem Post nicht gegen Klischees an sich aus, sondern analysiere, welche existenten Klischees auf SAINT BLAKE zutreffen – oder eben nicht.
Grundsätzlich bin ich der Meinung, dass ein Roman ohne Klischees nicht existieren kann, aber ich finde auch, das man die häufigsten vermeiden oder wenigstens neu gewanden sollte. Lest dazu am besten die Kommentare, da stehen auch noch interessante Anmerkungen anderer Blogleser :)
Kommentare zu "Klischee oder kein Klischee?"
  1. Oh, diesen YA-Klischees werde ich mich auch noch stellen müssen, wenn ich Red wieder aufnehme. Da gibt es ein paar Dinge, die sich tun müssen, aber auch ein paar die bleiben werden, weil sich sonst der Plot nicht mehr ausgeht. (Die gecrashte, aber eigentlich gut situierte Familie gibt's da z.B. auch, aber die kann und wird sich nicht ändern.)
    Auf jeden Fall ein interessanter Post! :) <3

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    1. Klischees sind auch so eine fiese Sache – die lungern da so im Unterbewusstsein so herum und lassen sich oft nur durch gutes Reflektieren erkennen. Daher liebe ich diesen Twitter-Account, denn er zwingt mich quasi immer wieder dazu, SAINT BLAKE zu analysieren :p

      Da gibt es ein paar Dinge, die sich tun müssen, aber auch ein paar die bleiben werden, weil sich sonst der Plot nicht mehr ausgeht.
      Genau, ALLES streichen geht nicht, denn alles komplett neu geht nicht. Außerdem muss man dazu sagen: Alles findet sich auch "in echt" immer wieder. Klischees entstehen, weil sie eine gewisse Wahrheit enthalten. Die Ausgeglichenheit zwischen Klischee/kein Klischee macht u.a. auch einen guten Roman aus, wie ich finde.

      Auf jeden Fall ein interessanter Post! :) <3
      Danke, das freut mich :D ♥

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  2. Yay, das was ich schreibe, ist nicht Young Adult. Definitiv nicht :D.
    Und im Ernst: Das ist eine unterhaltsame Art, lustige Tweets zu präsentieren UND etwas über deinen Roman zu verraten. Informativ und unterhaltsam zugleich :D

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    1. Yay, das was ich schreibe, ist nicht Young Adult. Definitiv nicht :D.
      So richtig YA könnte ich auch gar nicht mehr schreiben bzw. habe kein Interesse mehr daran, nur noch Teenager-Probleme zu thematisieren :p

      Das ist eine unterhaltsame Art, lustige Tweets zu präsentieren UND etwas über deinen Roman zu verraten. Informativ und unterhaltsam zugleich :D
      Du Fuchs, du hast meine Absicht erkannt und ich freue mich, dass das auch so angekommen ist ♥ Genau das war mein Ziel! Denn ein paar dieser Klischees kennt irgendwie jeder – und Sachverhalte aus SAINT BLAKE gegenüber zu stellen ist dann ein spielerisches Informieren in Häppchen :)

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  3. Ich kann dich da absolut verstehen, dass man sich Sorgen wegen Klischees macht. Darüber mache ich mir auch immer wieder Gedanken, weil ich möglichst 'originell' sein möchte, ohne in bestimmte (vor allem Charakter-)Muster zu fallen. Aber ich finde das ist etwas, worüber man sich erst im 2. oder 3. Entwurf Gedanken machen sollte (je nachdem, woran man zuerst arbeitet - Charakter- oder Plotklischees).

    Was ich kurz bei dir anmerken möchte: Das Klischee mit der komplizierten Beziehung zu seinem Vater gilt eigentlich nur für männliche Figuren (der Twitter Account ist ja vom männlichen YA Helden). Also wärst du mit Erin im Prinzip auf der sicheren Seite. Ich fänd es Mal interessant eine komplizierte Vater/Tochter Beziehung zu sehen, auf die stoße ich nämlich eher selten. Von daher würde ich mir da keine Sorgen machen :)

    Was ich auch interessant finde ist, wenn man die Klischees umdreht und zwar dem typisch "männlichen" Klischee einer weiblichen Figur verleiht und umgekehrt. Das probiere ich gerade bei meinen Protagonisten aus und es ist eigentlich ganz witzig :) So hast du quasi das Plot-/Charaktelement drin, nur eben anders. Ich finde Klischees machen eine Story auch nicht sofort schlecht, man muss nur wissen wie man mit ihnen umgeht.

    Toller Post! Es war echt super einen tieferen Einblick in deine Geschichte zu bekommen ♥

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    1. Ich kann dich da absolut verstehen, dass man sich Sorgen wegen Klischees macht. Darüber mache ich mir auch immer wieder Gedanken, weil ich möglichst 'originell' sein möchte, ohne in bestimmte (vor allem Charakter-)Muster zu fallen. Aber ich finde das ist etwas, worüber man sich erst im 2. oder 3. Entwurf Gedanken machen sollte (je nachdem, woran man zuerst arbeitet - Charakter- oder Plotklischees).
      Na ja, ich plane meine Charaktere in der Regel vor, da kann man sich das Leben ja von vornherein leichter machen… Ich mag nicht länger korrigieren als schreiben (in meinem Fall würde das dann auch eh 2020 fertig sein sonst :p) und möchte nur sehr selektiv Dinge auf die Überarbeitung schieben. Habe ich mir glaube ich aus der Fotografie angewöhnt: Manche knipsen schnell ein Bild und verbringen dann Stunden in der Nachbearbeitung. Ich dagegen gebe mir gerne soviel Mühe beim Fotografieren, dass ich danach wenig nachbearbeiten muss :) Aber ich denke, da hat jeder seine ganz eigene Strategie :)

      Was ich kurz bei dir anmerken möchte: Das Klischee mit der komplizierten Beziehung zu seinem Vater gilt eigentlich nur für männliche Figuren (der Twitter Account ist ja vom männlichen YA Helden).
      Ich weiß, dass es sich da meistens um männliche Figurenklischees dreht, aber ich kann Geschlechtertrennung nicht ausstehen, weil es wenig Dinge gibt, die geschlechterexklusiv und nicht allgemein charakterabhängig sind. Probleme mit dem Vater sind ebenfalls nicht geschlechterexklusiv und kein männliches Attribut – sondern ein allgemeines Problem, das sowohl bei männlichen auch als weiblichen Figuren auftreten kann. Also habe ich auch das ignoriert bei den Klischees aus den Tweets und sie auf Dinge bezogen, die ähnlich oder gar nicht vorhanden sind in meinem Roman, unabhängig vom Geschlecht :)

      Also wärst du mit Erin im Prinzip auf der sicheren Seite. Ich fänd es Mal interessant eine komplizierte Vater/Tochter Beziehung zu sehen, auf die stoße ich nämlich eher selten. Von daher würde ich mir da keine Sorgen machen :)
      Wenn du sagst, dass dir sowas wenig begegnet, finde ich das natürlich schon gut – viiiel besser als „Boah Steffi, das hab ich sooo oft schon gelesen!“ (aber selbst wenn das so wäre, hätte ich das gerne gewusst) :p

      Was ich auch interessant finde ist, wenn man die Klischees umdreht und zwar dem typisch "männlichen" Klischee einer weiblichen Figur verleiht und umgekehrt. Das probiere ich gerade bei meinen Protagonisten aus und es ist eigentlich ganz witzig :) So hast du quasi das Plot-/Charaktelement drin, nur eben anders.
      Das sollten viel mehr Menschen mal tun, find ich super! Die Gründe beschrieb ich ja oben schon – im Übrigen gerade in postapokalyptischen Werken finde ich das wichtig, wo das gesellschaftliche Gerüst u.U. fehlt, um Geschlechterrollen stark einzuengen.

      Ich finde Klischees machen eine Story auch nicht sofort schlecht, man muss nur wissen wie man mit ihnen umgeht.
      Absolut! Es ist laut diverser literaturwissenschaftlicher Ansichten sogar schlecht, gar keine Klischees zu haben, weil zu viel neu, zu viel anders den Leser auch hindert, eine Bindung zum Text und zu den Figuren aufzubauen. Jedenfalls habe ich das so noch in Erinnerung. Eine gute Balance finde ich daher auch zielführender (sofern man eben nicht nur Altbekanntes schreiben möchte).

      Toller Post! Es war echt super einen tieferen Einblick in deine Geschichte zu bekommen ♥
      Das freut mich :*♥ Ganz besonders bei so tollen Kommentaren, hach! Danke dir :D

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    2. Verstehe ich absolut! Diese Strategie finde ich auch bewundernswert, vor allem wenn sie auch noch klappt :) Ich hab für mich festgestellt, dass ich den 1. Entwurf so schnell wie möglich zu Ende schreibe, und mich danach um die Verbesserung kümmere, weil ich sonst nie fertig geworden bin. Das hat mir NaNo vor die Augen geführt, weil durch die Methode habe ich endlich was zu Ende gebracht. Natürlich habe ich jetzt mehr Arbeit vor mir, aber das ist es wert! :D

      Ah, ok, dann hab ich das missverstanden - was ich nur damit sagen wollte ist, dass du eben nicht direkt in ein Klischee fallen würdest. Aber ich versteh was du meinst und ich find's gut :) Bei einem post-apokalyptischen Setting macht es auch Sinn, die traditionellen Gesellschaftswerte aufzubrechen. Bin echt gespannt was du daraus machst :)

      Genau. Ich glaube du meinst "Klischee" in diesem Sinne als "Trope" (die englische Bezeichnung). Das sind feste Charaktermuster die häufig auftreten und auch funktionieren (sonst würden sie nicht auftreten) :D Kennst du die Seite tvtropes.org? Da verbringe ich manchmal unendlich viel Zeit drauf, um mich mit den Tropes vertraut zu machen und zu schauen, ob sie bei mir vorkommen oder ob ich sie einbauen kann! :D

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  4. Ein wirklich interessantes Postthema, finde ich. Denn egal was ich schreibe, ich habe immer das Gefühl, mein Geschriebenes besteht aus sehr vielen Klischees. Nunja, wenn man da in der Geschichte zum Beispiel eine Person hat, die besonders schön sein soll - dann entspricht das Aussehen eben oftmals Klischees... Und wenn man versucht, den Klisches dann nicht zu entsprechen, und sich in die andere Richtung wendet, dann sind da eben neue Klischees.
    Ich "kreiere" also ein schlankes Mädchen, von jungen siebzehn Jahren oder in dem Dreh, mit großen tiefblauen Augen wie ein Reh und wunderbar hellblonden, langen Haaren und einem entzückend geheimnisvollen Charakter. Klischee. Okay, dann eben ein lässiges Mädchen mit tiefschwarz gefärbten Haaren, vielen Piercings und einer frechen Lebenseinstellung. Na toll, auch nicht besser... Falls Du verstehst, was ich meine ;)
    Letztlich kann man seinen Roman ohnehin nicht davor retten, dass es irgendwo Leute gibt, die sofort aufstehen und sagen "Puh, das ist ja mal wieder sowas von typisch!", denke ich zumindest. Also sollte man sich da auch nicht zu verrückt machen, aber verbessern kann man natürlich trotzdem. =)

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    1. Hallo Leanna, erstmal danke für deinen Kommentar ♥

      Ein wirklich interessantes Postthema, finde ich. Denn egal was ich schreibe, ich habe immer das Gefühl, mein Geschriebenes besteht aus sehr vielen Klischees. Nunja, wenn man da in der Geschichte zum Beispiel eine Person hat, die besonders schön sein soll - dann entspricht das Aussehen eben oftmals Klischees... Und wenn man versucht, den Klisches dann nicht zu entsprechen, und sich in die andere Richtung wendet, dann sind da eben neue Klischees.
      Wenn man „Klischee“ als etwas definiert, das häufig in z.B. Büchern vorkommt, die ähnliche Settings, Genres und ähnliches Zielpublikum aufweisen, dann muss man sagen: Klischees fangen nicht an, aus der Luft heraus zu existieren, sondern benötigen ständige Wiederholung, um als solche gelten zu können :) Also nur weil man sich von einem Klischee abwendet, wendet man sich nicht gezwungenermaßen dem nächsten zu. Allerdings muss ich auch eingestehen: Einfach ist das nicht unbedingt, weil man einfach nicht alle Bücher kennen kann. Richtig, richtig neu geht nichts. Aber man kann zumindest versuchen, sich geschickt anzustellen und nicht halbe Bücher zu kopieren. Und andersherum vielleicht auch mal auf „Entklischeefizieren“ verzichten, wenn die eigene Idee dann gar nicht mehr dieselbe wäre, in die man schon soviel Herzblut investiert hatte.

      Ich "kreiere" also ein schlankes Mädchen, von jungen siebzehn Jahren oder in dem Dreh, mit großen tiefblauen Augen wie ein Reh und wunderbar hellblonden, langen Haaren und einem entzückend geheimnisvollen Charakter. Klischee. Okay, dann eben ein lässiges Mädchen mit tiefschwarz gefärbten Haaren, vielen Piercings und einer frechen Lebenseinstellung. Na toll, auch nicht besser... Falls Du verstehst, was ich meine ;)
      Ich weiß, was du meinst, aber das ist eben so simpel nicht :) Da lässt sich mit ein wenig Anstrengung noch anderes finden! Wie wäre es mit einem Mädel mit blonden Haaren und aschigem Haaransatz, Brille und einer Vorliebe für knallige Lippenstifte, die manchmal zu viel, plappert, wenn sie verunsichert ist, aber insgeheim von anderen bewundert wird für ihre ehrliche Art? Ich beschreibe hier übrigens Felicity Smoak, die in der Serie „Arrow“ eine IT-Spezialistin ist und so gar nicht gängigen Klischees eines Computernerds entspricht. Ein bisschen neu mit ein bisschen überlegen ist immer drin :) Oder man entscheidet sich eben bewusst für etwas, das nicht neu ist. Bei mir ist zum Beispiel Erins Meister Kazuo so ein wandelndes Klischee – aber mit Absicht. Er ist eine Referenz an meine Anime- und Mangavergangenheit, wie ich bereits hier (http://www.fieberherz.de/2014/08/zwischen-hommage-und-klischee.html) berichtete. Wenn jemand bei ihm nämlich schreit „Buh, kenne ich schon!“ ist meine Antwort nur „Super! Das war meine Absicht! Yeah!“ :p

      Letztlich kann man seinen Roman ohnehin nicht davor retten, dass es irgendwo Leute gibt, die sofort aufstehen und sagen "Puh, das ist ja mal wieder sowas von typisch!", denke ich zumindest. Also sollte man sich da auch nicht zu verrückt machen, aber verbessern kann man natürlich trotzdem. =)
      Das ist ein guter Abschluss :) Oben schrieb ich das ja auch schon – eine Balance ist wohl sinnig, ein erkennbare kreativer Prozess, solange alles zusammenpasst und harmoniert :)

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    2. Ja, es stimmt, dass man nicht zwingend, also unumgänglich, in Klischees schreiben muss. Das war wohl zu schwarz/weiß ausgedrückt... Ich meine, es ist schwierig, da einen Mittelweg zu finden. Aber bei deinen Bemühungen findest du den bestimmt ;)
      Und bei dem Beispiel mit dem Mädchen ebenso, man muss sich seine Gedanken machen, dann wird das auch was, da hast du Recht =).
      Also mir geht es oft so, dass ich denke, irgendwie muss diese Person ja aussehen und wer lebt, der hat nun mal auch einen Charakter; da wiederholt sich natürlich auch mal etwas, man kann schließlich keine komplett neuen Wörter und Eigenschaften erfinden. Zumindest ist mir das noch nicht untergekommen. Gut, etwas kompliziert ausgedrückt, naja. ;)
      So ein Kazuo ist bestimmt gar nicht schlecht. Vielleicht kann man ihn dann ja ganz gut einschätzen? So ein Charakter, auf den man sich verlassen kann, sozusagen =).

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  5. @SANNE

    Verstehe ich absolut! Diese Strategie finde ich auch bewundernswert, vor allem wenn sie auch noch klappt :)
    Gehe ich einfach mal von aus :) Sie muss auch klappen, weil ich schon lange genug am ersten Entwurf bastle. Alles kann ich wie gesagt nicht beachten, alles kann nicht direkt gut sein. Das ist unmöglich und von mir auch nicht mehr gewollt. Am Anfang dachte ich, alles müsste sofort sitzen, aber dadurch bin ich eben nicht voran gekommen – kann mich da deiner Erfahrung nur anschließen :) Völlig „runterreißen“ möchte ich die Geschichte aber auch nicht, weil ich sonst den Spaß daran verliere. Also entscheide ich bewusst, welche Dinge ich auf die Nachbearbeitung schiebe und welche Dinge ich direkt beim Schreiben angehe/löse. Wenn man kein Problem damit hat, viel zu reflektieren, ist das kein Problem. Wem dies nur das Gefühl gibt, Zeit zu „verschwenden“, sollte das natürlich nicht machen, weil dadurch auch der Spaß an allem flöten gehen könnte. Durch meinen Blog bin ich das Reflektieren aber schon ziemlich gewohnt und mache das auch tierisch gerne :D <3

    Bei einem post-apokalyptischen Setting macht es auch Sinn, die traditionellen Gesellschaftswerte aufzubrechen. Bin echt gespannt was du daraus machst :)
    Bei mir werden tatsächlich 3 größere/kleiner Gesellschaften aufeinander treffen, die teils deckende, meist aber sehr unterschiedliche Prämissen haben. Gerade Erin lernt sie alle kennen und wächst an den unterschiedlichen Eindrücken zu einer neuen Verison ihrer selbst heran – obwohl sie niemals gedacht hätte, dass sich an diesem „Selbst“ jemals groß etwas ändern würde. Dass sie das aber glaubt, ist eher das Verschulden von anderen, als von sich selbst.

    Kennst du die Seite tvtropes.org? Da verbringe ich manchmal unendlich viel Zeit drauf, um mich mit den Tropes vertraut zu machen und zu schauen, ob sie bei mir vorkommen oder ob ich sie einbauen kann! :D
    Die Seite klingt spannend, ich werde sie mir auf jeden Fall mal genauer anschauen! Danke für den Tipp ♥

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