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Klischee oder kein Klischee? – Teil 2

Klischee oder kein Klischee? // Grafik © fieberherz.de
Es wird Zeit für eine neue Runde in Sachen Klischees, Klischees und Klischees (Teil 1). Wieder habe ich dafür den Twitter-Account von Brooding YA Hero durchforstet. Und wieder einmal mache ich nicht immer Unterschiede zwischen Frau und Mann, auch wenn besagter Twitter-Account sich vornehmlich um männliche Young Adult-Protagonisten dreht. Ebenfalls möchte ich darauf hinweisen, dass es sich bei SAINT BLAKE nicht um einen YA-Roman handelt, sondern neben dem Hauptgenre Science Fantasy um New Adult (dahingehend, dass Protas fast alle mindestens Mitte 20, eher an die 30 sind). Viele Klischees aus dem Bereich YA finden sich jedoch im Genre NA wieder.



Tatsächlich ist das ein von mir häufig benutztes Klischee in alten Kurzromanen und Fanfictions. Aber das ist auch schon recht lange her. In SAINT BLAKE wird es das nicht wirklich geben – Erin und ihrer Schwester Adara wurde standesgemäß elegantes Auftreten schon früh beigebracht. Beide kommen also in einer damenhafteren Rolle durchaus zurecht. Für Erins Ausbildung bei Kazuo sind Kleider nur einfach nicht angebracht, weil sie viel arbeitet und gute Bewegungsfreiheit braucht, die ihr ein relativ enges sereskanisches Gewand/Kleid nicht gewähren könnte.



Hier blicke ich einmal auf Roe und Manon und dem Problem der Diversität und des Sidekick-Klischees. Manon war anfangs weiß, in SAINT BLAKEs allererster Fassung. Nun ist er allerdings so eine Art Mulatto mit Glatze – als ob ich wirklich einen Kontrast zum blassen, etwas bärtigen Lockenkopf Roe schaffen wollte. Was aber nicht meine Absicht war. Es fühlte sich richtig an. Zwischenzeitlich zweifelte ich daran wieder, wenn ich irgendwo las, dass Leute genervt sind von dem Klischee, dass der Sidekick afrikanische Wurzeln hat. So gesehen ist Manon allerdings nicht wirklich afrikanisch,  sondern ein wirklich bunter Mischung verschiedenster Ethnien. Nur dass bei ihm gewisse Merkmale (Nase und Mund etwas dominanter in Kombination mit hellbrauner Haut) besonders stark ausgeprägt sind.
Ist Manon da, um ein leicht unterscheidbarer Kontrast zu Roe zu sein? Nein! Stattdessen wollte ich anhand eines Nebencharakters aufzeigen, wie sehr sich die Ethnien in dieser alternativen Zukunft vermischt haben. Roe gehört fast schon wieder zu den Exoten, was Haut, Haare, Augen und Körperbau angeht. Aufgrund dessen wird er übrigens auch lernen müssen, warum er für die Sereska interessant sein könnte – und deswegen in Lebensgefahr schwebt.



Ach ja, dammit. DAS IST DER HALBE PLOT DES ROMANS. Bis auf diese Stelle mit dem Verlieben. Weil das gerade nicht sehr wahrscheinlich erscheint (siehe nächsten Punkt). Was ich sagen will: Die Sereska sind eigentlich Teil und Grund alter Mythen. Statt sich jedoch zurück zu ziehen, haben sie nach den Endkriegen die Chance ergriffen, um eine Art Vormachtsstellung zu erhalten und sich unentbehrlich zu machen. Sie waren es, die die Luftschiffproduktion für sich vorantrieben, um dann die Technik zu haben, am schnellsten das meiste Trinkwasser beschaffen zu können, bevor die Entsalzungs- und Entgiftungsanlagen ausgereift und fertigestellt worden waren. Und Roe hält die Sereska also für normale Händler, bis er mit Erin zusammen in die inneren Konflikte dieses Volkes geraten, die auch alle Menschen betreffen werden.



Bis heute weiß ich nicht, ob ich mich dagegen wehren soll, oder nicht. Eigentlich regt es mich in vielen Büchern, Filmen und Serien auf, dass es so ein furchtbares „Liebe ex machina“-Dings darin gibt. Wo also spätestens in der letzten Szene noch schnell ein Kuss reingeworfen wird. Und dass manche weibliche Protas auch immer Zeit und Kopf für eine Romanze haben sollen. Es gibt positive Gegenbeispiele (Film Mad Max: Fury Road, Buchserie Magnificent Devices von Shelley Adina), aber soll SAINT BLAKE auch ein Gegenbeispiel werden? Aktuell driftet die kleine Gruppe um Erin auseinander – und so will sie es auch. Ob sich da irgendwo etwas entwickelt, überlasse ich den Protas selbst durch das entdeckende Schreiben. Ich habe aber wenig Hoffnung, dass Erin sich bei dem, was alles noch kommt (von dem ich zumindest schon weiß) wirklich auf so etwas einlassen könnte.



So grundsätzlich sind mir Augenfarben in SAINT BLAKE relativ egal. Sereska haben meist mittel- bis dunkelbraune Augen, so auch Erin. Aber auch Manon und Lumnie haben braune Augen (wenn auch unterschiedlich hell), nur Roe hat blaugraue Augen. Zu bedeuten hat das nichts, außer, dass Braun letztlich die häufigste und dominanteste Augenfarbe (noch mehr als jetzt schon) in dieser alternativen Zukunft sein wird.



Tüdelüüü… Davon kann ich mich in SAINT BLAKE nicht freisprechen. Erin flechtet hier und da tatsächlich ein paar Wörter auf Sereskan ein und das meist dann, wenn sie sich aufregt (zum Beispiel im Stadtverkehr) oder einen sehr „weichen Moment“ gegenüber Lumnie hat und sie dann gerne „bjem“ nennt, was eigentlich für „(gerade) geschlüpfter Vogel“ steht, sich aber wohl einfach mit „Kleine(s)“ übersetzen lässt. Ändern werde ich das aber nicht – Erin spricht nun einmal Sereskan mit ihrem Volk und hat dies, vor Beginn ihrer Ausbildung zur Feinkunstmechanikerin, auch den lieben langen Tag getan. Und auch unter anderen Menschen wird viel Sereskan gesprochen, um sich abzugrenzen und ungestörter austauschen zu können.

Kommentare

  1. Diese "Dammit, das ist der halbe Plot"-Momente habe ich auch immer mal wieder :D Zum Beispiel in einer ganz frühen Fassung von "Red" hat sich deutlich zu viel vom Plot um die Lovestory gedreht, inzwischen ist da etwa 80% geflogen und stattdessen haben die anderen Figuren deutlich mehr Raum bekommen.
    Aber ich mag nach wie vor den Ansatz für diese Posts über den Twitter-Account :D

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    1. Hui, das ist ja dann eine krasse Veränderung! Aber warum nicht? Wichtig ist, dass du mit dem Manuskript wieder zufrieden sein kannst :) SAINT BLAKE hatte schon 3 Prologe und 2 erste Kapitel (und auch durchaus danach noch welche) & alles ist komplett aus dem "Kanon" geflogen. Seitdem schreibe ich viel mehr, viel lieber und viel ehrgeiziger am Roman :)

      Und ich wiederhole mich, aber ich freue mich, da mal was von lesen zu können ♥ Vielleicht sage ich das jetzt einfach immer wieder, bis du mir das Manuskript freiwillig um die Ohren haust, hehe...

      Freut mich, dass dir diese "Twitter-Klischee-Posts" gefallen :) Mir machen sie auch Spaß, weil ich häppchenweise Informationen rausgeben und dabei noch super reflektieren kann! Wird es auf jeden Fall nochmal geben, allerdings muss ich da noch ein bisschen warten – habe so ziemlich alles abgegrast, was irgendwie auf SAINT BLAKE anwendbar war...

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  2. Diese Postart gehört zu meinen Lieblingsposts. Ich weiß auch nicht, wieso.
    Wenn ich so an eine Geschichte zurückdenke, die ich vor Jaaahren mal geschrieben habe... Naja, ich war früher total davon überzeugt, aber wenn ich das jetzt wieder so lese...VOLL von Klischees. Vor allem die Sache mit den unterschiedlichen Augenfarben scheint mich wohl mal wirklich fasziniert zu haben. Tjaja =D Und die Augenfarbe hat in dieser Geschichte auch den ganzen Charakter ausgemacht. Ziemlich flacher Plot und all das. Aber naja, man entwickelt sich ja auch im Schreiben. Entdeckt den eigenen Stil und schreibt nicht mehr nur so ähnlich und fast schon vom Prinzip her kopiert, wie die Autoren der Bücher, die man immer liest.
    Ich finds wirklich interessant mal zu überpfrüfen, wenn man was schreibt, ob es da vielleicht wirklich Klischees gibt. Also manches ist eben einfach so und man will es so lassen, aber manchmal entdecke ich bei Texten dann auch so was, was wirklich einfach zum Text gehört, weil ich es mal in einem anderen Buch mochte.
    Ich freue mich schon auf den nächsten Post dieser Art ;)

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