Was ich vom Schreiben gelernt habe

2016/04/02
Durch das Schreiben auch auf andere gute Ideen kommen. // Foto © fieberherz.de


Das Schreiben hat mich in den letzten Monaten nicht nur in Bezug auf SAINT BLAKE enorm weiter gebracht, sondern auch in anderen Bereichen meines Lebens. Als ich verkündete, dass ich nicht mehr regelmäßig bloggen, sondern lieber hauptsächlich wieder Kurzgeschichten und einen Roman möchte, war meine Umgebung skeptisch. Insbesondere meine Familie machte sich direkt Sorgen um mein Studium.

Skeptiker sind keine Schreiber – denn wären sie es, wüssten sie, wie positiv Schreiben sich auf andere Dinge auswirken kann.

Was ich beim Schreiben bislang gelernt habe, konnte ich auch auf andere Lebensbereiche andwenden. Und das fühlt sich ungeheuer gut an, besonders natürlich in Momenten der Erkenntnis. Wie bei anderen Dingen auch, gibt es auch mal ein Tief, in dem ich das Gute nicht mehr sehe und kurzzeitig blind vor Frustration bin.
"Was ich vom Schreiben gelernt habe" widme ich somit den Skeptikern, die über ihre Freunde, Kollegen, Verwandte den Kopf schütteln. Und mir selbst in Momenten des Nicht-Sehens.


01. Anfangen tut gut

Das Wegschieben des Anfangs tut weniger gut, als das Anfangen selbst. Das weiß eigentlich jeder, zumindest insgeheim. Dieser Stress des Nachdenkens über unerledigte Dinge! Da tausche ich doch lieber gegen das Glück darüber, begonnen zu haben. Wer anfangen kann, kann stolz auf sich sein – sei es nun unliebsames wie die Steuererklärung, oder das knifflige neue Kapitel im Roman. Und der Bonus dabei: Anfangen geht immer wieder. Selbst nach einer Flaute kann das Ende ja nur eines sein, wenn man wirklich an etwas arbeiten und es nicht aufgeben will: der nächste Anfang.

02. Kleine Schritte sind besser als keine

Manchmal bleibt man hinter den eigenen Erwartungen zurück und die Versuchung ist groß, deswegen aufzugeben. Stattdessen hilft neu ordnen: Wenn ich gelernt habe, welche Schritte ich wann machen kann, dann sind kleine Schritte besser als keine – die Einteilung macht's. Wenn ich mich auf eine Neuordnung einlasse, komme ich gesichert voran.
Meine kleinen Tagesziele beim Schreiben habe ich auf das Lernen für die Uni angewendet: Jeden Tag ein bisschen und das von Anfang des Semesters an. Die Folge war und ist entspannter Wissensaufbau und die Erkenntnis, dass man disziplinierter ist, als man sich vielleicht im ersten Semester noch hätte vorstellen können.

 

03. Zuviel des Vergleichens macht unsicher

Wenn man sieht, dass andere schneller und/oder mehr arbeiten, als man selbst, hinterfragt man berechtigterweise, warum man sich dem nicht anpassen kann. Idealerweise verbessert man sich – im schlimmsten Falle verliert man jegliches Selbstbewusstsein, weil man die Leistung anderer eben nicht 1 zu 1 auf sich übertragen kann. Ob ich jetzt auf die Leistung anderer Autoren blicke oder sehe, dass jüngere Studenten als ich bereits das Masterstudium fertig bekommen haben – während ich über anderer Leistung nachdenke, kann ich nicht gleichzeitig an meinem Vorankommen arbeiten. Sich verbessern – gerne. Sich zum Stillstand bringen – bitte nicht. Ich habe mir die Sturheit zum stellenweise Wegschauen erarbeitet, weil ich nicht mich selbst zu Fall bringen möchte mit endlosen Gedankenspiralen.
 

04. Nichtstun ist nicht das Ende aller Dinge

Manchmal funktioniert nicht alles so, wie man es sich vornimmt und die Arbeit an einem Projekt bleibt liegen. Das schlechte Gewissen steigert sich ins Unermessliche und diese innere Unruhe begleitet einen Tag und Nacht. Natürlich ist Anfangen auch toll, aber hin und wieder ist Nichtstun auch in Ordnung, um gesunden Abstand zu etwas zu gewinnen. Außerdem tut man nie nichts – man tut nur etwas anderes, das erledigt werden will oder einfach nur gut tut.
Durch die Bachelorarbeit habe ich im März nur sporadisch schreiben können. Und siehe da: Ich lebe noch. Ich werde deswegen auch nicht den Roman aufgeben. Denn ich weiß, dass ich täglich schreiben kann. Ich weiß, dass Anfangen toll ist und auch der Anfang wieder kommen wird. Diese Zuversicht lässt sich auch leicht auf anderes übertragen – mein Studium oder Aufgaben auf der Arbeit.

 

05. Eigene Leistung anerkennen können

Heute schon mal sich selbst gelobt? Egal ob es gerade gut läuft oder nicht – wer weiß, was er kann und daraus eine gewisse Zuversicht schöpft, kommt entspannter voran. Wenn ich mich anfangs verglichen habe mit anderen Autoren, die jeden Tag mehrere tausend Wörter schaffen, ich aber hingegen nur ein paar hundert, dann war ich geknickt. Bis ich mich diszipliniert habe, meine Leistung innerlich zu bewerten nach eigenen Maßstäben und Zielsetzungen und immer Gutes finden konnte.
Was ist etwas "Gutes"? Ein schöner Satz, ein schöner Abschnitt beim Schreiben. Oder meine Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit auf der Arbeit. Meine bedingungslose Hilfsbereitschaft gegenüber Freunden. Die Liste mit den guten Dingen ist größer, als man denkt. Und wer sich selbst loben kann, gibt Neid und Frustration kaum eine Chance.

06. Aufschieben erkennen, Minimalbedingungen nutzen

Anfangs habe ich mir selbst abstruse Bedingungen gestellt, unter denen ich glaubte schreiben zu müssen. Was dazu führte, dass ich kaum schrieb, weil nie alles erfüllt war. Das tägliche Schreiben schaffe ich nur, weil ich mit Minimalbedingungen gelernt habe umzugehen: Laptop, Kopfhörer, Sitzplatz (egal ob Parkbank oder Tisch mit Stuhl). Dadurch habe ich neben heimischen Sofa, Schreibtisch, Bett schon geschrieben in Cafés, auf Parkbänken, in Zügen, in Kantinen, Bibliotheken, Fluren, Treppenhäusern, Bussen, Warteräumen, Bahnhofsvorhallen...
Ähnliche Ausflüchte hatte ich lange beim Lernen, was dazu führte, dass ich meinen Freund in Prüfungsphasen fast gar nicht zu Gesicht bekam und meine Prüfungsangst wuchs, weil ich zu spät anfing zu lernen. Durch das Schreiben habe ich nun erkannt, dass ein Zuviel an Bedingungen nur Flucht vor dem Anfang ist. Wenn ich also wirklich ernsthaft anfangen und kontinuierlich etwas schaffen möchte, muss ich eine Art "organisatorischen Minimalismus" leben können.
Kommentare zu "Was ich vom Schreiben gelernt habe"
  1. Das ist ein wirklich total toller und schöner Text. Ich kann all den genannten Punkten nur zustimmen und sie lassen sich auch wirklich gut auf alle möglichen Bereiche anwenden, nicht nur das Schreiben. Ich finde auch wichtig, sich selbst nicht zu sehr unter Druck zu setzen und immer die Freude, die man am Schreiben etc. hat, nicht aus den Augen zu verlieren. Und definitiv nicht von irgendwelchen Skeptikern von seinen Zielen und Träumen abbringen zu lassen. Man selbst weiß schon, was gut für einen ist.

    Liebe Grüße
    Jennifer

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    1. Hallo Jennifer, danke für deinen Kommentar! Freut mich, dass der Text dir gefallen hat :) Diese Anwendbarkeit habe ich selbst erst gar nicht so vorhersehen können und war somit selbst überrascht (positiv).

      Und ich stimme dir vollkommen zu, dass man sich die Freude an dem, was man aus Freude auch angefangen hat, nicht nehmen lassen sollte :)

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  2. Hallo Steffi!

    Mich hat dein Post sehr berührt. Momentan habe ich viel zu viele (unbegründete?) Zweifel in Bezug auf das Schreiben und mich selbst, wenn es ums Schreiben geht. Gerade Punkt 3, das Vergleichen, steht da ganz oben als Auslöser. Du hast das sehr schön formuliert - Vergleichen ist super, wenn es einen anspornt, aber nicht, wenn es einen zum Stillstand bringt. Es tut gut zu wissen, dass es anderen ähnlich geht und sie einen Weg gefunden haben, damit umzugehen.
    Wie bei fast allem kommt es auf die richtige Einstellung an (nach der man manchmal ewig sucht :D) Und ich danke dir für den Post, um über die eine oder andere Sache noch einmal nachzudenken und sie aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten.

    Liebe Grüße und viel Spaß und Freude am Schreiben von "Saint Blake" :)
    Sarah

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    1. Liebe Sarah, danke für deinen Kommentar & gerührt bin auch jetzt selbst, ach. Über solche Dinge nachzudenken ist nicht immer schön (aber glaube mir, Klarheit ist der beste Schmerz). Aber es hat das größte Potential, einen voran zu bringen. Was nützt es, Steinboden zu düngen? Er muss wirklich bereit dazu sein. Genauso ist es oft mit den Millionen Schreibtechniken, jede einzelne die einzig wahre für den garantierten Bestseller - wenn man nicht über sich selbst reflektiert und keine Konsequenzen aus dem eigenen Verhalten zieht, bringt jede tolle Methode nichts. Aber jetzt führe ich den Post fast schon wieder fort :)

      Jedenfalls wünsche ich dir, dass du immer wieder neu die Freude am Schreiben findest ♥ Lass dich nicht drängen, auch nicht von dir selbst - zumindest nicht in Richtungen, die dir nicht entsprechen als Mensch und Schreiber!

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  3. Das seh ich ganz genauso wie du - irgendwie ist es eine Art "Lebensquest", trotz der Zweifel und Widerstände nicht aufzugeben und die Freude immer wieder neu zu finden. Sonst wäre es ja beinahe schon langweilig ;)
    Von einer Fortsetzung des Posts bin ich nicht abgeneigt ;)

    Und danke für deine lieben Worte, hab direkt einen Screenshot gemacht, falls mal wieder dunkle Zeiten aufziehen ♥

    Liebe Grüße,
    Sarah

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  4. Hey :D
    Ich liebe diesen Post. Weil ich das, was du geschrieben hast, kenne. Weil ich selbst von den Zweifeln weiß, wenn man vor einer leeren Seite sitzt und Angst hat zu beginnen. Und es ist wirklich wichtig, sich selbst zu loben. Sonst geht man an Selbstzweifeln kaputt.

    Wäre es möglich, dass ich den Titel deines Posts übernehmen und meine eigenen Gedanken dazu schreiben darf? :) Die Idee ist nämlich ziemlich gut!

    LG Sophia

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    1. Hallo Sophia, ich freue mich, dass der Post dir gefallen hat und du dich auch darin wiedererkennen konntest :) Gerne kannst du den Titel übernehmen, allerdings würde ich mich über Verlinkung/Hinweis als Inspiration im Post freuen ;) Bin sehr gespannt auf deinen Post dazu ♥

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  5. Liebe Stefi,
    aber natürlich werde ich dich verlinken. Wäre ja unhöflich wenn nicht :D
    Wird vermutlich am Mittwoch online gehen :)
    LG Sophia

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  6. Liebe Steffi,

    wieder einmal ein Text, der gut widerspiegelt, was ich auch so oft denke und du hast ziemlich recht damit. Ich kenne vor allem diese ganzen Zweifel sehr gut. Am schlimmsten ist es dann wie du auch geschrieben hast, wenn man sich mit anderen vergleicht und sich an deren Schreiberfolgen misst.
    Aber am Ende geht es ja darum, den besten Weg für sich SELBST zu finden und überhaupt einen Fortschritt zu machen. Wie groß die Schritte dann sind, passt man eben daran an, wie viel Zeit und Kraft man aufwenden möchte und kann.

    Liebe Grüße,
    Alex

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