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Interview mit Autorin Jenny Karpe

Interview mit Autorin Jenny Karpe auf fierberherz.de // Foto © Jenny Karpe
Foto © Jenny Karpe

Die dritte Runde der Autoreninterviews auf FIEBERHERZ ist für mich auch wieder etwas besonderes, denn ich durfte als eine der Betaleserinnen in den vorletzten Zügen der Entstehung von Jennys Debütroman »Zwei Kontinente auf Reisen« dabei sein. Manche erinnern sich vielleicht noch – entstanden ist die erste Rohfassung bei ihrem öffentlich durch neobooks.com begleiteten Experiment, innerhalb von drei Tagen einen Roman zu verfassen. Experiment gelungen! Aber nun gebe ich der Autorin das Wort...



Übrigens: Ihr könnt Jenny auch online und/oder in Person kennenlernen! Am Freitag, 14. Oktober, ist sie Special Guest der Schreibnacht, wo sie ab 20h im Forum Rede und Antwort stehen wird.
Zusätzlich wird sie am Freitag, 21. Oktober, 11-12 Uhr auf der Frankfurter Buchmesse (Droemer Knaur Stand, Rotunde & Signieren, Halle 3.1, F89) aus ihrem Debütroman lesen.





Interview mit Autorin Jenny Karpe auf fierberherz.de // Foto © Christiane Hibbe



Autorin

Jenny Karpe, 20 Jahre alt. Studentin der Medienproduktion und Freie Mitarbeiterin einer Tageszeitung, lebt in Bad Oeynhausen. Schreibt bereits seit der ersten Klasse. Für sie ist es »das schönste Hobby der Welt« ist, weil sie sich komplett austoben kann und dadurch viele liebe Menschen kennenlernen durfte. Zur Zeit arbeitet sie an »Zwei Kontinente am Abgrund«, der Fortsetzung zu ihrem Debütroman »Zwei Kontinente auf Reisen«, erschienen bei neobooks.com, der Internet-Plattform für Autoren der Verlagsgruppe Droemer Knaur.

jenseiten.blogspot.de | Veröffentlichungen



1. Auf einer Skala von 1 bis 10: Wie viel planst bzw. plottest du vor für das Schreiben?

Meistens plotte ich lange im Kopf, bevor ich mich hinsetze und die einzelnen Punkte notiere und sortiere. In Vorbereitung auf den NaNoWriMo liegen hier derzeit sehr viele kleine Zettel herum, auf denen einzelne Ideenfetzen stehen. Ich lass die auch gerne für einige Tage dort und denke in Ruhe darüber nach, anstatt gleich alles einbauen zu wollen. Manchmal passen Ideen doch nicht so gut, wie man zunächst denkt.
Bei meinem Drei-Tages-Experiment habe ich mein Plotverhalten angepasst und mich an der 7-Punkte-Plot-Methode orientiert, um dafür zu sorgen, dass die Geschichte in einem Teil nicht zu langatmig wird. Vor dem Schreiben hatte ich dann zehn Seiten Plot in Form einer Liste zum Abhaken, die ich nur noch abarbeiten musste. Das hat mich vor Plotlöchern und Schreibblockaden bewahrt, allerdings nicht vor spontanen Ideen. Trotzdem haben es einige ins Buch geschafft, was auch nicht schlimm war. Demnach wäre ich auf einer Skala von 1 bis 10 wohl eine 8,5, wenn 10 für »viel plotten« steht. :D
Ich habe es übrigens mehrfach versucht, komplett ohne Plot zu schreiben: Das geht eine Weile gut, dann verliere ich das Interesse. Ich mag es, beim Schreiben einen Punkt zu haben, auf den ich mich freue (und das ist nicht nur das Wort »Ende«!). Wenn ich vorher nicht festlege, dass XY stirbt oder X und Y sich streiten, wird mein Schreiben schnell etwas ziellos.


2. Welche Hilfsmittel verwendest du?

Musik! Klassik, Funk, Soul, Synth-Pop, Progressive Rock, Soundtracks, Indie! Das muss eigentlich immer sein, ansonsten bin ich sehr flexibel. Ich schreibe mal per Hand, mal mit Word, mal unterwegs auf dem Smartphone (ebenfalls mit Word). Einerseits habe ich dafür meinen »großen« Laptop, der durch seine Akkuschwäche stationär steht, und andererseits meinen kleinen Laptop, der durch eine Dropbox synchronisiert ist. Ich liebe es, das Dokument an einem Laptop zu speichern und am anderen direkt weiterarbeiten zu können.
Ansonsten brauche ich nicht viel zum Schreiben. Ich brauche auch keine Ruhe, sondern eher das Alleinsein.


3. Ist das Arbeiten an deinem aktuellen Werk immer wieder in deinem Terminkalender notiert, oder entscheidest du spontan?

Mein Alltag ist derzeit sehr flexibel, das hängt vor allem mit meinem Studium und meiner Arbeit zusammen. Wenn ich wollen würde, könnte ich sogar das beides an meinen Schreibkalender anpassen, das mache ich aber nicht. Ich finde es nämlich sehr hilfreich, wenn man gezwungen ist, einen Tagesablauf zu planen – wenn ich jeden Tag unbegrenzt Zeit habe, verschiebe ich die tolle Szene lieber auf morgen, wie etwas Gutes, das man sich aufhebt. Meistens schreibe ich ab 23 Uhr, selten schon nachmittags oder in der Mittagspause. Aber im Terminkalender notiere ich mir das nicht, um 23 Uhr habe ich meistens Zeit.


4. Hast du ein "Schreibritual"?

Wie gesagt brauche ich Musik vom Plattenspieler oder Spotify, mein Zimmer (möglichst nur mit mir darin) und eventuell einen Tee oder eine Mate, ich komme aber auch ohne aus. Am Auffälligsten ist wohl die Art, wie ich sitze: Ziemlich ungesund. Ein Knie befindet sich dabei oberhalb der Tischplatte, sodass ich beim Grübeln das Kinn darauf ablegen kann. Das habe ich mir leider angewöhnt und bekomme es nicht mehr weg.


5. Was beeinflusst dich am meisten beim Schreiben?

Das größte »Ich möchte jetzt schreiben!«-Gefühl habe ich meist nach Konzerten, wenn man über mehrere Stunden hinweg in eine musikalische Welt eingetaucht ist, die keine Geschichte beschreibt, sondern einen einlullt oder mitreißt. Manchmal entstehen auch Bruchstücke für Geschichten während einzelner Songs, allein wegen der Lichtshow oder der Stimmung. Besonders bei Depeche Mode, Schiller, Coldplay und The Watch (Genesis-Tributeband) hatte ich das oft.
Das Gefühl habe ich auch bei manchen Kinofilmen (Interstellar, Cloud Atlas, Inception) oder Serien (Sherlock, Eureka, Doctor Who), allerdings finde ich da meist die Geschichten so genial, dass ich motiviert bin, auch mal etwas so cooles zu erschaffen. Ansonsten lasse ich mich gerne von Pinterest beeinflussen.


6. Was ist deine Ansicht zum Thema 'Schreibblockade'?

Ich kann nicht nachvollziehen, dass manche Autoren der Meinung sind, es gäbe keine Schreibblockade. Nur, weil man noch nie Liebeskummer hatte, kann man doch nicht behaupten, dass es ihn nicht gibt? Die Psyche von Künstlern ist ein wenig speziell, darum finde ich es immer ziemlich grenzwertig, wenn Autoren andere Autoren dafür beschuldigen, blockiert zu sein. Ich hatte schon mehrmals Schreibblockaden und habe mir dann mit Zeit, Musik und Schwimmsport dort rausgeholfen. Gründe für so eine Blockade gibt es hunderte, und viele davon sollten auch von den Kollegen ernst genommen werden.


7. Welcher Gedanke motiviert dich, immer weiter am Ball zu bleiben für deine Projekte?

Die Frage »Was wäre wenn?« kann ich am Besten in Geschichten ausprobieren. Ich wüsste gar nicht, wohin mit meinem Kopf, wenn ich nicht schreiben würde. Das Schreiben gehört schon so lange zu meinem Leben dazu, dass ich gar nicht mehr darüber nachdenke, warum ich es tue.


8. Was würdest du Leuten mit auf den Weg geben, die selber davon träumen, ein Buch zu schreiben?

Frei nach Shia LaBeouf: JUST DO IT! Aber bei der Veröffentlichung sollte man es nicht überstürzen. Da ist es wichtig, dass mehrere möglichst professionelle Leute einen Blick auf das Geschriebene werfen.

1 Kommentar

  1. Hallöchen,
    letztens habe ich ja das Interview zu Laura Labas entdeckt und jetzt möchte ich mir auch die anderen etwas genauer anschauen :)
    Ich plane ja auch oft mit der 7-Punkte-Methode, aber so eine Liste zum Abhaken habe ich nicht. Ich glaube, dass mir das das Schreiben aber auch erschweren würde. Früher hab ich bis ins kleinste Detail geplottet und da hat das Schreiben einfach keinen Spaß mehr gemacht. Jetzt mache ich es genau andersherum. Ich weiß nicht viel und lasse alles auf mich zukommen.
    Für das Drei-Tages-Experiment macht so eine Abhakliste aber ja natürlich Sinn. Da hat Jenny nebenbei immer noch meinen größten Respekt!

    Die Dropbox bzw. Onedrive liebe ich auch. Ich weiß nicht, wie ich früher ohne ausgekommen bin. Es ist ja so eine Erleichterung, alles überall griffbereit zu haben!

    Ich habe gemerkt, dass ich eher der Morgenschreiber bin. Da funktioniert es zumindest am besten, wenn ich es nicht immer aufschiebe ... ab 23 Uhr, wie Jenny es macht, ist meine Konzentration meistens schon futsch :D

    Ich bin schon sehr gespannt auf die nächsten Interviews :)
    Liebste Grüße
    Kate ♥

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