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Was ich mit "Studium und Arbeit" meine

Was ich mit "Studium und Arbeit" meine // Foto © fieberherz.de

Immer wieder stolpert man bei mir über den Ausdruck "Studium und Arbeit", etwas, das einfach den größten Teil meines Lebens ausmacht und das, worum ich meine Schreibzeit bastle. Und weil es eben nicht nur ein großer, sondern auch wichtiger Teil meines Alltags ist, möchte ich euch heute einmal davon erzählen, was ich da überhaupt konkret mache und inwiefern es mich bei aller Zeit, die ich dann nicht für das Schreiben nutzen kann, mich dann doch beim Schreiben unterstützt.


Studium

Seit 2011 studiere ich Mediendesign / Designtechnik an der Münster School of Design (MSD), zusätzlich Ev. Religionslehre an der münsterschen Westfälischen Wilhelms-Universität auf Lehramt für Berufsschule. Geplant war es eigentlich, als Werbefotografin zu arbeiten nach meiner Ausbildung. Während dieser kristallisierte sich jedoch heraus, dass ständige existenzielle Ängste und die Bereitschaft, 24/7 zu Dumpingpreisen zu arbeiten nicht meiner Vorstellung eines erstrebenswerten Lebens entsprachen.
Mein Gestaltungslehrer an meiner Berufsschule, die ich während meiner Ausbildung besuchte, brachte mich auf den Studiengang in Münster. Direkt nach der Ausbildung bewarb ich mich 2011 mit einer Mappe, hauptsächlich bestehend aus Fotografien und Illustrationen, bei der MSD. Glücklicherweise wurde ich direkt genommen und schrieb mich parallel für Ev. Religionslehre an der Universität ein. Das Lehramt für Berufsschule ist nämlich ein Kooperationsstudiengang zwischen MSD und Uni, man hat eine sog. Fachrichtung und ein allgemeinbildendes Fach. Alternativen wären z.B. Bautechnik und Ernährungswissenschaften gewesen, aber auch Fächer wie Deutsch oder Sport. Mit meiner gestalterischen Vorliebe und Vorbildung musste es aber natürlich Design werden; Religion fand ich schon immer spannend als diskussionsfreudige Lutheranerin von Kindesbeinen an. 

Die Regelstudienzeit beläuft sich im Bachelor auf 6 Semester und 4 weitere im Master (den man machen muss, damit man später ins Referendariat darf). Gemessen an der Tatsache, dass ich jetzt gerade mein erstes Fachsemester im Master antrete, muss ich nun leider zugeben, dass ich nicht die schnellste Studentin bin bzw. es gerade in meinen Anfängen nicht war.
Dieses Semester verbringe ich für 7 Vorlesungen und Seminare meine Zeit an der MSD und Universität, das entspricht um die 14 Stunden bloße Anwesenheit. Mit Anfahrt und Rückfahrt wären das somit um die 21 Stunden, die nicht für Arbeit, Schlafen und Hobbies genutzt werden können. Nun ja, normal, würde ich sagen :) Hinzu kommt Vor- und Nachbereitungszeit zwischen 10-15 Stunden pro Woche (was durchaus sparsam ist, aber daran liegt, dass ich eine schnelle Leserin bin).

Insgesamt ist das Studium eine wunderbare Mischung aus praktischer und theoretischer Arbeit. Praktisch vor allem an der MSD, wo ich relativ frei gestalten darf, was ich schwerpunktmäßig in den Bereichen Medien- und Produktdesign tue. Fotos und andere Gestaltungsarbeiten rund um Blog und Buch kann ich also durchaus selber leisten, was finanziell gesehen schon sehr, sehr hilfreich ist.
Die theoretische Arbeit besteht aus Zusammenfassen von Vorlesungen, Durcharbeiten von Zusatzliteratur, Erstellen von Referaten, Essays und Hausarbeiten und natürlich dem guten, alten Lernen. Klingt dröge? Ist es, wenn man es so sehen will (und sich nicht für sein Studienfach interessiert, was bei mir glücklicherweise nicht der Fall ist). Und nein, es macht mir nicht immer soviel Spaß wie das Designen. Aber dann sehe ich es als Übung, Sachverhalte zu erfassen, zu komprimieren und zu verarbeiten – viel anders als das, was ich für einen Roman tun muss, ist das nicht (Stichwort Recherche). Selbstständiges Erarbeiten von Wissen trainiere ich damit also fast jeden Tag und das beschleunigt deutlich Rechercheprozesse für einen Roman (allerdings nicht das Schreiben an sich, wie man merkt, haha).
 
   

Brotjob

Ebenfalls seit 2011 arbeite ich im telefonischen Kundenservice. Wer jetzt lacht, hat keine Ahnung ;) Ich berate Kunden eines großen Energiekonzerns rund um ihre Strom- und Gasverträge, nehme An- oder Abmeldungen bei Ein- oder Auszug entgegen. Für manche unvorstellbar, so einer Arbeit nachzugehen, mir macht sie aber großen Spaß und das auch noch nach fünf Jahren. Zu Beginn habe ich Fernsehverträge verkauft und fand das furchtbar – dieser Druck, soundsoviel Verträge pro Stunde machen zu müssen, wütende Menschen am Telefon, die sich durch den bloßen Anruf belästigt fühlen ... Daher habe ich innerhalb der Firma das Projekt gewechselt, rufe niemanden mehr ungefragt an, sondern befasse mich konkret mit Anrufern, die ein Anliegen haben. Jedes Mal habe ich den Ehrgeiz, eine angenehme Gesprächsatmosphäre zu schaffen und vor allem die Frage beantworten bzw. das Problem lösen zu können. Bislang bekomme ich sehr gutes Feedback von "meinen" Kunden und das hilft mir wiederum, mich auf jeden Arbeitstag zu freuen, obwohl ich lieber nicht arbeiten wollte, weil ich es muss. Pro Woche arbeite ich 16 Stunden dort, meist auch samstags, mit An- und Rückfahrt lässt sich das auf 20 Stunden aufrunden - das empfinde ich als gar nicht mal so wenig.

Inwiefern nützt mir dieser Job nun etwas beim Schreiben? So offensichtlich wie beim Studium ist es für Aussenstehende tatsächlich nicht. Allerdings besteht mein Kollegenteam aus knapp 200 sehr unterschiedlichen Menschen. Auch der Kundenstamm ist sehr bunt gemischt. Und wo es viele Menschen gibt, gibt es auch viele Geschichten. Damit meine ich jetzt nicht irgendwelche Lästereien, wie es sie leider überall gibt, sondern Lebensläufe und Charaktere, Dinge, die man immer weiter entdeckt. Für mich als Schreiberling einfach nie langweilig, denn es sind echte Geschichten, die inspirieren, seien sie witzig, traurig oder bitterböse. Soetwas lernt man nicht im stillen Schreibkämmerlein.



Wie ihr seht, ist das nicht so ganz wenig. In Summe komme ich auf knapp 60 Stunden pro Woche, um die herum ich noch Familie, Beziehung, Freunde und Hobbies bastle. So geht es einigen. Die meisten stehen dann wohl auch auf Kaffee, wenigstens wegen des Koffeingehalts ;) Schreibdisziplin ist hier nötig, um überhaupt irgendetwas hinzubekommen. Projekte wie das #WriYoBo und Autorenvorbilder aus dem SP-Bereich haben mir persönlich geholfen, diese nach und nach aufzubauen. Perfekt ist mein System immer noch nicht, aber alles in allem habe ich auf diese Weise große Sprünge gemacht. Alles ist natürlich Arbeit, immer. Aber Arbeit ist niemals per se Synonym für Freudlosigkeit und auch niemals umsonst, selbst wenn der Nutzen (außer Geld verdienen, jetzt oder zukünftig) sich nicht immer direkt erschließt.


Worum bastelt ihr eure Schreibzeit? Inwiefern nützen euch Studium und/oder Beruf hinsichtlich des Schreibens? Und habt ihr noch Fragen zu meinem Studium oder Nebenjob? Erzählt, fragt – ich freue mich über Rückmeldung :)

Kommentare

  1. Sehr interessant zu erfahren, was du eigentlich so genau machst :)

    Es ist wirklich nicht einfach, seine eigenen Hobbies oder seine Berufung ;) während Studium und Nebenjob unter einen Hut zu bekommen. Mir ist es leider nicht gelungen, was aber vorrangig an meiner Einstellung lag. Mich macht es nur immer sehr traurig, wenn von außen behauptet wird, dass man als Student ja immer frei habe. Ja, die Semesterferien sind lang. Aber dafür arbeitet man unter dem Semester fast doppelt so viel wie andere und bekommt deutlich weniger Geld, bzw. gehen die Semesterferien ja meist für Studienprojekte jeglicher Art drauf.

    Aber bei dir hat es ja funktioniert, sonst hättest du niemals diese unglaublich gute Bachelornote bekommen :) ich freue mich noch immer sehr für dich! :D

    Mein Studium hat mir, was das Schreiben angeht, leider gar nicht geholfen. Ich hätte deswegen sogar beinahe damit aufgehört. Aber jetzt ermöglicht es mir eine Berufsaussicht, die ich gut mit dem Schreiben vereinbaren kann, weil ich während des Studiums durch meinen Nebenjob gemerkt habe, dass mir das Unterrichten unglaublich großen Spaß macht.

    Ich wünsche dir viel Erfolg für deinen Master und hoffe, dass du ihn für dich zufriedenstellend meistern kannst! :)

    Liebe Grüße,
    Sarah

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    1. Mich macht es nur immer sehr traurig, wenn von außen behauptet wird, dass man als Student ja immer frei habe.
      Geht mir auch so. Sogar meine eigenen Eltern denken manchmal noch, dass ich mal eben Pläne umschmeißen könnte, wie ich wollte, weil ich ja Studentin bin. Dass ich meist von 9-21h unterwegs bin für Uni und Arbeit und vorher und nachher (!) noch Lernen, Gruppenarbeiten, Haushalt, Hobbies, Beziehung unterbringen muss, sehen sie oft nicht. In den Semesterferien hatte ich noch nie frei, da arbeite ich Vollzeit, um das Semesterticket zahlen zu können, weil ich so wenig Geld habe, dass ich kaum sparen kann.

      Aber bei dir hat es ja funktioniert, sonst hättest du niemals diese unglaublich gute Bachelornote bekommen :) ich freue mich noch immer sehr für dich! :D
      Ach, danke :D♥ Freue mich auch immer noch, bin mir aber immer noch nicht so ganz sicher, wie ich das hinbekommen habe. Könnte die Augenringe erklären...

      Mein Studium hat mir, was das Schreiben angeht, leider gar nicht geholfen. Ich hätte deswegen sogar beinahe damit aufgehört. Aber jetzt ermöglicht es mir eine Berufsaussicht, die ich gut mit dem Schreiben vereinbaren kann, weil ich während des Studiums durch meinen Nebenjob gemerkt habe, dass mir das Unterrichten unglaublich großen Spaß macht.
      Oh, dann studierst du jetzt auch auf Lehramt? Das macht mir auch unglaublich Spaß! Ich drücke dir die Daumen, dass du ganz bald wieder das Gefühl bekommst, das Sollen und Wollen gut miteinander zu verbinden ♥

      Ich wünsche dir viel Erfolg für deinen Master und hoffe, dass du ihn für dich zufriedenstellend meistern kannst! :)
      Danke dir, du Liebe, das wünsche ich dir auch :D

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  2. Interessanter Bericht :)
    Ich habe selbst grade mein Studium begonnen. Im Moment ist alles einfach nur sehr überfordernd und verwirrend, obwohl mir das Fach selbst (Germanistik & Kunstwissenschaften) sicher Spaß machen würde. Ich versuche, irgendwie alles hinzubekommen, aber das ist nicht leicht. Ich wünschte, ich hätte mal eine Vorstellung davon, wie viel Stunden ich wofür brauche. Im Moment nimmt die einfache Organisation wohl schon sehr viel Zeit ein - dabei haben die Vorlesungen noch gar nicht begonnen, oje... Dein Fach klingt spannend, was designt man in diesem Fach genau? Webseiten oder ähnliches?

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    1. Ich versuche, irgendwie alles hinzubekommen, aber das ist nicht leicht. Ich wünschte, ich hätte mal eine Vorstellung davon, wie viel Stunden ich wofür brauche.
      Studieren ist auch meist nicht leicht, es ist ein Vollzeitjob, bei dem man schlimmstenfalls ins Minus geht und mit wenig auskommen muss, wenn die Eltern einen nicht komplett finanzielle auffangen können oder wollen. Was die Zeiten angeht kann ich dir nur empfehlen: Wenn du merkst, dass du zuviel gewählt hast und mit dem Bearbeiten nicht hinterher kommst, dann sei nicht verlegen, auch mal einen Kurs entfallen zu lassen. Auch ist es hilfreich zu schauen, welche Kurse eine Klausur am Ende des Semesters bedingen. Empfehlenswert ist eine Mischung mit Kursen, die nicht gleich zu einer Klausur (höchstens zu einer Hausarbeit) führen, um einerseits voran zu kommen mit den Leistungspunkten, andererseits, um den Druck des Lernens etwas umzulagern/zu verringern. Anderer Tipp (den ich in den ersten Semestern hätte berücksichtigen sollen): Es ist keine Schande, sich in Fachschaft und/oder Studienberatung beraten zu lassen! Das machen ganz viele, sie hängen es nur nicht an die große Glocke :p

      Dein Fach klingt spannend, was designt man in diesem Fach genau? Webseiten oder ähnliches?
      In Design machst du eigentlich so ziemlich alles an Gestaltung, was man gestalten kann (Gestaltung und Herstellung (!) von Postern, Büchern, Fotografien, Filmen, Installationen... Daneben auch Illustration, Malerei und Zeichnungen, analog und digital). Und selbst wenn nicht, wird für alles die Grundlage gelegt, sodass man sich schnell in Bereiche einarbeiten kann. Webseitendesign habe ich zum Beispiel nie gemacht, hat sich einfach nicht ergeben, allerdings mache ich das schon seit Jahren privat. Es kommt im Studium auf deine eigenen Schwerpunkte an, die du dir selbst legst. Ich werde aber nochmal in einem zweiten Blogpost davon erzählen :)

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    2. Ja, ich versuche, erst mal nur zu wählen, was ich wirklich zu wählen habe. Und das kommt mir schon viel vor. Geht wahrscheinlich sehr vielen Erstsemestern so... :D Ja, die Beratung, da hab ich auch schon überlegt, mal sehen...
      Okay, dann bin ich mal auf diesen Post gespannt!

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  3. Erst einmal "Hallo", denn ich habe gerade zum ersten Mal auf deinen Blog gefunden, der für mich zuerst optisch ein Eye Catcher war (viele Blogs mögen vielleicht inhaltlich gut sein, aber die Optik kann mich manchmal schon ein wenig abschrecken). Dann habe ich deine Autoren-Seite und diesen Beitrag hier nun als erstes gelesen und für mich entschieden: hier werde ich öfter reingucken!

    Du und das was du machst, wie du davon erzählst und dafür brennst, das hat mich begeistert. Ich bin wirklich schon gespannt, welche Artikel ich hier noch so finden werde und wühl mich nun erstmal weiter durch.~

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    1. Willkommen auf FIEBERHERZ, liebe Sophie :) Freut mich, dass der Inhalt der Optik gerecht werden kann. Mir ist beides sehr wichtig, da liest man sowas natürlich besonders gerne! Und ich freue mich auch, dass man die Freude an allem spürt, so soll das sein. Ich bin zwar nicht die schnellste Autorin und Bloggerin, aber definitiv bin ich beides unglaublich gerne ♥

      Viel Spaß beim Stöbern :)

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