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Ende gut, nicht alles gut

Ende gut, nicht alles gut – warum ich persönlich nichts mehr von Bad Boys in Jugendliteratur lesen mag. // Foto © fieberherz.de

 TRIGGER-WARNUNG 
 In diesem Post geht es um ungesunde Beziehungen, angedeuteten Alkoholmissbrauch, Depression und Co-Abhängigkeit auf emotionaler Ebene.

Vor rund einem halben Jahr gab es in meiner Autoren-Buchblogger-Filterblase hitzige Diskussionen hinsichtlich der Darstellung ungesunder Beziehungen und Bad Boys in Büchern, explizit solchen für Jugendliche. Bestimmte Titel möchte in diesem Post nun nicht besprechen, das wurde bereits zur Genüge getan. Zu einer Buchbesprechung könnte ich auch nichts beisteuern, weil ich die dort immer wieder aufgetauchten Titel wegen des Themas an sich nicht lesen werde. Der Grund ist banal, zugleich aber Thema dieses Posts: Ich möchte nicht, wenn ich mich auf ein Jugendbuch freue, unbeabsichtigt erneut „durchleben“ müssen, was mir in einer Beziehung schon selbst widerfahren ist. 


Vom Fallen und nochmaligem Fallen

Zur Beruhigung: Um sexuelle/körperliche Gewalt geht es hier nicht, das hätte ich in die Warnung zu Beginn schon eingefügt. Aber um eine ungesunde Beziehung generell, die ich in der irrigen, lächerlich romantisch-naiven Annahme einging, dass ich einen Bad Boy „retten“ könnte. Ich kämpfte gegen Windmühlen und am Ende gegen mich selbst.

„Ich bin kaputt.“ Er bläst Zigarettenrauch an die Decke, blickt den Schwaden hinterher. Die Musik ist schon längst aus. Dann räuspert er sich und sieht mich mit seinen blauen Augen direkt an. Ich kann nichts Kaputtes in ihnen entdecken. Sie sind hell und strahlend. 
„Was willst du mit jemandem, der kaputt ist?“
„Ich glaube nicht, dass du damit recht hast. Du bist besser, als du denkst. Zumindest weniger kaputt, als du denkst.“ Es ist merkwürdig. Bis zu diesem Moment war alles in Ordnung. Wir hatten Musikvideos aus den 90ern geschaut und herumgewitzelt. Warum stößt er mich jetzt fort?
„Schau mal“, setze ich erneut an. „Du hast einen Job, den du gerne machst, tolle Freunde und eine nette Familie. Wie kann man da kaputt sein? Du bist betrunken. Mehr nicht.“
„Du willst mich reparieren, was?“
Oh verdammt, ich werde rot. Sehr rot. Knibbele am Etikett der Bierflasche und starre in ihren dunklen Hals.
„Na und?“, sage ich. Sehr erwachsen. Sehr ladylike. Na und? Wo ist da die Rhetorik hin, die geschätzte, gepflegte? Ein Paar blauer Augen, Tattoos und Locken und schon verabschiedet sich das bisschen an Eloquenz, die ich mir sonst selbst noch zugestanden habe. 
„Oh Mann, was machst du mit mir?“
Dieser Satz kommt nicht von mir, hätte er kommen können, aber nein, dieser Satz kommt von ihm. 
Oh verdammt, dieser Satz kommt von ihm wegen mir. 
Ja, es ist halb sechs morgens, ja, die Musik ist längst aus. Und ja, vielleicht ist er ein bisschen kaputt, aber verdammt, er ist doch auch nur ein Mensch. 

Ein Rund-um-die-Uhr-Bad-Boy war er gar nicht. An sich höflich, wenn auch einsilbig. Er verausgabte sich gerne am Schlagzeug, ob bei Proben mit der Band oder alleine. Das ist nicht „böse“ oder „schlimm“. Wenn er alle paar Wochen auf WG-Parties anfing zu trinken, machte er Witze und einen auf ungemein "männlich", quasi hart, aber für jeden Spaß zu haben. Raue Schale. Und ich wehrte mich noch anfangs gegen diese Klischeehaftigkeit. Die lockigen Haare, das Lächeln, die blauen Augen, die düsteren Tattoos. 
„Das ist schon so ein kleiner Bad Boy, aber hat bestimmt nen weichen Kern“, meinte eine Freundin mal zu mir, grinste und stieß mir leicht mit dem Ellenbogen in die Seite. Das war ein paar Stunden, bevor er so betrunken war, dass er sie mit einem äußerst blöden Kommentar zum Weinen brachte. Er konnte so sehr ein anderer Mensch werden, ein bitterer, hasserfüllter, und ich begriff, dass mein Umfeld es nun zu spüren bekam. Ich war so wütend auf ihn, entschuldigte mich tausendfach bei der Freundin und kittete selbst, was zu kitten er nicht für nötig befand. 
Das war nun aber schon zu einem Zeitpunkt, wo er mich bereits (Wochen zuvor) überredet hatte, mit ihm beim Gitarre spielen dabei zu sein, das war, nachdem ich dazu gesungen hatte, nachdem er mich gefragt hatte, ob wir uns nicht küssen könnten. Danach hatte ich noch lachend „Nein, sicher nicht!“ gesagt, und irgendwie passierte es dann doch beim Kerzenlicht im ranzigen Bandproberaum – das mit dem Kuss, von dem ich niemandem erzählte. 
Ich erdete ihn, das bildete ich mir ein. Er erzählte, dass er niemanden an sich heranlasse, schon lange nicht mehr, aber suchte meine Nähe. Wir machten es offiziell. Ich war glücklich. Er für eine Sekunde vielleicht auch. Ich ging davon aus, dass ihn das ändern würde und ich ihn „ganz“ machen könnte. Sein Zorn auf sich selbst und infolgedessen auch auf mich verging jedoch nicht. 

„Bitte, bitte komm‘ vorbei. Ich kann nicht mehr.“ Seine Stimme ist derart brüchig, dass ich Angst bekomme. Eigentlich will ich Abstand von ihm gewinnen, auch wenn die Trennung freundschaftlich war. Aber so habe ich ihn noch nie erlebt. 
„Bist du noch dran?“
„Ja“, sage ich hastig, „Ja. Was ist denn los?“ 
„Du bist weg.“ Er atmet ein paar Mal laut ein und aus. „Oh Scheiße, du bist weg. Ich kann nicht. Ich kann das nicht.“
„Wo sind die Jungs?“
„Ich will sie nicht sehen. Sie haben nach dir gefragt, weißt du. Wo du wärst. Warum du nicht da bist. Ich habe nichts gesagt. Scheiße.“
 „Wo bist du?“
„Zuhause.“
„Bist du betrunken?“ 
Er lacht auf, so bitter, so unglaublich bitter. „Ich habe nichts mehr getrunken, seit du weg bist. Ich will das Zeug nicht mehr sehen.“
Herz, hör auf zu schmerzen. Er muss da alleine durch. Er kann das. Glaub an ihn. Hinzugehen heißt, dass du nicht an ihn glaubst.
Er schnieft. „Aber es ist zumindest gut, deine Stimme zu hören“, flüstert er dann und legt auf. Der Idiot hat einfach aufgelegt. Ich schaue auf die Uhr. Der nächste Bus zu ihm fährt gleich ab. Wenn ich will. 

Er hörte auf zu trinken, nicht, dass er es täglich getan hätte. Aber immerhin alle paar Wochen mal, auf einer WG-Party, bis morgens keiner mehr stand außer ihm. Wir waren gemeinsam stolz auf diese Leistung, sich davon loszusagen, stolz auf seinen Erfolg im Job, stolz darauf, uns zusammengerauft zu haben. Dass er sich weigerte, mich in der Öffentlichkeit zu küssen oder meine Hand zu halten tat ich als Eigenart ab. Schließlich hatte er aufgehört, ein quartalsweise betrunkenes A**** zu sein und das meinetwegen. Man kann ja nicht alle Baustellen gleichzeitig bearbeiten, oder? Immerhin hielt er mich im Arm, abends, wenn niemand hinsah, so fest, als wollte er mich nie wieder loslassen.

Ich ignorierte, dass mir körperliche Nähe fehlte. Wurde darauf angesprochen, dass ich unglücklich wirkte und gefragt, ob die Beziehung wirklich noch tragbar für mich sei. Ob ich dermaßen Angst vor Einsamkeit hätte, dass ich lieber in einer von einer Art „Helfersyndrom“ gesteuerter, eindeutig nicht erfüllender „Co-Abhängigkeit“ lebte, als doch endlich final den Schnitt zu machen. „Ich kenne Seiten an ihm, die kennt ihr nicht“, war meine vage, pseudo-romantische Erklärung. Ich meinte damit: dass er da ist, dass er mich festhält, dass er witzig ist, dass er mir so offen gegenüber ist, wie bei keiner anderen Person, dass seine Familie mich so sehr mag und besonders mich mit ihm zusammen. Ich verdrängte: dass er mich auslacht, dass ich noch da bin, dass er mir, wenn ihm die Worte fehlen, über den Mund fährt, dass er seine Bedürfnisse meistens über meine stellt, dass er sich nicht dafür interessiert, was ich so tue. Ich denke, dass ich genauso gut ein Möbelstück sein könnte. 

Dann er begann zu schweigen. Die Tage waren erfüllt von meiner Unsicherheit darüber, warum er schwieg. Hatte ich etwas falsch gemacht? War ihm etwas passiert? Wollte er sich trennen? Wenn ich fragte was los sei, winkte er ab. Quälte sich manchmal sogar zu einem Lächeln. Und so ein seltenes Lächeln reichte mir dann wieder für Tage, ja sogar Wochen. 
Ohne Feiern und Alkohol wurde also sichtbar, was zuvor niemand sah: Depressionen. Er blieb im Bett liegen, stundenlang. Irrte weinend durch seine Wohnung und fragte mich, warum ich noch da sei, warum ich seinetwegen nicht verrückt würde. Die Momente, in denen ich überfordert war, sagten mir, dass ich zu schwach sei. Dass ich eine schlechte Freundin sei, wenn ich sein Schweigen, sein Weinen, seinen Sarkasmus, seine Geringschätzung sich selbst und mir gegenüber nicht aushielte. Er war krank. Er hatte es sich nicht ausgesucht, zu leiden. Und irgendwann trennte ich mich doch abermals, weil ich nicht mehr konnte. Keine Therapie, keine Medikamente und nur ich alleine? Nie warf ich ihm vor, dass er nicht zur Therapie ging, nie wollte ich ihn zu etwas drängen. Ich ging dann in der Überzeugung, zu schwach, ja, ein schlechter Mensch zu sein, weil ich es nicht aushielt.

Nach der Trennung begann er von selbst eine Therapie, die ihm sehr half. Wir kamen wieder zusammen – heimlich, weil insbesondere mein Umfeld mir nach Jahren des Hin und Her die ganze Beziehung an sich krummnahm. Nach Monaten begriff ich endlich, endlich, dass sich aber auch durch Therapieren seiner Krankheit nichts daran änderte, dass er mich im Grunde genommen nicht liebte. Und ich ihn auch nicht. Endlich begriff ich, dass ich vielleicht auch mehr die Idee eines „heilen“ Bad Boys liebte, als den Menschen selbst, den ich da hatte. Aber was hatte ich letztlich überhaupt an ihm? Das konnte nicht richtig sein. Nach fast fünf Jahren On-Off begriff ich, dass ich wirklich richtig gehen musste, um mich endlich wahrhaftig um mich selbst auf emotionaler Ebene kümmern zu können. 

Die Chance, nicht zurückkehren zu müssen

Worauf will ich hinaus? Ich habe gelitten, trotz ein paar schönen Momenten in dieser Beziehung. Und gelitten habe ich in vielerlei Hinsicht. Als er zu Beginn sagte, er sei „kaputt“, hatte er recht. Immer noch glaube ich, dass letztlich keine „ganz heilen“ Menschen gibt, man aber nach seinem eigenen Vermögen helfen kann . Dieses „Vermögen“ habe ich jedoch schlicht überschätzt. Nie wieder möchte ich an diesen Punkt kommen. Von Anfängen einer solchen „Co-Abhängigkeit“ möchte ich dann auch nicht in Jugendbüchern lesen. Am Ende dann der Kuss, auf den man ein ganzes Buch hinfieberte? Versprechen, sich aus Liebe zu ändern? Ich stelle infrage, ob solche Versprechen eingelöst werden können, wenn zwei Menschen aufeinandertreffen, die sich – Romantik hin oder her – vielleicht doch besser niemals kennengelernt hätten. Menschen, die zu weniger Änderung und Weitsicht fähig sind, als sie glauben. 
Solche Bücher sollten nicht verboten werden, das wäre Unsinn. Ich persönlich möchte nur gewarnt werden, wenn ich mir vermeintlich entspannte Jugendliteratur herauspicke und sie mich plötzlich triggert. Viele sagen, dass sie das nicht stört, von so einer problematischen Beziehung zu lesen. Respektiere ich. Meinen Hintergrund fühle ich aber nicht respektiert, wenn aufgrund von Verkaufszahlen gewisse Muster so gehäuft auftreten, dass mir die Lust vergeht, überhaupt Jugendbücher zu lesen. Weil ich schlimmstenfalls wieder denke „Wie kann man nur so einen Typen gut finden? Oh, Moment, da war ja mal was. Oh Gott.“, gefolgt von Wut auf sich selbst, Schamgefühlen auf so vielen, untereinander unüberschaubar verknüpften Ebenen, Rechtfertigungsversuchen sich selbst gegenüber und, und, und ... Zur Orientierung: Diesen Post fing ich Ende April 2017 an zu schreiben und konnte ihn erst jetzt vollenden. Es fällt mir immer noch nicht leicht, meine eigenen Schuldgefühle mir selbst und meinem Umfeld gegenüber derart breit zu treten. 

Also – die Diskussion zum Thema ungesunder Beziehungen in Jugendliteratur ist mir oftmals zu einseitig. Letztlich hieß es am häufigsten, dass es um gute oder schlechte Vorbilder für unerfahrene Jugendliche gehe. Tatsächlich vermisse ich, abgesehen vom Beleuchten der Beziehung nach dem „Happy End“, die Seite derer, die schon einmal schlechte Erfahrungen gemacht haben. Bei denen verdrängte Vorkommnisse plötzlich ungewollt zurück an die Oberfläche kommen. Es kostet einen Verlag sicher ein bisschen mehr Arbeit, sich sinnvoll mit etwaig schwierigen Themen in einem Buch auseinanderzusetzen. Aber zu dem Verlegen von Büchern, kommt da nicht auch eigenes Verständnis eines „Bildungsauftrages“ hinzu? Ist da generell einer? Oder ist es so bedenkenlos nackter Kommerz, dass eine Triggerwarnung zu Beginn eines Buches undenkbar wäre, durch die der Leser selbst entscheiden kann, ob er es schlicht gerade verträgt, so etwas zu lesen? Diese (spoilerfreie!) „Trigger-Netiquette“ zu Beginn einer Geschichte (Labels/Warnungen, z. B. Altersfreigabe, inhaltliche Warnungen vor körperlicher/verbaler Gewalt, Darstellung sexueller Handlungen vielleicht als Teil solcher Gewalt, Selbstmord etc. pp.) kenne ich aus Fanfiction-Zeiten und es hat mich damals schlicht davor bewahrt, etwas zu lesen, das ich nicht lesen möchte – weil ich nicht selber mitten im Text darüber stolpern musste. 

„Labels are about safety and courtesy, not about judgment or morality.“ 

– spiletta.com, hier gibt es verständliche und gute Erklärungen zum Thema labels / warnings aus Sicht eines FanFiction-Autors

Würde das investiert werden von den Verlagen in Zusammenarbeit mit den Autoren oder eben direkt von Selfpublishern, kann ich mir vorstellen, dass auch Buchblogger so etwas auch selbst in Rezensionen übernehmen würden (ungeachtet, ob sie den rezensierten Titel mögen oder nicht, das ist auch ein springender Punkt) und insgesamt ein transparenteres, von mehr Anerkennung verschiedener Hintergründe geprägtes Verbreiten von Literatur entstünde. Zumindest wäre das meine Hoffnung. Von Zensieren halte ich nichts, denn wenn ich schon etwas von „Bildungsauftrag“ schreibe, kann es keine Lösung sein, Unbequemes zu verbieten. Aber es wäre wundervoll, wenn der Leser noch vor dem Lesen des ersten Satzes schon – ohne Spoiler des gesamten Plots – in die Lage gebracht würde zu entscheiden, was an unbequemen Dingen er lesen möchte und vertragen kann.

Vielen lieben Dank an Nina C. Hasse (die mich mit ihrem Post Meine Probleme mit Pseudo-Liebesromanen zur Darlegung meiner Seite inspiriert hat) für das Testlesen dieses Beitrages.

Kommentare

  1. Ich kann deine Wut über solche Jugendbücher total nachvollziehen, aber trotzdem liest es sich ein bisschen so, als wärst du der Ansicht, Beziehungen mit einem depressiven Menschen könnten überhaupt nicht funktionieren, was ich definitiv anders sehe. Natürlich ist es Quatsch, dass Liebe allein eine Depression heilen kann. Spätestens, wenn die rosarote Phase vorbei ist, sind auch die berauschenden Glückshormone weg, die die Depression kurzzeitig ausgeschaltet haben. Aber das heißt nicht, dass die Beziehung nicht trotzdem halten kann. Ich kann total nachvollziehen, warum deine Beziehung damals nicht funktioniert hat, aber das lag nicht daran, dass er depressiv ist/war. Das bin ich auch und bin trotzdem in einer Beziehung, in der ich mich sicher und geliebt fühle. Eine Beziehung, die trotz Depression und der Tatsache, dass ich manchmal glaube, "kaputt" zu sein, funktioniert.
    Ich fände Bücher schön, die solche Beziehungen zeigen. Bücher, in denen die Charaktere zwar vielleicht Löcher in der Seele haben, aber die trotzdem in der Lage sind, Beziehungen zu führen, selbst wenn diese nicht perfekt sind und man sich mal streitet, mal hasst und mal überlegt, sich zu trennen. Bücher, die von echter Liebe handeln. Und echte Liebe ist auch mit einer Depression möglich. :)

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    1. Hallo Anonym :) Wenn ich von mir selbst erzähle, stelle ich damit keine allgemein gültige Behauptung auf ;) Das ist nun dein Textverständnis, eine individuelle Geschichte auf alle zu münzen – finde ich nicht richtig, aber kann ich auch nicht verhindern. Ich freue mich aber für dich, dass du in einer liebevollen Beziehung lebst, Depression hin oder her :) Auch wenn ich sie nicht allgemeingültig auf alle Beziehungen mit Depressiven münzen würde. Was in die eine Richtung nie für alle passen kann, funktioniert auch nicht in die andere. Liebe, ihr Glänzen, ihr Scheitern, ist individuell – es gibt kein Schema F.

      Weiterhin - die Depression hat nicht die Beziehung zerstört, sondern schwieriger gemacht, als sie ohnehin schon war. Auf der anderen Seite werde ich niemals andere anlügen, indem ich sage, dass es ja „kein Problem“ ist, eine schwer depressive Person zu unterstützen. Ich habe mich emotional selbst dafür gegeisselt, es nicht ausgehalten zu haben. Ich war verunsichert bis ins Mark, kaum fähig, mein eigenes Leben auf die Reihe zu bekommen. Das muss reichen. Und zum Schluss ging es ihm ja super durch Therapie und Medikamente. Wäre die Depression alleine Schuld, wären wir dann dieser Logik nach nicht noch zusammen? Dem ist nicht so. Weil es im Kern (und auch im Kern dieses Posts) nie um die Depression ging. Der Kern ist, dass nie Liebe da war oder höchstens für ein Abziehbild von Partner/in.

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  2. Steffi <3 Vielen, vielen, vielen Dank für's Teilen deiner Worte! Ich weiß gar nicht wieso, aber irgendwie hatte ich plötzlich Tränen in den Augen. Weil es weh tut zu sehen, wie ignorant Menschen sein können. "Medien beeinflussen nicht", "regt euch nicht so auf, Moral wird überbewertet", "jeder halbwegs gesunde Mensch kann Fiktion von Realität entscheiden" - was gab es noch für verurteilende Aussage während der Paper Princess-Diskussion? Jede dieser Aussagen hat mir das Gefühl gegeben, ein Schwindler zu sein. Denn wenn es stimmt, dass Literatur keine Zeichen hinterlässt, dann wäre ich heute nicht eine solche tolerante und weltoffene Person. Wie auch, wenn man in einer homophoben und relativ frauenfeindlichen Kultur aufwächst. Also, DANKE!

    Ich finde übrigens, dass du unheimlich gut schreibst (von den Textschnipsel her bewertet), es ist so eine ruhige und doch intensive Art des Erzählens. Wunderschöner Text, unheimlich mutige Autorin und viel Ehrlichkeit. Ich bin echt froh, dass es noch Blogger wie dich gibt.

    LG
    Mewa

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    1. Liebe Mewa, danke für deinen Mut machenden Kommentar ♥ Auch wenn ich das mit den Tränen nicht wollte, ach :,/

      Denn wenn es stimmt, dass Literatur keine Zeichen hinterlässt, dann wäre ich heute nicht eine solche tolerante und weltoffene Person.
      Danke, da nennst du einen m.M.n. extrem wichtigen Punkt! Denn auf der einen Seite ist da ein Bildungsauftrag der Literatur, auf der anderen Seite soll man den aber bitte selektiv vergessen? Sorry, was? Das trifft einerseits den Inhalt mancher Bücher, andererseits auch die Rezeption. Im Zuge der Label-Diskussion wurde auch gerne gesagt "Dann lies das halt nicht!". Leichter gesagt als getan, wenn man ein JUGENDbuch zur Hand nimmt und dort plötzlich der Bär los ist, wie man ihn sonst nur in Erwachsenenliteratur findet. Aber ist ja in Ordnung, ist ja "nur" Unterhaltung. Wenn man getriggert wird - "Pech!" Aber ich bremse mich mal an dieser Stelle, sonst schreibe ich hier noch eine halbe Novelle hin :p

      Ich finde übrigens, dass du unheimlich gut schreibst (von den Textschnipsel her bewertet), es ist so eine ruhige und doch intensive Art des Erzählens. Wunderschöner Text, unheimlich mutige Autorin und viel Ehrlichkeit. Ich bin echt froh, dass es noch Blogger wie dich gibt.
      Oh wow. Das waren drei der schönsten Komplimente des Jahres und ich kann mir nicht vorstellen, wie das noch getoppt werden kann ♥ Ha, Payback, jetzt habe ich Tränchen in den Augen :,)

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