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Mehr von dieser Liebe

Mehr von dieser Liebe, die auch Freundschaft heißt. Wie zum Beispiel bei Tristan und Bobbie in 'Die Asche des Prinzen' von Stephanie Koshka. // Foto © fieberherz.de

 SPOILER-WARNUNG  In diesem Post sind Spoiler zu DAdP enthalten! Als ich vor einigen Monaten halbwegs angefangen habe, an Die Asche des Prinzen zu schreiben, traten mir, story of my life, natürlich Selbstzweifel die Türe ein. Bezogen auf vieles, aber eines der Gedanken war, ob DAdP wirklich anders genug ist als Saint Blake, um zumindest daraus seine Daseinsberechtigung zu schöpfen. Ich bin mir ziemlich sicher: Ja, ist es. In einem Punkt wiederhole ich mich jedoch stark und um diese Wiederholung tut es mir nicht Leid wird es nie. Denn ich kann niemals zu oft von Freundschaft schreiben (oder von ihr lesen oder sie sehen oder erleben).

Protagonisten mit Ecken und Kanten mag ich, sowieso dann, wenn ich sie begleiten darf bei einer Entwicklung. Daran hat sich bis heute nichts geändert in fast drei Jahrzehnten Sucht nach Geschichten. Was sich geändert hat, ist einmal die Bereitschaft, eine Liebesbeziehung als den einen Katalysator hinzunehmen. Ebenfalls weigere ich mich mittlerweile, nur Beziehungen mit körperlichen "Faktoren" das Wort "Liebe" zuzugestehen. Salopp ist das nämlich gerne der Fall, weil es ja das Wort "Freundschaft" gibt. Aber das ist meine persönliche Baustelle mit der deutschen Sprache (oder haben wir da was für Sis-/Bromance? Und selbst die sind immer noch begrifflich eng gesteckt...) und gesellschaftlicher Wahrnehmung und soll hier jetzt nicht Gegenstand des Posts sein.
Wenn ich also nun trenne zwischen Freundschaft und Liebe ist es oft "die Liebe", die den/die Protagonisten/Protagonistin dazu bringt, etwas Großes zu leisten (vom Roadtrip bis zur Weltrettung). Aber die Freundschaft kann das doch auch (schließlich ist es auch eine Liebe, aber nicht die sexuell-romantische, aber doch, trotzdem romantisch verflixt nochmal!). Behaupte ich.

Aus diesem Gedanken heraus schreibe ich in Saint Blake also im Kern von der Freundschaft zwischen der erwachsenen Erin und der jungen Streunerin Lumnie in einer Welt, die einmal kurz vor ihrer Auslöschung gestanden hatte. Beide sind Kratzbürsten und geraten öfter aneinander, als ihnen lieb ist. Die Freundschaft, die da ist, begreifen beide selber nicht. Als Erin große persönliche Verluste erleidet und vor ihrer eigenen Familie flüchten muss, ist es immer wieder Lumnie, die ihre größte Sorge ist. Nicht im Sinne einer Last, sondern aus Selbstverständlichkeit heraus. Erin wird in einen Krieg zwischen Rebellen gegen ihr eigenes Volk verwickelt und möchte nicht, dass Lumnie etwas zustößt. Der Wunsch, dass Lumnie ein gutes Leben ohne Gefahren führen kann ist der Katalysator des Plots und bewahrt Erin sogar davor, sich selbst völlig aufzugeben. Auch wenn man Erin wohl nie entlocken könnte, dass dem so ist/war (pseudoharte Kratzbürste eben) ... Andersherum kann Lumnie zwar schnell wütend werden, aber Erin ist immer die Person, die sie verteidigt vor anderen, ungeachtet dessen, ob sie zuvor im Streit auseinandergingen oder nicht. Und obwohl sie im Laufe des Romans viele schlimme Dinge erleben muss, die teilweise von Erin selbst ausgehen, wächst sie an diesen Herausforderungen und mit dieser Freundschaft. Weil sie unterbewusst wiederum fürchtet, Erin in einer Welt zur Last zu fallen, die ultimative Härte erfordert. Aber nennen wir das Kind beim Namen: Es ist eine wilde, rohe Sismance (als unterrepräsentiertes Äquivalent zur Bromance) und davon würde ich gerne mehr lesen. Also schreibe ich davon. Duh.

Er spürte, wie sie zitterte. Drückte sie an sich und beide seufzten gleichzeitig, während ihr Atem davontrieb, ganz in Ruhe und ohne Hast in die Nacht.
Die Asche des Prinzen (Rohfassung) - den gesamten Ausschnitt dazu gibt's auf Facebook!
In Die Asche des Prinzen sind es Tristan (im Bild oben die tätowierte Hand links) und Bobbie, deren Freundschaft alles antreibt. Und grundsätzlich fühle ich mich hier genötigt zu sagen, dass Tris und Bobbie nicht den trope von "bestem Freund und Freundin, die am Ende zusammenkommen" erfüllen werden, nicht mal für einen Halbsatz lang (man darf als Leser nicht mal hoffen, Tristan ist homosexuell und Punkt). Gegen diesen Tropus spricht absolut gar nichts, aber es war mir doch ein Bedürfnis, ihn nicht einzubauen - daher hat Tristan seine Bobbie an die Seite bekommen. Dieses Anteasern des Tropus im oben stehenden Zitat hat meine Testleserin Aurelia von Geekgeflüster übrigens dazu veranlasst dies hier zu kommentieren: 

Oder ist das eine große emotionale Stelle, mit der z.B. irgendetwas Romantisches angedeutet werden soll? Dann kommt das aus dem Nichts. In jedem Fall: Da musst du die Situation verdeutlichen.
Unter'm Strich hielt sie eine Änderung für nötig, ich werde das aber ganz dreist stehen lassen. An diesem Punkt der Geschichte ist dem Leser (noch) nicht bekannt, dass Tristan homosexuell ist. Und genau das finde ich super! Es macht die Geste nicht weniger romantisch! Verzeiht die Ausrufezeichenparty!

Im Verlaufe von DAdP tut Tristan was er kann, um Bobbie aus den Händen eines Feenvolkes zu befreien, ohne besonders mutig, kämpferisch oder rednerisch geschickt zu sein. Er ist übrigens auch gerne mal kratzbürstig, sich im Gegensatz zu Erin aber dann doch im Klaren darüber, was er an Bobbie hat. Und das alleine bringt ihn dazu, sich selbst, seinen Menschenhass zu überwinden und sich in eine fremde Dimension zu begeben, um seine Freundin und Mitbewohnerin zu retten. Sie würde für ihne dasselbe tun, auch wenn ihre große Klappe und das viele Reden nur verbergen, dass sie nicht so selbstbewusst ist, wie sie sich gerne gibt. Bei Tristan aber fühlt sie sich wohl und akzeptiert, trotz seiner Abneigung gegenüber ihrer Begeisterung für Fantasy-Romane. Immer wieder ist sie auch ungefragt für ihn da, lässt sich nie so weit fortstoßen, wie er es bei allen anderen Menschen immer wieder schafft.

Bei solchen Geschichten ist es natürlich nicht ausgeschlossen, dass nicht auf dem Weg auch mal ein(e) Lieberhaber(in) auftaucht, aber bei diesen beiden Romanen werden sie nicht die eine Erfüllung der Geschichte sein. Mein Ziel ist das Begreifen von Freundschaft, was sie Positives bewirken, dass sie, ja, wie "die Liebe", die umgangssprachliche, auch Berge versetzen kann im Kopf, im Herzen, hier und auch auf anderen Planeten, in anderen Zeiten und Dimensionen.

Was sind eigentlich für euch die schönsten Freundschaften aus Literatur, TV und Kino oder sogar aus euren eigenen Texten?

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