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Characters Of September 1

#charactersofseptember bei Fieberherz // Foto © Pawel Kadysz, lizensiert durch fieberherz.de

 TRIGGER-WARNUNG  Alkoholkonsum, angedeutete Kindesverwahrlosung - Schon seit Anfang September gibt es eine von Gabi Büttner ins Leben gerufene Challenge namens "Characters Of September" bzw. #charactersofseptember, bei welcher Buchfiguren anfand verschiedener Fragen jeden Tag mehr beleuchtet werden. Da ich kein Fan täglicher Challenges bin, ich die Idee an sich interessant finde, findet ihr hier die Tage 1-15 in einem Interview mit Tristan, dem Protagonisten von "Die Asche des Prinzen" (DAdP). Der Rest folgt Anfang Oktober! Und nun viel Spaß beim Lesen :)  SPOILER-WARNUNG  In diesem Post sind Spoiler zu DAdP enthalten, in Text und Links hinterlegt im Interview!


1. Stelle den Protagonisten vor, der die Fragen der Challenge beantworten wird.

Das wäre Tristan "Tris" Locke , 27 Jahre alt, gescheiterter Dichter (Fakt), gescheiterter Erwachsener (wohl Ansicht seiner Mutter), Texter in einer winzigen Hinterhoffirma in London und bester Freund von Mitbewohnerin Bobbie , sowie des lieben, aber etwas tumben Australian Sheperd Lancelot . Die Fragen sind (sowieso Metaebene, aber trotzdem) vor den Ereignissen im Roman (mit Prinzenmord, Hexerei, Entführung, Feenwelt) angesiedelt. Und wir sitzen dafür in der Küche seiner "liebevoll ignorierten" Wohnung, mittlerweile die zweite Flasche Rosé auf (die Alternative wäre KEIN Interview gewesen laut Tristan). Bobbie musste ihm versprechen, sich nicht einzumischen. Die Autorin musste versprechen, den Hund nicht übermäßig zu knuddeln, weil man ihr sonst nicht abnähme, dass sie ernsthaftes Interesse an einem Interview hätte.

2. Bist du eher ein positiver oder negativer Mensch?

Bobbie kichert im Hintergrund, räuspert sich dann aber schnell und ist wieder still.
T: Sehe meist nicht viel Sinn darin, übermäßig positiv zu sein. Wer nonstop fröhlich sein kann, dem würde ich nicht über den Weg trauen. Es wäre die meiste Zeit nur gelogen. Man kann in dieser Welt nicht ständig glücklich und positiv sein. Wir lassen einander nicht einmal in Ruhe so leben, wie wir wollen. Da fängt es doch schon an.
A: So schlechte Erfahrungen gemacht?
Statt sofort zu antworten, kippt Tristan ein halbes Glas Wein hinunter und setzt es unsanft auf dem Tisch ab. Lange (Anm. d. Autorin: knapp 2 Minuten, das ist in absoluter Stille so schrecklich lang) starrt er nur vor sich hin.
T: Wüsste nicht, wie ich freiwillig auf die Idee käme, Zynismus so zu umarmen. Die Frage war jetzt überflüssig.
A: Wäre es dir anders lieber?
T: Niemand ist freiwillig im Krieg mit sich selbst und im Krieg mit der Welt.
B: Bei ihm wirkt es nur manchmal so, als hätte er Spaß daran, so anstrengend zu sein, keine Bange. Selbst unser Tris möchte nur glücklich sein!
T: Bobbie!
B: Ist doch so!
A: Ich fahre dann mal fort ...

3. Was bringt dich zum Lachen?

T: Lancelot. Aber er kann nichts dafür. Bobbie auch. Wenn sie sich nicht anstrengt, witzig zu sein zumindest. Und hier -
Er tippt an eine Seite seines Halses, kurz unterhalb des Ohres.
T: Hier bin ich furchtbar kitzelig, was Bärte angeht.
B: Wieviel Wein hast du schon getrunken?!
An dieser Stelle ist die Autorin sich nicht sicher, ob Tristan kurz gegrinst hat. Vermutlich. Nicht?

4. Wie siehst du dich selbst?

Tristan setzt seine Brille ab und putzt sie ohne Eile. Setzt sie wieder auf und sieht die Autorin trotz sauberer Gläser mit angestrengt zusammengekniffenen Augen an, als missfiele ihm auch diese Frage.
T: Kommt auf den Tag an. Kommt darauf an, wie lange es her ist, seitdem ich meine Mutter gesehen habe. Jetzt gerade ist es zwei Monate her. Das ist okay. Dann würde ich sagen: Ich bin gut so. Mir fehlen hier und da noch Tattoos, aber die kommen noch nach. Mit der Zeit eben. Vielleicht dann auch mehr Ruhe. Die hätte ich wirklich gerne. Nicht diese Alles-wird-gut-Ruhe, die werde ich nie alleine finden, fürchte ich fast. Aber zumindest ein Es-kann-sich-lohnen-aufzustehen-Ruhe. Aber wohl utopisch. Willst du wirklich nicht den Rest Wein? DU nippst an deinem zweiten Glas. Das hier die zweite Flasche.
A: Nein, danke. Ich muss mich konzentrieren.
B: Tris will jetzt schon vergessen, was er schon erzählt hat, damit er sich morgen früh nicht gleich wieder selber hasst.
A: Was?
B: Was?
T: Gluck?

5. Wie wirst du in Wahrheit von anderen gesehen?

T: Arrogant. Verloren. Verbohrt. Verschlossen. Harte Schale, kein Kern.
B: Das ist nur die eine Seite.
T: Es gibt keine andere. Frag Harrison.
B: Harrison, pff. Der hat dich nicht verdient, das hab ich dir gleich gesagt.
A: Gibt es denn der Frage noch was hinzuzufügen?
B: Ja. Tris ist alles das, aber auch geduldig, hilfsbereit, witzig und ja, manchmal nervig und plump, aber das ist okay. Auf jeden Fall braucht er ewig, um seine gute Seiten zu zeigen. Aber sie sind da. Und man vergisst sie dann auch nicht.

6. Was ist dein stärkster/schwächster Charakterzug?

T: Darf ich jetzt wieder antworten?
B: Unter anderem dieses eingeschnappt sein. Schwach. Tris. Versuch du dich doch mal an einer Stärke. Ernsthaft mal!
Tristan murmelt etwas, das nicht zu verstehen ist und streicht sich mit einer Hand über den Mund, als müsste er wirklich sehr nachdenken.
T: Sagen wir mal... Ich bin wirklich diszipliniert. Im Geld sparen.
B: Du gibst es für Tattoos aus. Wir brauchen seit einem halben Jahr einen neuen Duschkopf. Und wir essen mit Besteck aus dem Pub. Irgendwann werde ich dafür gefeuert.
T: Ich hatte dich nicht darum gebeten. Aber danke, dass du mein Sparvorhaben unterstützt!
Bobbie springt vom Sofa auf und funkelt Tristan an. Die Autorin überlegt zunächst, ihr Weinglas zu leeren, entscheidet sich jedoch dagegen.
A: Puh, ja dann, nächste Frage!

7. Wie reagierst du auf Lob/Kritik?

T: Ich fühle mich bestätigt darin, dass die Welt nervt.
A: Bei Kritik.
T: Bei beidem. Ich kann es nicht ernst nehmen. Ich weiß nicht, wann es so angefangen hat. Fühlt sich an, als wäre es immer schon so gewesen.
A: Klingt traurig. Und anstrengend für dich.
T: Man gewöhnt sich an alles.

8. Wovor hast du am meisten Angst?

T: Dass ich es eines Tages wirklich so meine, wenn ich sage, dass Sally Recht hat. Also mit dem, was sie über mich sagt. Oder überhaupt mit irgendwas. Aber vor allem... mit dem Zeug über mich.

9. Was magst du an deinem Körper besonders? Und was gar nicht?

T: Das ist einfach. Meine Tattoos. Die mag ich.
B: Ich mag die auch. Aber sie sind wahrscheinlich der Grund, warum besser ICH immer mit dem alten Vermieter rede.
T: Ja genau, DAS ist der Grund.
B: Ja, oder nicht?
Tristan verschränkt beide Hände im Nacken und lehnt sich im Stuhl zurück. Bobbie wartet auf eine Antwort und starrt ihn an. Stattdessen zieht er die Hände wieder hervor, faltet sie auf dem Tisch zusammen und lächelt die Autorin an.
T: Meine Haare mag ich nicht. Sie sind mir zu störrisch. Und jetzt die nächste Frage. Bitte.

10. Hast du ein Geheimnis von dem niemand weiß?

T: Was genau bringt diese Frage denn? Ja, habe ich? Aber es ist vermutlich langweilig.
B: Erzähl, erzähl!
T: Es bleibt auch ein Geheimnis. Bring Bobbie nicht auf Ideen.

11. In welche Gesellschaftsschicht bist du reingeboren worden?

T: Mittlere Unterschicht.
A: Du meinst untere Mittelschicht?
T: Nein. Die obere Unterschicht hat Pech oder reisst die Decke ein zur Mittelschicht. In der mittleren sitzen meist die Berufskranken, die zu unattraktiv für jeden Wahlkampf sind. Und das unterste Drittel, quasi der Asphalt, ist der Rest, der schon aufhört zu träumen, wenn er in den Kreissaal oder von der blutigen Couch fällt.
A: Ähm. Okay. Du bist also...
T: ... bei den Berufskranken aufgewachsen. Sally vornehmlich. Biologische Mutter, aber na ja. Heißt nichts. Weiß nicht, ob sie jemals einen Job hatte, aber Zigaretten gab's immer. Männer. Und Alkohol.
Tristan starrt auf sein Weinglas, das beinahe leer ist. Die Autorin versucht, es nicht anzustarren.

12. Wie groß ist deine Familie?

T: Nur Lancelot.
A: Deine biol-
T: Und Bobbie. Das war's.

13. Was bedeutet dir Familie?

T: Kommen da mehr solcher Fragen?
A: Später reden wir über Freunde.
T: Okay.
A: Familie? Was bedeutet sie dir?
T: Die hier?
Er nickt Bobbie quer durch den Raum zu, die ihn seltsam stumm anschaut.
T: Sie ist Arbeit. Aber anständig. Damit kann ich gut leben.

14. Wer war deine Bezugsperson als Kind?

T: Mein Vater.
A: Ach, war der doch da?
T: Nein.
A: Eine Bezugsperson sollte schon irgendwie aktiv Einfluss auf dein Leben haben.
T: Hatte er. Ich stellte mir vor, an welchen tollen Orten er sein konnte. Und wollte ihm immer so gerne sagen, dass ich verstehe, warum er es bei Sally nicht aushielt. Er ist quasi den Schritt gegangen, für den ich meine gesamte Kindheit und Jugend brauchte. Er war mein Vorbild.
A: Sally zu verlassen?
T: Das zum einen. Aber auch Sally offen zu hassen und das völlig in Ordnung zu finden.

15. Welche ist deine glücklichste Kindheitserinnerung?

T: Also ist das...
A: Ja, wirklich die letzte Frage dazu.
T: Gut. Glücklichste Kindheitserinnerung, ja? Hm.
Die Autorin schiebt Tristan ihr halbvolles Weinglas hinüber. Tristan runzelt die Stirn, greift aber danach und schwenkt den Rosé im Glas hin und her, während er ins Leere starrt.
T: Vielleicht das Gewitter am Meer. Warten, dass es kommt, darin warten, dass es dich auflöst.
B: Du hattest danach eine Lungenentzündung.
T: Wann habe ich dir das erzählt?
B: Ungefähr nach der gleichen Menge Wein. Letztes Jahr irgendwann?
T: Hm. War's wert.
A: Der Wein oder die Lungenentzündung?
T: Such dir aus.

Fortsetzung folgt.

Foto © Pawel Kadysz
Einzellizenz für fieberherz.de

Kommentare

  1. Danke für diesen Einblick! Ich mag Tristan und Bobbie. Und den Zynismus umarm ich auch so, nicht unbedingt gern aber durchhaltend.
    Ich bin schon sehr gespannt auf mehr.

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    1. Hey Juls, danke dir für dein Feedback, es freut mich sehr, dass dir das Interview gefällt ♥ Und ich mag Tristan und Bobbie auch, besonders zusammen. Leider bin ich aber fies und trenne die beiden relativ schnell am Anfang des Romans, sodass der entrüstete Tristan soetwas wie den Helden heraushängen lassen muss. Und Lancelot kommt auch mit, ha. Stay tuned ♥

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