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Characters of September 2

#charactersofseptember bei Fieberherz // Foto © Joshua Newton

Wie versprochen hier der zweite und somit letzte Teil nachgereicht für die Challenge #charactersofseptember von Gabi Büttner. Viele andere Autoren haben dabei mitgemacht, schaut euch deren Texte mal insbesondere auf Instagram an!
Von mir interviewt wird hier Tristan Locke, Protagonist meines Urban Fantasy-Romans Die Asche des Prinzen (in Arbeit). Ein bisschen mischt dabei aber auch seine Mitbewohnerin Bobbie mit – lest dafür gerne in den ersten Teil rein :)

16. Hast du einen/eine besten/beste Freund/Freundin? Beschreibe ihn/sie.

T: Streng genommen ...
B: Hey! Jetzt sag nichts falsches, ja?
T: ... ist es Lancelot.
B: Okay, damit kann ich leben.
T: Er ist jetzt vier Jahre alt und so gesehen also etwas älter als ich. Merkt man jetzt nicht sehr deutlich, den Altersunterschied. Er denkt noch genauso ans Fressen und Laufen und Nerven wie an dem Tag, an dem ich ihn quasi ... bekam. Aber ... verdammt, er ist der geduldigste Zuhörer, den ich je haben werde. Wahrscheinlich konnte ich ihn auch deswegen nicht abgeben.
B: Du wolltest ihn abgeben?
T: Du bist ja jetzt da. Aber den halben Tag auf der Arbeit herumzuhängen ist nicht seins. Meins auch nicht.


17. Wie sieht dein übriger Freundeskreis aus?

T: Überschaubar.
A: Ist das gut so?
T: Sind mir oft immer noch zuviele.
B: Darf ich was dazu sagen?
T: Nein.
B: Wooomit jetzt wohl alles gesagt ist.

18. Was ist dir bei deinen Freunden wichtig?

T: Anspruchslosigkeit.
A: Inwiefern?
T: Ich kann Menschen nicht ab, die zuviel von mir erwarten.
B: Ich würde behaupten, dass die wenigsten dir Dinge so klarmachen können, wie du es nötig hast.
T: Und du sprichst fließend Tristan?
Bobbie grinst breit, wühlt sich durch Lancelots Fell und stellt dann seine beiden Ohren auf.
B: Jaaaaa.

19. Was magst du bei anderen überhaupt nicht?

T: Mir fällt täglich neues ein. Kommt darauf an, wie es mir gerade geht.
A: Was fiel dir als Letztes unangenehm auf?
T: Schwierig. Und einfach. Aber schwierig.
Tristan starrt in sein Weinglas.
T: Wieviele Fragen waren das nochmal?
A: Wir sind bei der Hälfte.
T: Bobbie ...
B: Nee. Kein Wein mehr.
Tristan schürzt die Lippen und zieht die Augenbrauen zusammen.
B: Einfach nein. Du schaffst das auch so.
A: Sollen wir ein anderes Mal weitermachen?
T: Neinneinnein, das geht schon.
Er nimmt einen winzigen Schluck Wein und atmet tief durch.
T: Leute, die mir sagen wollen, was ich zu tun habe, damit ...  keine Ahnung, damit ich glücklicher bin. Oder was auch immer. Nützlicher. Erwachsener. Angepasster.


20. Magst du Haustiere?

T: Nicht wirklich.
A: Okay – jetzt wollte ich gerade sagen, dass die Frage überflüssig ist, weil wir ja schon über Lancelot geredet haben, aber das habe ich jetzt nicht erwartet.
T: Es ist nicht hilfreich, wenn jemand oder etwas von einem abhängt. Nicht bei mir zumindest. Deswegen wollte ich nie Haustiere haben. Ich dachte, entweder kann ich mich nicht richtig kümmern oder ich kann so schrecklich abhängige Wesen nie respektieren.
B: Na wie gut, dass ich eigenes Geld verdiene!
T: Sonst wärst du nie meine Mitbewohnerin geworden. Es ging erstmal nur die Miete.
B: Oh, "erstmal". Danke dir. Oder so.
T: Jedenfalls sollte Lancelot nicht bleiben, aber liegen lassen konnte ich ihn auch nicht. Dann sollte er nur bleiben, bis es ihm wieder besser ging. Jetzt ist er immer noch da. Mehr Ausnahmen gibt's nicht.

21. Hattest du eine glückliche Kindheit?

T: Nicht wirklich. Muss ich nochmal ins Detail gehen? (Anm. d. Autorin: siehe Teil 1 des Interviews)
A: Du musst gar nichts.
T: Dann nächste Frage.

22. Was war das Gemeinste, was du je zu jemandem gesagt hast?

T: Ich überlege. Was ich als gemein empfinde ist nicht immer das, was andere als gemein bezeichnen würden. Zum Beispiel findet Bobbie es gemein, wenn ich etwas über ihr Essen sage ...
B: Jeder würde das gemein finden. Okay, jeder außer dir.
T: ... dabei bin ich nur ehrlich.
A: Man kann auch mit Ehrlichkeit gemein sein. 
T: Ich bin nicht ehrlich zu Leuten, zu denen ich gemein sein wollte.

23. Wie war dein erster Kuss?

T: Enttäuschend.
A: Wie kam das?
T: Zuviel Nervosität, falsche Motive. Wenn der eine sich sicher ist, wen er will, der andere aber nur experimentiert, dann kann nicht viel passieren.

24. Was war das Schrecklichste, das du jemandem angetan hast, den du liebtest?

Tristan denkt in Ruhe nach, ehe er antwortet.
T: Mich abhängig gemacht zu haben. Ihn verantwortlich für mein Glück gemacht, ihm das auch so gesagt zu haben. Man sollte wenigstens nicht darüber sprechen. Aber ich war wirklich, wirklich ... leider wirklich verliebt.

25. Wofür schämst du dich am meisten, wenn du an die Vergangenheit denkst?

T: Meine Bereitwilligkeit, keine Spuren zu hinterlassen.
A: Entschuldige, das verstehe ich nicht ganz.
T: Du weißt – feiern gehen, anlächeln, reden, zu ihm nach Hause gehen. Aber eben auch: eher aufstehen um wegzuräumen, was auf zwei Personen hindeutet. Das zweite Glas, die fremde Zigarettenschachtel, die herbei organisierte Zahnbürste, das falsche Haar in Kamm oder Bürste.
B: Tris, das ist traurig. Wirklich. Das wusste ich nicht.
Tristan zuckt mit den Schultern und bringt ein halbes Grinsen zuwege. 
T: Bringt mich jetzt auch nicht um, der Gedanke daran. Eine Zeit lang fand ich es tröstlich, nicht da gewesen zu sein, wenn ich gleichzeitig nicht aufhören konnte, jemanden zu finden.

26. Auf was bist du stolz, wenn du an deine Vergangenheit denkst?

T: Meine Mutt- Sally verlassen zu haben. Dieses ganze elendige Kaff abgestreift zu haben.

27. Wann hast du das letzte Mal geweint und warum?

Bobbie steht in dem Moment auf, Lancelot trottet ihr mit klimperndem Halsband hinterher. Sie zieht sich einen kleinen Sessel herbei, der Zug um Zug ein Quietschen von sich gibt. Dann setzt sie sich damit zu Tristan an den Wohnzimmertisch.
B: Tris.
T: Bobbie.
Sie zieht die Brauen hoch und schweigt.
T: Es ist okay.
B: Der Wein macht dich echt redselig. Aber wehe, du bist dir deswegen morgen sauer.
A: Die Beantwortung ist freiwillig!
T: Das letzte Mal geweint habe ich am Wochenende. Weil ich Wein auf ein Buch gekippt habe. Eines meiner Lieblingsbücher. Vielleicht habe ich schon vorher geweint. Bin mir nicht mehr sicher.
B: Du hast den Wein umgekippt, als ich gefragt habe, warum du weinst.
T: Oder so.

28. Welche schlechte Angewohnheit möchtest du gerne loswerden?

T: Die meisten Menschen auf den ersten Blick zu hassen, nur weil sie mich die eine Höflichkeitssekunde zu lange anstarren.
A: 'Hassen' ist ein sehr starkes Wort.
T: Exakt.

29. Wenn du eine Sache ändern könntest, welche wäre das?

T: Weniger Not, sich an anderen messen zu müssen. Das würde ich gerne für jeden einrichten können. Weil ich mir dann auch weniger Gedanken machen muss, wann ich mit wem auf die Straße gehe. Oder quasi wie. Warum ich welchen Weg im Leben gehe. Warum ich überhaupt da bin.

30. Für welche Ziele kämpfst du?

T: Kämpfen? Sagen wir arbeiten. Und dann für die nächste Miete.
B: Oder das nächste Tattoo.
T: Nun ja, zuerst kommt die Miete, oder?
B: Du bist positiv spießig!
T: Und am Ende bin ich noch ein Familienmensch, was?
Bobbie grinst erst Tristan an und zwinkert der Autorin zu.
B: Wo kämen wir da hin!

Ende

Foto © Joshua Newton

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