Das erste Ende einer Reise

Das erste Ende einer Reise

Ich bin kein König. Ich bin auch kein Prinz. Was ich zu sein habe, das höre ich schon mein ganzes Leben. Und jetzt soll das hier besser, richtiger sein, nur weil das Tafelsilber glänzt und ihr euch „die Guten“ nennt? Blutet man dann schmerzfrei in die Fesseln, die ihr mir anlegen wollt?

Tristan in Die Asche des Prinzen

Die Rohfassung meines Romans Die Asche des Prinzen ist fertig. Und ich schreibe jetzt davon, um final aufzuatmen, auch wenn das Beenden erst der Anfang ist. Denn immerhin ist es mein erster beendeter Roman, mal den schrägen Kurzroman vom Anfang der 2000er weggelassen (den ihr nie sehen werdet. You’re welcome.). Und er ist schneller beendet als mein Herzprojekt Saint Blake. Aber alles der Reihe nach.

Für alle, die es nicht wissen: DAdP ist ein (Urban)-Fantasy-Roman, der sich um Tristan, seine Mitbewohnerin Bobbie, den Feenritter Elba und den Hund Lancelot dreht (ich erwähne Lancelot, weil versucht mal, konsequent ein Haustier in einen Fantasy-Roman einzubauen, das kein Reittier ist, sweet Jesus!). Tristan und Bobbie leben eigentlich in London, werden aber in die (irische) Welt der Tuatha de Danann gezogen. Tristan ist laut Elba die Reinkarnation eines ermordeten Feen-Prinzen und soll mit dem Besteigen des Thrones für die Ordnung sorgen, die von ihrem Erschaffer eingesetzt wurde. Tatsächlich hat Tristan aber schon eine schlechte Beziehung zu allen Menschen um sich herum und vor allem zu sich selbst und nun soll er in dem Land unter den Hügeln auch noch herrschen? Abgesehen davon, dass er sich damit nicht abfinden kann und lediglich Bobbie in Sicherheit wissen will, sind damit auch die dunklen Kinder der Feenwelt absolut nicht einverstanden. Sie sehen jetzt nämlich ihre Chance gekommen, die Länder des Lichts an sich zu reißen, um so ihrer eigenen Dunkelheit zu entkommen.

Keine Bange, das war nicht der Klappentext, sondern eine längere, laxere Version des groben Inhalts. Und der ist erstaunlich konsistent gegenüber meiner üblichen Herangehensweise geblieben. Erstmals habe ich Anfang bis Ende grob in zwölf Schritten geplottet nach Joseph Campbells Monomythos. Verhindern konnte das allerdings nicht, dass der Roman statt der geplanten 80k rund 105k lang wurde, aber der Rotstift kommt ja noch.

Gelernt habe ich mit DAdP soviel, wie noch nie mit einem Projekt und da wird noch mehr kommen bei der Überarbeitung. Meine für mich persönlich wichtigsten Erkenntnisse habe ich mal aufgelistet. Natürlich sind da einige Dinge dabei, die die Schreibenden unter meinen Lesern selbst schon kennen. Aber wie gesagt, es geht um meine persönlichen Lerneffekte.

Details sind zum Verlieren darin

Bei Saint Blake habe ich mir die Arbeit gemacht, jedem Kapitel einen möglichst passenden Titel zu geben. Das hat Zeit gefressen. Zeit, die ich glaubte mir nehmen zu müssen. Faktisch aber Zeit, in der ich weder plotte noch schreibe. Also habe ich das gelassen bei DAdP. Ebenfalls sollte jedes Kapitel mit einem Gedicht Tristans eingeleitet werden und zu Beginn dachte ich auch hier, dass ich das schaffen würde. Gleichzeitig habe ich selbst das Schreiben von Gedichten nach langer Pause aufgenommen und mich erinnert, wie sehr  Lyrik wachsen muss. Vom Ehrgeiz, also während des Schreibens der Rohfassung auch noch passende Gedichte zu Kapiteln zu haben, die so am Ende vielleicht gar nicht bleiben (was hinzu kommt),  habe ich mich relativ schnell verabschiedet. Und es hat mich besser voran kommen lassen.

Kein Plotter, kein Pantser, sondern Plantser

Bis vor Februar 2017, wo ich mit dem Schreiben an DAdP begann, war ich felsenfest davon überzeugt, ein Pantser zu sein. Also jemand, der nichts plant am Roman. Parallel an einer Schule zu unterrichten für ein halbes Jahr hat mir aber gezeigt, dass es sich für mich lohnt, vorher zumindest in einen groben Plot Denkarbeit zu investieren. So konnte ich nach einem langen Schultag plus Nebenjob schreiben, obwohl die kreativen Akkus relativ leer waren. Dass mir, wie sonst befürchtet, die Freude am Schreiben verloren geht, weil ich nicht zu 100% entdeckend schreibe, ist nicht eingetreten.

Ohne Social Media kann ich mehr

DAdP ist das Schreibprojekt, währenddessen ich am wenigsten online war. Während meines (ersten!) NaNoWriMo im November 2017 konnte ich so auch erstmals 50k in einem Monat schaffen. Vorher unvorstellbar für mich. Unvorstellbar auch, wie lange ich wirklich täglich auf Twitter, Facebook und Instagram herumgelungert bin. DAdP und die Erfahrungen mit „Online Detox“ haben übrigens dazu geführt, dass ich im April 2018 meinen Facebook-Account gelöscht und gerade auf Twitter in meiner Timeline aufgeräumt habe und es tut bis heute enorm gut.

Es muss nicht immer sichtbar schmerzen

Emotional vom eigenen Text mitgenommen zu werden und auch zu schreiben, wenn man eigentlich nicht will, schien mir jahrelang etwas zu sein, das die Leidenschaft für das Schreiben widerspiegelt. Mittlerweile sehe ich das nicht mehr so, denn ich habe DAdP bzw. das Schreiben an sich punktuell schlichtweg gehasst. Ich musste mich manchmal treten zu schreiben, soso sehr. Und das nahm ich zum Anlass zu glauben, dass ich nicht die richtige Einstellung zum Projekt und zu dem Hobby an sich hätte. Jetzt denke ich da anders, denn ich weiß durch weniger Social Media, dass ich mich online schlicht zu oft verglichen habe mit anderen Autoren. Und siehe da, durch Verzicht auf Social Media kam die Liebe wieder. Und ich habe die Liebe und/oder Pausen nicht kundgetan (was in Ordnung, nur einfach nicht mein persönlicher Weg ist) und ich schrieb. Das ändert nichts daran, dass ich nicht immer Lust hatte oder haben werde. Aber ich akzeptiere es nun besser und geißele mich für Pausen nicht mehr so sehr.

Der Ton ist nicht immer planbar

DAdP sollte ein lockerer, humorvoller Roman sein. Er ist es auch streckenweise. Aber eigentlich brauche ich Kritik, Kritik am Hier und Jetzt. Und die hat sich eingeschlichen, obwohl ich mich gewehrt habe und auch damit habe ich mir Steine in den Weg gelegt. Ich habe etwas schreiben wollen, das ich selbst nicht gelesen hätte. Zuzulassen, dass mich Dinge in unserer Welt zornig und/oder traurig machen, ich das irgendwie verarbeiten muss für meine eigene geistige Gesundheit, hat mir schlussendlich geholfen, voranzukommen. Ich kann nicht „bloß“ humorig und das meine ich nicht abwertend. Ich bewundere es, wenn man leichte, humorvolle Romane schreiben kann. Ich bin daran gescheitert, zumindest streckenweise und ich finde das mittlerweile mehr als okay.

Anfang und Ende sind die größten Hürden

Immer wieder neige ich dazu zu vergessen, dass es sich um eine verdammte Rohfassung handelt und nicht einen fertigen Roman. Bei dem zähen Anfang dachte ich, das endlich überwunden zu haben, stattdessen erscheint es mir nun bloß ein wiederkehrender Kampf gegen sich selbst und eigene Träume vom fertigen (und dem „sich selbst schreibenden“) Buch zu sein. Und als ich dachte, dass ich genau diesen Gedanken akzeptiert hätte, kam das Ende des Romans. Oder eben nicht. Bis ich mit Autorin und Lektorin Nina Hasse darüber sprach und ihren Tipp in die Tat umsetzte, doch erst das Ende zu schreiben. Und es klappte. Die letzten Worte, die ich dann am 7.7.2018 schrieb, war nicht „Lore ipsum… Ende“, sondern „bloß“ der Cliffhanger des zweitletzten Kapitels. Nicht sehr romantisch, I know. Aber Romantik hat mir persönlich selten geholfen, voranzukommen im Leben, haha.

Ich bin nicht nur der Roman

Wer meine älteren Blogbeiträge kennt, weiß, dass ich lange mit meiner künstlerischen Identität gehadert habe. Weil ich keine scharf umrissene an mir ausmachen konnte. Ich sehe Autoren und Autorinnen, Fotografen und Fotografinnen, Zeichner und Zeichnerinnen… Eine Zeit lang konnte ich nicht schreiben, weil ich mir paradoxerweise verbieten wollte, etwas anderes zu tun, als am Roman zu arbeiten. Wirklich erst schreiben konnte ich aber wieder erst da, wo ich mir erlaubte, alles andere auch zu tun, das ich gerne so tue. Ja, es bedeutet, langsamer voranzukommen, weil man seine Zeit extrem einteilt. Aber es erhielt mir den Spaß und die Wertschätzung am Schreiben bzw. für das Arbeiten am Roman. Und diesem Sinneswandel, dieser Öffnung, verdanke ich meiner Ansicht nach, Die Asche des Prinzen beendet zu haben.

Soweit meine Liste in ihren „größten“ Punkten. Wenn ihr ein bisschen mehr von dem Roman erfahren wollt, könnte ihr einmal in den unten verlinkten Beiträgen nachlesen. Und jetzt genieße ich meine Schreibpause und freue mich auf das Überarbeiten. Ja, wirklich, ich freu mich drauf! Weil da etwas ist zum Auseinanderbauen und Zusammenfügen. Und so kann ja erst wirklich etwas beginnen.

Zum Schreiben von Die Asche des Prinzen (spoilerfrei)
Schreiblaunen – 09 – NaNoWriMo (Dez 2017)
Schreiblaunen – 08 (Juni 2017)

Über Die Asche des Prinzen (teils Spoiler)
Characters of September 2 (Okt 2017)
Characters Of September 1 (Sept 2017)
Mehr von dieser Liebe (Aug 2017)
Die Asche des Prinzen (AT) (Juli 2017)

2 comments

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  1. Kira

    10/07/2018 at 23:22

    Ach, Steffi. Wie glücklich mich das macht. ♥
    Der Prinz steht. Vielleicht noch ein bisschen wacklig, aber du wirst sehen, spätestens mit der Überarbeitung geht er seine ersten Schritte und kommt uns dabei immer ein Stückchen näher. Worauf ich mich persönlich ganz besonders freue.

    Fast so sehr wie darüber, dass du für dich einen Weg gefunden hast. Mehr noch: deinen Weg. Klingt nach einem guten. Klingt nach einem, den man gehen kann, ohne sofort wieder umkehren und das Wandern an den Haken hängen zu wollen. Und weil alle Kunst, die von dir erdacht und gestaltet wird, so furchtbar vielversprechend klingt und ist, muss ich solche Wege ganz dringend begrüßen.

    Hach, wie ich mich freue.
    Man, wie stolz du sein kannst.
    Du hast da was Fantastisches erreicht.
    Hast es dir erarbeitet.
    Das ist gigantisch.

    Ich für meinen Teil bin sehr stolz auf dich und froh, um deine Perspektive auf die Kunst in meiner kleinen Kreativ-Bubble. ♥
    In liebsten nächtlichen Gedanken,
    Kira

  2. Yva

    11/07/2018 at 7:15

    Ich scheiterte woran du gewachsen bist. Ich hab nur minimal geplottet und irgendwann hing ich in der Mitte fest. Ich hab immer gedacht, ach Quatsch plotten, dass brauch doch niemand. Aber aus dieser Sackgasse wurde dann eine waschechte Schreibblockade und das Buch (was bis dahin 1000 Buchnormseiten) enthielt verstaubt in der Schublade. Immer noch. Und wird es wahrscheinlich auch immer.
    Ich gratuliere dir zu deinem größeren Etappenerfolg und wünsche dir Spaß an den nächsten Schritten, die mindestens genauso spannend werden. :)

    Liebe Grüße
    Yva

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