Diese Seite dient der Auslesbarkeit von Keas gesamten Beitrag, infolgedessen ich den Blogpost ???? verfasst habe. Zum Einsehen des originalen Beitrags, wie er auf Keas Instagram in den Stories gepostet wurde, bitte hier für Screenshot klicken.

Ich bin heute morgen aufgewacht mit ein paar Gedanken zum Thema Kunst und Instagram… Und darüber, wie verrückt das ist, Instagram, für Künstler*innen wie mich, für Poet*innen und Autor*innen, für Illustrator*innen oder Musiker*innen, weil diese kleine App und ihre unerbittlichen Algorithmen schon morgens an unserer Bettkante stehen und uns auffordern, etwas Präsentables zu erschaffen, etwas, das gut genug ist oder berührend genug oder massenkompatibel, etwas, das like-able ist, was für eine Paradoxie eigentlich, gerade in der Kunst. Und sie fordert es nicht bloß heute, sie fordert es morgen und übermorgen und an jedem Tag danach. Kunst wird Fließbandarbeit, manchmal mehr darauf ausgerichtet, denen zu gefallen, die sie konsumieren als denen, deren Seele sie entspringt und damit wird sie oft zäh und fad und risikolos, harmlos, geradezu, denn das tut den wenigstens weh. Kunst wird weniger unbequem und sperrig und für einen zweiten Blick haben die Werke keine Zeit in der Millisekunde, in der sie über einen Handyscreen gewischt werden. Ist das erwartbar, bekannt, passt das zu dem, was schon da ist, oder bleibt es verschlossen, wie eine Blüte, die sich noch nicht richtig geöffnet hat und die in der schwächlich blauen Beleuchtung eines morgendlichen Schlafzimmers auch keine Gelegenheit bekommt, es zu tun.
Instagram, diese kleine App, macht es den Künstler*innen leichter, ein Publikum zu erreichen, das nicht selten im Anschluss die Kunst selbst kannibalisiert. Kunst wird Konsumgut, unterwirft sich den Regeln von Nachfrage und Aufmerksamkeitsökonomie, wird Produkt, legt seine Freiheit immer öfter ab, wie einen uncoolen Frotteebademantel von Oma, den man nur anzieht, wenn garantiert niemand ein Foto macht. Dabei ist doch Wesen der Kunst, sich gerade dann zu ereignen, wenn man spielt, wenn man absichtslos ist oder verwegen, wild und ungehemmt. Insta kann eine Heckenschere sein, die gleich macht und zur Verarmung der Vielfalt beiträgt, weil hier das gefällt, was oft gesehen und das beklatscht wird, das Vorhandenes bestätigt, kopiert und imitiert.
Deswegen frag ich mich manchmal, ob Kunst und Insta überhaupt kompatibel sein können […]. Ich weiß natürlich, dass Insta kein Museum ist und kein Kunstförderverein und schon gar nicht die Wohlfahrt, sonder[n] ein Unternehmen mit Gewinnabsicht und folglich unterwirft sich eben alles, was hier stattfindet auch den Regeln des Marktes. Und klar, Insta ist auch trotzdem eine Chance für Kunst und Kunst hat auch abseits von Insta mit dem Thema Kommerzialisierung und Nachfrage und Marktkompatibilität zu tun. Aber in meinen Augen ist Insta, einfach durch das Thema Algorithmus und die damit verbundene Quantität und Schnelligkeit doch noch mal ein spezielles Thema, über das ich hier mal öffentlich nachdenken und auf die der App inhärenten Schwachstellen hinweisen wollte […]. Vielleicht folgen mir ja hier auch einige Menschen, die ihre Kunst via Instagram verbreiten – wie geht es euch mit der App? Beeinflusst sie euren kreativen Prozess und wenn ja, in welcher Weise, positiv wie negativ? Fühlt ihr Druck oder befeuert es euch, wie lebt es sich als Künstler*in in den Wellen des Feeds?